Entwicklung des Überschusses aus Stromexporten zwischen 2006 und 2015


Grafik: www.energy-charts.de

Deutschland nimmt mit Stromexporten 2,07 Milliarden Euro im Jahr 2015 ein

24. Februar 2016 | Politik und Gesellschaft, Märkte und Trends, Topnews, Hintergrund

Nach einer Analyse des Fraunhofer ISE hat Deutschland im vergangenen Jahr damit den alten Rekordwert von 2013 nochmals übertroffen. Es zeigt sich auch, dass Deutschland seinen überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien mitnichten ins Ausland verschenkt. Neben dem laufenden Atomausstieg ist nach Ansicht der Wissenschaftler auch die Stilllegung der ersten Braunkohlekraftwerke in diesem Jahr möglich, ohne dass die Versorgungssicherheit leiden würde.

Diesen Artikel teilen

Melden Sie sich jetzt kostenlos für unseren täglichen Newsletter an.

Zur Anmeldung

2015 hat Deutschland einen Außenhandelsbilanzüberschuss von 2,07 Milliarden Euro beim Stromexport erzielt. Dies liegt über dem bisherigen Rekordwert von 1,94 Milliarden Euro im Jahr 2013, wie die nun veröffentlichte Analyse des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ergab. Die Auswertung der Daten habe ergeben, dass für den ins Ausland exportierten Strom die gleichen Marktpreise wie für den importierten Strom erzielt worden seien. „Die These, Deutschland würde überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien ins Ausland verschenken, lässt sich anhand der Zahlen nicht bestätigen“, erklärte Bruno Burger vom Fraunhofer ISE, der die Daten des Statistischen Bundesamts ausgewertet hat.

Die Zahlen zeigen auch, dass Deutschland in den vergangenen zehn Jahren mit Stromexporten Einnahmen von Mehr als 13 Milliarden Euro erzielt habe. Im Jahr 2015 habe die exportierte Strommenge bei etwa 50 Terawattstunden gelegen. Auch dies stellt nach Analyse des Fraunhofer ISE einen neuen Rekord dar. So seien während 8074 der 8760 Stunden des vergangenen Jahres die Exporte höher als die Importe gewesen. Die durchschnittlich exportierte Leistung habe bei 5,7 Gigawatt, was der Leistung von vier Kernkraftwerken entspreche, hieß es weiter.


Die Preise für importierten und exportierten Strom lagen 2015 auf gleichem Niveau. Grafik: www.energy-charts.de

Der meiste Strom ist der Analyse zufolge 2015 in die Niederlande geflossen, die ihn dann teilweise nach Belgien und Großbritannien weitertransportierten. Auf Platz zwei folge die Schweiz, die den Strom aus Deutschland fast vollständig nach Italien durchgeleitet habe. Die höchsten Importe seien im vergangenen Jahr aus Frankreich erfolgt, wobei Deutschland meist nur Transitland für den Strom gewesen sei.

Angesichts des Atomausstiegs wird in Deutschland gern über die Gefährdung der Versorgungssicherheit diskutiert. Die Auswertung des Fraunhofer ISE zeigt nun, dass der Trend zu hohen Stromexporten weiter anhält. »Aufgrund der gestiegenen Produktion aus erneuerbaren Energien können wir es uns leisten, schneller aus der klimaschädlichen Braunkohle auszusteigen und schon dieses Jahr erste Kraftwerksblöcke stillzulegen«, sagt Burger. Dabei kämen die größten Zuwächse bei der Stromerzeugung aus Erneuerbaren von der Windkraft, die ihre Produktion auf etwa 27 Terawattstunden im vergangenen Jahr habe steigern können. Bei der Photovoltaik ist dagegen ein Einbruch beim Zubau zu verzeichnen gewesen. Burger fordert daher auch, dass die Photovoltaik-Nachfrage in Deutschland wieder angekurbelt werden müsse. „Hier sollte dringend gehandelt werden, denn der optimale Mix zwischen Solar- und Windenergie liegt bei einem Verhältnis von 1:1 bei der installierten Leistung. Der Ausbau der Photovoltaik liegt inzwischen aber um 4 Gigawatt bzw. 10 Prozent unter dem der Windenergie“, so Burger. Simulationen zeigen, dass bei gleicher installierter Leistung der Speicherbedarf und die jahreszeitlichen Schwankungen bei der Erzeugung am geringsten seien. (Sandra Enkhardt)

Direkt kommentieren

Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.

Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Karl Werner Götzinger aus Püttlingen | http://www.beg-koellertal.de

Donnerstag, 25.02.2016 10:19

In dem Bericht ist mehrmals davon die Rede, dass EE-Strom exportiert wurde. Das ist falsch ! EE-Strom hat nach dem Gesetz Vorrang in Deutschland und es wurde noch zu keiner einzigen Sekunde mehr EE-Strom [...]

vollständige Kommentare anzeigen
Kommentare 1 - 1 von 1

Karl Werner Götzinger aus Püttlingen | http://www.beg-koellertal.de

Donnerstag, 25.02.2016 10:19

In dem Bericht ist mehrmals davon die Rede, dass EE-Strom exportiert wurde.
Das ist falsch !

EE-Strom hat nach dem Gesetz Vorrang in Deutschland und es wurde noch zu keiner einzigen Sekunde mehr EE-Strom produziert, als in dieser Sekunde in Deutschland verbraucht wurde. Demzufolge kann ausschließlich Atomstrom und Strom aus fossilen Kraftwerken exportiert worden sein !

Mit dieser Strategie verfolgen die Atom- und Fossilstromproduzenten mehrere Ziele:

Sie senken durch die Überproduktion den Strompreis an der Strombörse, was zur Erhöhung der EEG-Umlage führt und genutzt wird, um die EEs als Strompreistreiber zu diskreditieren. Anschließend wird die Überproduktion noch gewinnbringend ins Ausland verkauft.

Vorschlag zur Vermeidung der Atom- und Fossilstrom-Überproduktion:
Jede exportierte kWh Strom wird mit der EEG-Umlage beaufschlagt, die von den Atom- und Fossilkraftwerksbetreiber zu entrichten ist, deren Anlagen zum Zeitpunkt des Exports Strom ins Netz einspeisten.

Positive Effekte der Maßnahme:

1.
Durch die Verteuerung des Stromexports wird ein Anreiz geschaffen, die Überproduktion zu drosseln und somit Atommüll und CO2-Emissionen einzusparen.

2.
Für den Endverbraucher sinkt die EEG-Umlage, da entweder der Börsenpreis nicht mehr künstlich in den Keller gezogen wird oder die Atom- und Fossilstrom-Exporteure einen Teil der EEG-Umlage zahlen.

3.
Die flexibleren und umweltfreundlicheren Gaskraftwerke werden gegenüber den Atom-, Braunkohle- und Steinkohlekraftwerken wirtschaftlich interessanter, da sie schneller eine Überschuss-Produktion vermeiden können.

4.
Die Nachbarländer werden nicht mehr mit deutschem Überschuss-Strom überflutet

Copyright 2014 © pv magazine

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

photovoltaic (pv) news on topics like thin film and feed-in tariffs and events like Intersolar Europe

Internationale Photovoltaik-News auf Englisch

Spanische Photovoltaik-News aus Lateinamerika