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Herr Gabriel, Sie täuschen, tricksen und tarnen!

14. Juli 2014 | Meinung

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Wirtschaftsminister Gabriel macht nicht nur die Energiewende kaputt, er verkauft diese wirtschaftsfeindliche und zukunftsblinde Politik auch noch als Erfolg. In mehreren großen deutschen Zeitungen ließ er am Wochenende diese Großanzeige schalten: "Wir haben etwas an der Energiewende gestrichen: Nachteile". Die Energiewende, so heißt es, sei jetzt "Planbar. Bezahlbar. Effizient".

Das Gegenteil ist richtig.

Planbar? Das Tempo, das Gabriel mit seinem neuen EEG vorgibt, bedeutet: Allein im Strombereich mit seinem „Deckel“ für Sonnen- uns Windstrom dauert die Energiewende über 100 Jahre. Diese Zeit haben wir aber im Angesicht des raschen Klimawandels nicht.

Bezahlbar? Jedes Jahr zahlt die deutsche Volkswirtschaft nahezu 100 Milliarden Euro für Kohle-, Gas- und Ölimporte an die arabischen Ölscheichs und an russische Gasbarone. Hinzu kommt, dass die Klimaschäden nach einer Berechnung des ehemaligen Chefvolkswirts der Weltbank etwa fünfmal teurer werden als eine rasche und intelligent organisierte Energiewende so wie sie bisher in Deutschland betrieben wurde.

  • Richtig ist, dass für die Energiewende 2013 die kleinen und mittleren Stromverbraucher hierzulande 20 Milliarden Euro aufbringen mussten.
  • Richtig ist aber auch, dass Steuerzahler für Atom- und Kohlesubventionen in den letzten Jahrzehnten etwa 400 Milliarden Euro bezahlten.

Keine Energiewende wird also viel teurer als eine rasche hundertprozentige ökologische Wende. Sonne und Wind schicken eben keine Rechnung, sie sind Geschenke des Himmels. Ein unschlagbarer ökonomischer Vorteil der hundertprozentigen Wende in den nächsten 25 bis 30 Jahren.

Effizient? Die Energiewende ist so lange nicht effizient wie der Wirtschaftsminister darunter eine Kohlewende versteht. Nicht zufällig heißen die Folgekosten der Kohlewirtschaft „Ewigkeitskosten“.

Herr Gabriel, Sie haben nicht die Nachteile gestrichen, sondern die mittel- und langfristigen Vorteile für die gesamte deutsche Wirtschaft vergeigt und zudem Zehntausende Arbeitsplätze bei den Zukunftstechnologien vernichtet. Aber das wollen Sie – wie Ihre Anzeige beweist – nicht wahrhaben.

Früher als Umweltminister haben Sie das Gegenteil dessen für richtig gehalten, was Sie heute tun.

Außerdem: Mit dieser Anzeige täuschen Sie, Sie tricksen und Sie tarnen. Glauben Sie im Ernst, so je Bundeskanzler werden zu können? Für wie dumm halten Sie uns Wählerinnen und Wähler eigentlich?

- Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. Franz Alt schreibt dort regelmäßig. -

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Kilian Rüfer aus Adelebsen | http://blog.sustainment.de

Montag, 14.07.2014 12:57

Mich hatte dieser Schmu auf Google+ erreicht. Zwei Tage vorher hätte ich es noch gut in meinen "Greenwashing in der Energiewirtschaft" Artikel (http://blog.sustainment.de/?p=2557) einbauen können. Beruhigend [...]

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Kommentare 1 - 1 von 1

Kilian Rüfer aus Adelebsen | http://blog.sustainment.de

Montag, 14.07.2014 12:57

Mich hatte dieser Schmu auf Google+ erreicht. Zwei Tage vorher hätte ich es noch gut in meinen "Greenwashing in der Energiewirtschaft" Artikel (http://blog.sustainment.de/?p=2557) einbauen können. Beruhigend ist, dass auf G+ alle aufschreien. Nur in der Zeitung, da sehen einzelne die Resonanz nicht. Eigentlich müsste man auch eine solche Anzeige ohne Schönfärberei schalten.

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