Hermann Falk vom BEE vermutet, dass Ausschreibungen nur dazu dienen, die deutschen Stromkonzerne zurück ins Spiel zu bringen.
Foto: Wikimedia/Flocko

Energiewende wird mit Ausschreibungsmodell teurer

20. Mai 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Ausschreibungen für Erneuerbare-Energien-Projekte verteuern die Energiewende und nehmen kleinen und mittelgroßen Anbietern die Chance zur Marktteilnahme. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

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Ein aktuelles Gutachten des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (izes) kommt zu dem Schluss, dass Ausschreibungen kein geeignetes Mittel sind, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben und kostengünstiger zu gestalten als bisher. Außerdem hätten kleine und mittelgroße Anbieter bei einem Ausschreibungsmodell mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Chance zur Marktteilnahme.

Uwe Leprich, wissenschaftlicher Leiter des izes, erklärte bei der heutigen Vorstellung des Gutachtens in Berlin: „Ausschreibungen verursachen sowohl für die staatliche Verwaltung als auch für die teilnehmenden Unternehmen erheblichen Mehraufwand und höhere Kosten“

Das izes-Gutachten wurde vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) in Auftrag gegeben. Dessen Geschäftsführer Hermann Falk sagte bei der Vorstellung: „Gerade angesichts der schlechten Erfahrungen mit Ausschreibungen im Ausland, die das izes-Gutachten nachzeichnet, verstehen wir nicht, warum Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dieses Instrument mit soviel Nachdruck durchsetzen will.“ Zudem habe sich Gabriel selbst in Brüssel für Ausschreibungen stark gemacht und verweise nun innenpolitisch auf die Forderungen der EU-Kommission. Dabei setze er aber noch nicht mal die von Brüssel geforderte Bagatellgrenze von einem Megawatt für Photovoltaik-Anlagen um.

Als Beispiele für gescheiterte Ausschreibungsmodelle im Ausland führte Falk zum Beispiel die Niederlande an. Hier seien viele Erneuerbare-Energien-Projekte auch Jahre nach der Ausschreibung nicht umgesetzt worden, weil die Unternehmen zu niedrige Gebote abgegeben hatten, um sich den Zuschlag zu sichern und mangels wirksamer Strafzahlungen auch nicht dazu gezwungen waren, die zugesagten Projekte zu realisieren. Auch in Brasilien seien viele ausgeschriebene Projekte am Ende nicht umgesetzt worden. In Frankreich hätten Ausschreibungen zu Kosten geführt, die mehr als drei Cent pro Kilowattstunde über der in Deutschland gezahlten Einspeisevergütung lagen. „Ausschreibungen dienen nur dazu, die deutschen Stromkonzerne zurück ins Spiel zu bringen“, schlussfolgert der BEE-Geschäftsführer.

Robert Neumann, Vorstand BürgerEnergie Buxtehude eG, warnte: „Die Akteursvielfalt, die die deutsche Energiewende bislang auszeichnet, wäre in Gefahr.“ Ausschreibungen würden zu hohen Risikoaufschlägen bei der Finanzierung führen. Dadurch würden sich viele Genossenschaften nicht einmal an Pilotprojekten beteiligen.

Die gesamt Studie kann auf der Webseite des Bundesverband Erneuerbare Energie eingesehen werden. (Mirco Sieg)

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Tina Ternus aus Rüsselsheim | http://www.pvbuero.de

Dienstag, 20.05.2014 18:54

Das ist klar wie Kloßbrühe: Am bisherigen Strommix von 25%, bzw. aktuell sogar schon 27% haben die vier großen Stromkonzerne nur einen Bruchteil dazu beigetragen. Konkret Stand 04/2013: 5%. Die Energiewende [...]

Dieter Arnold aus Schmelz

Dienstag, 20.05.2014 17:08

Das mit den Ausschreibungen ist im Baugewerbe bereits lange Praxis. Und die hat ebenfalls gezeigt, dass ein kleines oder mittleres Unternehmen kaum noch eine Chance hat, an einen vernünftigen Auftrag [...]

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Kommentare 1 - 2 von 2

Tina Ternus aus Rüsselsheim | http://www.pvbuero.de

Dienstag, 20.05.2014 18:54

Das ist klar wie Kloßbrühe: Am bisherigen Strommix von 25%, bzw. aktuell sogar schon 27% haben die vier großen Stromkonzerne nur einen Bruchteil dazu beigetragen. Konkret Stand 04/2013: 5%. Die Energiewende war bislang überwiegend in den Händen der Bürger
http://tinyurl.com/q59pmnk
Sämtliche Maßnahmen der EEG-Deform sorgen dafür, dass der Bürger herausgedrängt wird, speziell auch die sich überall neu gegründeten Energiegenossenschaften. So, wie es Josef Göppel bereits während der Koalitionsverhandlungen in Klimaretter.info am 30.01.2014 deutlich benannte: "Die Bürger werden herausgedrängt".
http://tinyurl.com/kkznnv5
Das Ausschreibungsmodell (ab 100 kWp !!) ist die Krönung des Ganzen. Da auch nichts am Wälzungsmechanismus (Hauptursache des Preisanstiegs) geändert wird, wird die EEG-Umlage auch weiterhin explodieren. Der Verbraucher und die Preisentwicklung muss zwar stets als Kronzeuge herhalten, ist aber in Wirklichkeit shitegal. Die gesamte "Energiewendepolitik" der Bundesregierung lässt sich mit nur einem einzigen Fragesatz charakterisieren:

Geht es um die Energiewende oder darum, wer an ihr verdient??!!

Dieter Arnold aus Schmelz

Dienstag, 20.05.2014 17:08

Das mit den Ausschreibungen ist im Baugewerbe bereits lange Praxis.
Und die hat ebenfalls gezeigt, dass ein kleines oder mittleres Unternehmen kaum noch eine Chance hat, an einen vernünftigen Auftrag zu kommen.
Die großen "Generalunternehmer" oder "Übernehmer" bieten zu Billigstpreisen an und schnappen den Auftrag für alle Gewerke. Dann verteilen sie das Ganze an verschiedene kleine und mittlere Unternehmen zu Hungerpreisen. Während der Bauphase lassen sie von den Subunternehmen einige über die Klinge springen mit Erpressung und Zahlungsverzögerung. Und am Ende wird die ganze Baumaßnahme durch Nachträge und alle möglichen Tricks wesentlich teurer als vorher geplant! Beste Beispiele: Elbharmony, Stuttgart 21, BER und fast sämtliche öffentlichen Großaufträge, die in den letzten 10 Jahren gelaufen sind!
Es ist zwar nicht eins zu eins das Gleiche, aber so ähnlich verläuft die Sache.
Die großen Konzerne können quer subventionieren, Subventionen einstreichen und durch temporäre Dumpingaktionen Wettbewerber vom Markt verdrängen. Wenn sie sich vergallopiert haben, lassen sie sich dann noch spektakulär retten, siehe Aktion Gerhard Schröder mit Bilfinger. So funktioniert "soziale" Marktwirtschaft. Wirklich preiswerter ist dadurch garantiert nichts geworden!

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