Refusol-Wechselrichter im Solarpark

AE erwarb 2013 den deutschen Hersteller Refusol.
Foto: Izen

Advanced Energy zieht sich aus Geschäft mit Photovoltaik-Wechselrichtern zurück

30. Juni 2015 | Märkte und Trends, Topnews

Der US-Konzern rechnet damit, dass der Ausstieg mehr zwischen 260 und 290 Millionen US-Dollar kosten wird. In den vergangenen sechs Monaten versuchte Advanced Energy eine Alternative zum Rückzug zu finden. Die Suche nach einem Käufer oder Partner blieben bislang aber erfolglos. IHS zeigt sich angesichts des erfolgreichen Geschäfts von AE in der Vergangenheit überrascht über den Rückzug.

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Die Advanced Energy Industries, Inc. (AE) wird sich aus dem Geschäft mit Photovoltaik-Wechselrichtern zurückziehen. Es sei die strategische Entscheidung gefallen sich einzig auf das „Precision Power“-Geschäft konzentrieren, teilte das US-Unternehmen mit. Von dem Rückzug aus dem Photovoltaik-Geschäft seien die AE Solar Energy Inc., AEI Power GmbH und deren Tochtergesellschaften betroffen. In den vergangenen sechs Monaten habe Advanced Energy intensiv nach einer Alternative für die Photovoltaik-Sparte gesucht, dazu zählten ein potenzieller Verkauf, ein Joint-Venture, eine Partnerschaft oder Gründung eines Spin-offs. Bislang seien die strategischen Verhandlungen bezüglich der gesamten Sparte an einen Investor aber nicht zu einem tragfähigen Ergebnis mit Blick auf die Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter und Partner gekommen, hieß es weiter. So habe sich AE nun zur Schließung entschlossen.

Der US-Hersteller erwartet, dass der Ausstieg aus dem Geschäft mit Photovoltaik-Wechselrichtern vorsteuerlich das Ergebnis mit 260 bis 290 Millionen US-Dollar belastet wird. Wobei der Großteil davon wohl im zweiten Quartal 2015 anfallen werde. Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte würden sich auf etwa 150 Millionen US-Dollar belaufen, auf das Inventar auf etwa 45 bis 75 Millionen US-Dollar. 15 Millionen US-Dollar erwartet AE als Kosten für die Mitarbeiter, 10 Millionen US-Dollar für Steuer-Wertberichtigungen und zusätzlich nochmal 40 Millionen US-Dollar an anderen Ausstiegskosten. An Barkosten, etwa für Abfindungen der Mitarbeiter, rechnet das Unternehmen mit 30 bis 45 Millionen US-Dollar, wobei rund zwei Drittel davon noch in diesem Jahr anfallen würden. Diese plane das Unternehmen aber aus den selbst erwirtschafteten Mitteln zu finanzieren, hieß es weiter.

Nach der Analyse von IHS war AE der elftgrößte Hersteller von Photovoltaik-Wechselrichtern weltweit und der fünftgrößte Lieferant in den USA im vergangenen Jahr. Noch 2013 sei er aber mit einem Marktanteil – gemessen am Umsatz – der drittgrößte Hersteller weltweit gewesen. Im vergangenen Jahr hatte AE kontinuierlich Marktanteile auf dem Heimatmarkt verloren. Zudem machten dem Hersteller die rapiden Preisrückgänge für Photovoltaik-Wechselrichter in den USA zu schaffen, erklärt IHS-Analyse Cormac Gilligan. Auch die Verlagerung der stärksten Photovoltaik-Nachfrage von Europa nach Asien, dabei gerade nach China und Japan, habe sich negativ auf die Geschäfte ausgewirkt. AE habe zwar versucht, nach dem Zusammenbruch des europäischen Photovoltaik-Markts und den Schwierigkeiten in den USA auf neuen Märkten Fuß zu fassen. Doch auch dies sei aufgrund der großen Wettbewerberzahl und den zumeist schwierigen Bedingungen für einen Markteintritt, wie etwa in Japan, nur begrenzt gelungen und konnte die Rückgänge in den USA nicht kompensieren, so Gilligan weiter. Der IHS-Analyst zeigt sich überrascht, dass sich kein Käufer gefunden habe, gerade angesichts des großen After-Sales-Servicenetzwerks, der großen Zahl an installierten Zentralwechselrichtern, der hohen Markenbekanntheit und den Versuchen, dass O&M-Geschäft auszubauen. Es sei ein seltenes Ereignis, dass ein Hersteller einen boomenden Markt verlässt, obwohl sich immer noch riesigen Möglichkeiten bieten würden, so Gilligans Einschätzung. IHS erwartet erwartet einen Wechselrichter-Absatz von 12 Gigawatt für 2015 und 2016. Mit seinem Ausstieg hinterlasse AE nun im Wechselrichter-Segment für große Photovoltaik-Kraftwerke eine Lücke in den USA. Zugleich sei dies aber die Chance für führende Anbieter wie ABB oder Schneider Electric sowie für Neulinge wie TMEIC ihre Marktpräsenz in den USA auszubauen. Zugleich könnte diese Lücke auch als Chance von chinesischen Photovoltaik-Herstellern wie Sungrow, TBEA oder Huawei gesehen werden, dass sie in den USA ihre Marktanteil steigern könnten, so Gilligan weiter.

Seit 2010 hatte sich der Hersteller vergrößert. Zunächst Anfang 2010 mit der Übernahme des US-Konkurrenten PV Powered, um das Geschäft auf dem Heimatmarkt auszubauen. Im zweiten Quartal 2013 folgte dann die Übernahme des deutschen Herstellers Refusol. Damit wollte AE seine Präsenz auf den internationalen Photovoltaik-Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Indien ausbauen. Zudem erweiterte der US-Hersteller mit dieser Übernahme sein Portfolio und war fortan stärker im Segment der dreiphasigen Wechselrichter vertreten. Noch im April konnte sich AE einen Großauftrag über die Lieferung von 325 Megawatt Zentralwechselrichter für US-Projekte sichern sowie einen Auftrag im Juni für 50 Megawatt an dreiphasigen Wechselrichtern in der Türkei, wie IHS schreibt. Nach eigenen Angaben will AE die bestehenden Aufträge noch abarbeiten. (Sandra Enkhardt)

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