Solarpark auf Grünfläche

Der DBV will die Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf nicht-landwirtschaftliche Flächen begrenzen.
Foto: Solarpraxis AG/Mirco Sieg

Deutscher Bauernverband lehnt EEG-Förderung auf landwirtschaftlichen Flächen ab

03. Dezember 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews, Ausschreibungen

Der Deutsche Bauernverband (DBV) spricht sich in einer Erklärung gegen den Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) für eine Freiflächenausschreibungsverordnung für Photovoltaik-Anlagen aus.

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Aus Sicht des Deutschen Bauerverbandes sollen Acker- und Grünlandflächen der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten bleiben. Daher lehnt der Verband eine Ausweitung der EEG-Förderung für Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen ab.

Die Energiepolitik dürfe den Flächenverbrauch nicht weiter anheizen, sagt das Präsidium des DBV. Dieser sei mit 74 Hektar pro Tag schon jetzt zu hoch. Der Vorschlag des BMWi, ab einem Flächenverbrauch von jährlich 800 Hektar Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sei „völlig unbestimmt und unzureichend“.

Der DBV will die Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf nicht-landwirtschaftliche Flächen begrenzen. Dafür stünden Konversionsflächen oder bereits versiegelte Flächen zur Verfügung. Außerdem solle die Nutzung von Gebäuden und Dächern für Photovoltaik Vorrang behalten

Nicht alle Argumente für die landwirtschaftliche Fläche entkräftet
Allerdings ist die Begründung des Bauernverbandes etwas kurz geraten. Selbst wenn man 200 Gigawatt Photovoltaik, ein Ausbauziel, das zum Beispiel das Fraunhofer ISE für Deutschland für sinnvoll hält, als Freilandanlage realisieren würde (was niemand will), wären nur 134.000 Hektar Land nötig. 2013 gab es laut Destatis 16 Millionen Hektor landwirttschaftlich genutzte Fläche. 200 Gigawatt Photovoltaik würde also nur 0,8 Prozent dieser Fläche beanspruchen. Deutlich mehr, nämlich 198.000 Hektar, werden übrigens als stillgelegt ausgewisen. Für diese und andere Argumente pro Photovoltaik siehe Artikel und Poster hier.

Wenn man den Ausbau von 200 Gigawatt auf 20 Jahre strecken würde, enspräche das einem täglichen Flächenverbauch, der weit unter den 74 Hektar pro Tag liegt, die der DBV als zu hoch angibt. Photovoltaik ist übrigens ziemlich effizent. In früheren Zeiten, als nicht Taktoren sondern Pferde und Ochsen die Pflüge zogen, wurde übrigens ein deutlich größerer Flächenanteil zur Energieproduktion gebraucht. Dort mussten Futtermittel für die Zugtiere angebaut werden. Photovoltaik ist gegenüber den Energiepflanzen, die laut BSW Solar in 2011 auf 650.000 Hektar angepflanzt wurden, übrigens ziemlich effizient. Mit dem auf der gleichen Fläche produzierten Strom lässt sich 15 bis 30 Mal so viel Strom erzeugen.

Der Standpunkt bezüglich dieser Diskussion wird oft von den Eigentumsverhältnissen bestimmt, denn die Flächenkonkurrenz erhöht unter Umständen die Preise für die Pacht. Das war auch schon bei den früheren Diskussionen der Fall, bei denen sich der Bauernverband gegen die Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen ausgesprochen hat und die schließlich zur Herausnahme der Ackerflächen aus dem EEG führten. (Mirco Sieg, Michael Fuhs)

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JC W aus Alling

Dienstag, 09.12.2014 10:17

Schätzen ist zu wenig: Rechnen sollte man. Belegt man einen Hektar mit neueren Modulen von 300W je 1,6qm flach, dann kommen 1,8 MWp/ha heraus. Die könnte man dann noch nach Süden kippen, damit die Maximalleistung [...]

Erich Waldherr aus 97469 Gochsheim

Freitag, 05.12.2014 16:34

Bei aller Liebe: Auf 134.000 ha 200 GW zu bauen ist zu viel. Das wären ca. 1,5 MWp pro Hektar. Man braucht nach meiner Schätzung mindestens die dreifache Hektarfläche. Trotzdem wäre das machbar, [...]

