Franz Alt, www.sonnenseite.com


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Atomkraft weltweit in der Krise

09. Januar 2017 | Meinung

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„Die japanische Atomenergie ist am Ende“ titelt die „Zeit“ in ihrer Neujahrsausgabe. Auch französische, schweizerische und englische Atomkraftbetreiber haben immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Ohne staatliche Gelder geht nirgendwo mehr ein Atommeiler ans Netz. Ein Kommentar von Franz Alt

Die „Japan Times“ prophezeit, dass Japans Premierminister Abe 2017 wegen seiner Unterstützung der Atomenergie die Wahlen verlieren könnte, denn selbst in seiner eigenen Partei sei die Mehrheit inzwischen gegen Atomenergie. In den nächsten 15 Jahren müssen weltweit aus Sicherheits- und Altersgründen mehr als die Hälfte aller AKW vom Netz.

Hinzu kommt, dass es global kein einziges Endlager für Atommüll gibt und die erneuerbaren Energien immer preiswerter werden.

Aus all diesen Gründen brach Ende Dezember 2016 der Börsenkurs des japanischen Atomkonzerns Toshiba um 40% ein. Vorher war bekannt geworden, dass die Kosten für zwei von Toshiba in den USA geplanten AKWs weit höher sein werden als bisher angegeben und sich die Bauzeiten enorm verlängern werden – wie überall auf der Welt.

Die Rating-Agenturen Standard & Poor´s und Moody´s haben daraufhin die Bonität von Toshiba herabgestuft. Die Börsenkurse von Deutschlands Atomkonzernen RWE und E.ON sind in den letzten 15 Jahren um bis zu 80% abgestürzt.

Japan kämpft nicht nur mit der Toshiba-Krise, sondern seit der Fukushima-Katastrophe immer noch und immer mehr mit der Tepco-Krise, dem anderen Atomriesen im Land der aufgehenden Sonne. Toshiba hatte schon früher seine Bilanzen um weit über eine Milliarde Dollar geschönt. Von den 54 japanischen AKWs hat allein Toshiba 22 gebaut. Jetzt aber ist das Vertrauen in die Atomriesen und in die Attraktivität der Atomenergie bei den Aktionären zerstört.

Anfang November 2016 hatte mich der Bürgermeister von Fukushima, Kaoru Kobayashi, zu einem Vortrag über erneuerbare Energie und gegen Atomkraft eingeladen. Es kamen 300 Bürgermeister aus Japan und 100 weitere aus der ganzen Welt.

Dabei sagte Kobayashi, die Fukushima-Schäden werden schon jetzt auf über 100 Milliarden Dollar geschätzt, 150.000 Gebäude seien zerstört worden, Tausende Umgesiedelte seien krank. Die psychischen Schäden wie Depressionen, Angstzustände und Traumata seien am schlimmsten. Die atomare Verstrahlung breite sich noch weiter aus – der Region Fukushima stehe die strahlende Zukunft erst noch bevor.

Als ich anschließend darauf hinwies, dass sich „das Märchen vom billigen Atomstrom“ längst als Lüge erwiesen habe, meinte ein Besucher: „Dieses Märchen glaubt spätestens jetzt in Japan kaum noch jemand. 80% der Japaner sind heute gegen Atomenergie – ähnlich wie in Deutschland. Nur die derzeitige Regierung hat das noch nicht begriffen“.

Die Veranstaltung stand unter dem Motte „Community Power“ und meinte damit, dass die Kommunen künftig ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen – zu 100% erneuerbar. 2017 hat in Japan der Atomstrom noch einen Anteil von 0,9 % am Gesamtstromverbrauch. Es waren mal über 30%.

Japans ökonomische Kernschmelze ist ein weiterer Rückschlag für die globale Atomlobby.

--- Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. ---

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W. Nekles aus Wismar | http://www.stromvergleichgewerbe.de/

Montag, 23.01.2017 21:53

Die Rating-Agenturen Standard & Poor´s und Moody´s haben daraufhin die Bonität von Toshiba herabgestuft. Die Börsenkurse von Deutschlands Atomkonzernen RWE und E.ON sind in den letzten 15 Jahren um [...]

micha drese aus bremen

Donnerstag, 12.01.2017 10:58

Nur mit Häme allein, lieber Herr Alt, läßt sich keine Eergiewende hin zu 100% erneuerbar gestalten. Auch ich finde die nicht vorhandene/n Endlagerstätte/n grotesk, geradezu absurd. Das einmal vorweg. [...]

Ralph Kessler aus Baden-Württemberg - Rheinfelden (Baden)

Mittwoch, 11.01.2017 23:30

Bevor das eintritt das sich die AKW Betreibern weltweit von der Hälfte ihrer Goldeseln trennen wird, da bin ich mir fast sicher muss uns noch das eine oder andere AKW um die Ohren fliegen sonst wird es [...]

sakari tapio aus helsinki

Dienstag, 10.01.2017 00:27

Nur Fnnland plant neue AKWs zubauen. Das ist eine Schande und bodenlose Frecheit. Und zudem noch ein riesiger strategisher Fehler, weil der Lieferant aus dem Osten kommt

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Kommentare 1 - 4 von 4

W. Nekles aus Wismar | http://www.stromvergleichgewerbe.de/

Montag, 23.01.2017 21:53

Die Rating-Agenturen Standard & Poor´s und Moody´s haben daraufhin die Bonität von Toshiba herabgestuft. Die Börsenkurse von Deutschlands Atomkonzernen RWE und E.ON sind in den letzten 15 Jahren um bis zu 80% abgestürzt.