Yann-Christoph Collin aus Parkentin

Donnerstag, 04.12.2014 12:36

Mit der steigenden Weltbevölkerung steigt weltweit die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Anbauflächen dauerhaft der Nahrungsproduktion zu entziehen, führt langfristig zu höheren Preisen der Nahrungsmittel [...]

Mnafred Steuer aus München

Donnerstag, 04.12.2014 08:03

Für die Rohstoffe zur Produktion von Biogas werden ausschließlich beste Ackerflächen verwendet. Diese Maisfelder werden aufwändig jedes Jahr bearbeitet und mit Dünger und Chemie malträtiert. Es entstehen [...]

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Kommentare 1 - 4 von 4

JC W aus Alling

Dienstag, 09.12.2014 10:17

Schätzen ist zu wenig: Rechnen sollte man. Belegt man einen Hektar mit neueren Modulen von 300W je 1,6qm flach, dann kommen 1,8 MWp/ha heraus. Die könnte man dann noch nach Süden kippen, damit die Maximalleistung auch irgendwann einmal erreicht wird, oder - noch besser - in Ost-West-Richtung kippen, damit der Ertrag zu den Tagesrandzeiten verbessert wird. Das erlaubt eine 40% höhere Flächenbelegung als bei optimaler Südausrichtung und immerhin 30% mehr Flächenertrag, da man bei der optimalen Südausrichtung den Reihenabstand etwas größer wählt, um Verschattungen zu vermeiden. Die Ausbeute pro Modul ist bei Ost-West-Ausrichtung natürlich ca. 10% niedriger, aber mit Sicherheit mehr wert, als der mit Südausrichtung produzierte PV-Strom, insbesondere wenn die installierte PV-Leistung noch signifikant (Faktor 6!) erhöht wird.

Erich Waldherr aus 97469 Gochsheim

Freitag, 05.12.2014 16:34

Bei aller Liebe: Auf 134.000 ha 200 GW zu bauen ist zu viel. Das wären ca. 1,5 MWp pro Hektar.
Man braucht nach meiner Schätzung mindestens die dreifache Hektarfläche.
Trotzdem wäre das machbar, da nach meinen Informationen derzeit etwa 17 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche mit Energiepflanzen bebaut ist.

Yann-Christoph Collin aus Parkentin

Donnerstag, 04.12.2014 12:36

Mit der steigenden Weltbevölkerung steigt weltweit die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Anbauflächen dauerhaft der Nahrungsproduktion zu entziehen, führt langfristig zu höheren Preisen der Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt. Das wiederum führt zu noch mehr Hunger auf dieser Welt! Daher spreche ich mich ausdrücklich gegen die Nutzung der Ackerflächen durch Freiflächensolaranlagen aus. Ebenso verhält es sich zudem mit den NawaRo-Biogasanlagen - die müssen verboten werden.

Mnafred Steuer aus München

Donnerstag, 04.12.2014 08:03

Für die Rohstoffe zur Produktion von Biogas werden ausschließlich beste Ackerflächen verwendet. Diese Maisfelder werden aufwändig jedes Jahr bearbeitet und mit Dünger und Chemie malträtiert. Es entstehen Monokulturen, die von der Artenvielfalt ausgeschlossen sind.
In einem Solarfeld entsteht sehr schnell ein natürliches Biotop. Eine vielfältige, natürliche Vegetation und Tierwelt entsteht. An die Bodenqualität wird keinerlei Ansprüche gestellt. Es können Grenzstandorte zur Solarstromgewinnung verplant werden.
UND: Um pro Jahr dieselbe Strommenge zu ernten benötigen wir 1 ha Solarfeld Ökofläche aber 50 ha Biogasmais Monokultur
Es geht dem Bauernverband also nicht um das gelingen der Energiewende und das Partizipieren der Landwirte, sondern es ist eine Neiddiskussion um die Wertentwicklung der landwirtschaftlichen Flächen.

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