Read more: http://www.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/atomkraft-weltweit-in-der-krise_100025581/#ixz[..] Das eine ist ein Hersteller. Die anderen beiden sind Energieversorger. Also in diesem Zusamenhang wäre die Entwicklung verschiedener Hersteller interessanter..

micha drese aus bremen

Donnerstag, 12.01.2017 10:58

Nur mit Häme allein, lieber Herr Alt, läßt sich keine Eergiewende hin zu 100% erneuerbar gestalten. Auch ich finde die nicht vorhandene/n Endlagerstätte/n grotesk, geradezu absurd. Das einmal vorweg. Aber auch in Japan war die Atomkraft gewollt. Nun will man sie nicht mehr und es müssen andere Lösungen her - wie hierzulande. Wie wäre es, man befragte das Volk wie in der Schweiz über die Zukunft der Atomkraft, das wäre dann mal repräsentativ. Frau Merkels Entscheidung und die des BVG sind es eben nicht. Und zur ganzen japanischen Wahrheit gehört, dass das Abschalten der AKW Japan finanziell schwer geschädigt hat, Importe anderer Energieträger waren die Folge mitsamt eines gewaltigen Handelsbilanzdefizits seit 2011. Mal sehen, wie man das hinbekommen will in einem Export-Industrieland diesen Ausmasses, das jetzt schon am Stock geht, und wenn man nicht weiter auf Kohle und Gas setzen will, wohl aber muß. Auch in D geht es nicht ohne, auch mit mehr als 80 GW PV und WEA nicht. Und in China werden noch reichlich AKW zugebaut, weil die zumindest CO2-neutral und permanent Energie erzeugen - trotz und vor allem wegen des gewaltigen Zubaus bei WEA und PV. Die Klimaziele sind ja die nächste Hürde.
Durch das Internet ist es ja von überall möglich, sich Ursache und Wirkung in D anzuschauen, wo über 120GW an alternativer Energieerzeugung installiert sind. Sicher sind die Japaner sich bewußt darüber, daß D zwar Vorreiter beim Energieumbau ist, allerdings OHNE Masterplan. Ganz aktuell: "Bundesrechnungshof kritisiert Energiewende" FAZ vom 12.01.2017.
Noch werden in D ca. 80TWh (dena) aus AKW erzeugt, für die es noch keinen Ersatz nach 2022 gibt, der auch permanent (11GW Leistung) zur Verfügung steht. Will heißen: Parallel zum Zubau müssen einige Pumpspeicherwerke und power-to-gas etc. gebaut werden, die aber durch Gesetzgebung und Börsenstrompreisfindung vollkommen unrentabel (siehe Schweiz und Import billigen dt. Stroms) durch die Letztverbraucherabgabe und Letztere noch in der Entwicklung sind. Das muß weg. Und Bürgerproteste nach dem Motto "Alles nur nicht vor meiner Haustür" auch. Leider auch hat Japan keine Nachbarländer, in die man den Überhangstrom leiten und (teils negativ) verkaufen kann, um Netze zu entlasten.....

Sicher haben Sie die Bürgermeister auch darauf hingewiesen, daß Massentierhaltung und dessen Fäkalien wie auch Monokulturen wie Maisanbau für die Biogasanlagen für die Kommunen nicht unbedingt ökologisch sinnvoll sind in einem so dichtbesiedeltem Land, um Energie zu erzeugen. Dafür müssen die Japaner nur umstellen von Fisch- auf Fleischverzehr, am billigsten Hähnchen, die noch subventionieren und nach China exportieren oder auch Afrika? Bodenverseuchung durch Überdüngung wird sehr teuer! Bei dem Thema werden allerdings die Grünen ganz schmallippig oder stumm.

Wäre schön, Sie hätten all dies aufgezeigt und vielleicht en passant Ideen für deutsche Automobilhersteller in puncto Brennstoffzellenantrieb mitgebracht, damit man hier von diesem Akku-Irrsinn - ebenfalls planlos - wegkommt.

Eines ist sicher: Rußland wird sich freuen.

Ralph Kessler aus Baden-Württemberg - Rheinfelden (Baden)

Mittwoch, 11.01.2017 23:30

Bevor das eintritt das sich die AKW Betreibern weltweit von der Hälfte ihrer Goldeseln trennen wird, da bin ich mir fast sicher muss uns noch das eine oder andere AKW um die Ohren fliegen sonst wird es nicht so weit kommen.

sakari tapio aus helsinki

Dienstag, 10.01.2017 00:27

Nur Fnnland plant neue AKWs zubauen. Das ist eine Schande und bodenlose Frecheit. Und zudem noch ein riesiger strategisher Fehler, weil der Lieferant aus dem Osten kommt

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