Teyssens Angst vor der Photovoltaik

28. Oktober 2013 | Karl-Heinz Remmers

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Lieber Herr Teyssen,

seien Sie als Chef des Energieversorgers Eon meines tiefsten Mitgefühls versichert. Denn wer als Manager eines Milliarden-Konzerns der FAZ am Sonntag (27.10.13) ein derartig von Angst vor dem totalen Kontrollverlust und der Photovoltaik geprägtes Interview gibt, mit dem muss man einfach Mitleid haben. Oder den Kopf schütteln vor Ihrer Bankrotterklärung. Die Betreiber von Photovoltaikanlagen nun mit Schwarzbrennern zu vergleichen - und das obwohl Ihr Haus in Werbung und Tat gerade ebenfalls versucht, die Eigenerzeugung als Geschäft für Eon zu entwickeln - das ist doch eine völlig neue Qualität.

Ja, Sie bringen natürlich auch all die anderen Argumente, wie das der mangelnden Effizienz von Photovoltaik. Ja, und natürlich scheint auch woanders die Sonne mehr. Die schlechte Nachricht für Sie ist aber, dass sogar in Deutschland Solarstrom aus großen Kraftwerken nicht mehr kostet, als Strom aus einem neuen Gaskraftwerk. Und viel billiger als Atomkraft ist er sowieso. Das haben wir ja spätestens seit der dümmsten wirtschaftspolitischen Entscheidung aller Zeiten in England schwarz auf weiß. Ach ja, und dann natürlich wieder die Leier von der Photovoltaik-Branche, die einfach zubaut ohne sich um die Netze zu scheren. Tja, Schwarzbrenner brauchen eben keine Netze, so wie Ihre großen Kraftwerke sie brauchen. Und anders als Sie denken, sind die Schwarzbrenner sogar sicher bereit, ihren (finanziellen) Beitrag für die Netze und deren Steuerung zu zahlen.

Und dann haben Sie wieder Recht: Die Politik kann kein Reförmchen des EEG machen, sondern sie muss das neue, von Millionen von Betreibern geprägte Stromsystem definieren müssen. Aber darin kommen Sie nur vor, wenn es Ihnen gelingt, in diesem Geschäft Fuß zu fassen. Und das hat in Deutschland bisher offensichtlich noch nicht geklappt.

Vielleicht sind Sie deshalb so verängstigt und schreiben den Millionen von deutschen „Schwarzbrennern“ daher Eigensinn und „außerparlamentarisch“ sogar nahezu weltverschwörerische Kräfte zu. Oder haben Sie nur einfach realisiert, dass die Kunden, die vorher über Monopole und später über Oligopole leicht abzuzocken waren, Sie nun nicht mehr brauchen?

Aber so richtig übel wird es, wenn Sie mal wieder den Wegzug der deutschen Industrie prophezeien und die Chancen von Schiefergas und all die anderen wundervollen Dinge beschreiben. Oder die Weltenergiekonferenz in Südkorea (dort haben sie vielleicht die großen asiatischen Stände mit der Photovoltaik übersehen, schade eigentlich). Immer mit der gleichen Leier: Deutschland wird  deindustrialisiert. Ja, ganz sicher besonders, wenn England erstmal seine wundervollen neuen Atomkraftwerke, mit einem Festpreis von umgerechnet rund 34 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Und Deutschland lange vorher voll von den dann abgeschriebenen Photovoltaik- und Windanlagen profitiert, die weder Brennstoffkosten haben noch einen großen Konzern als Betreiber benötigen.

Für wen steigen die Strompreise eigentlich in Ihrer Darstellung? Für die Industrie ist die Lage doch besser als vor 2005! Warum verdrehen Sie hier immer Realität? Oder meinen Sie die Millionen Kunden, die sich noch immer wenig vorteilhafte Stromverträge mit Ihrem Haus "gönnen". Die sind sicher irgendwann auch alle weg, wenn sie merken, dass die Vorteile an der Börse bei jeder Erhöhung der EEG-Umlage unterschlagen und gleichzeitig im Strompreis draufgeschlagen werden. Der Sündenbock dafür steht natürlich schon jetzt fest: Die „Schwarzbrenner“ sind schuld.

Nein Herr Teyssen: Eon wird, so wie Sie es machen, in der Welt der erneuerbaren Energien nicht gebraucht. Die Bürger Deutschlands wollen die Energiewende. Und wenn Sie als Eon-Vorstand die Firma weiter nur auf Verteidigung und nicht Innovation ausrichten, dann wird Eon bei der Energiewende eben keine Rolle spielen.

Treten Sie zurück! Es gibt in Ihrem Haus sicher viele Andere, die es besser können als Sie.

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Klaus Schreiber aus Cham

Montag, 15.09.2014 10:11

Herrn Theyssen hat die Zeit bereits überholt. Er scheint das nur noch nicht zu kapieren!

Rainer Burmester aus Kollow

Dienstag, 12.08.2014 09:22

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen. (chinesische Weisheit). Wenn Menschen in solchen Positionen so was von sich geben, waren sie wohl bisher nur [...]

Werner Boehle aus 35066 Frankenberg | http://www.wettermuseum-alte-schule-schreufa.de

Freitag, 08.11.2013 13:37

Die armen Energieversorger, wir sollten mal mit der Sammelbüchse rumgehen, damit sie weiterhin große Töne spucken können. Hallo Karl-Heinz weiter so, finde Deine Arbeit toll!!

Ulf Plawer aus Groß Rönnau

Freitag, 01.11.2013 09:04

Mir voll aus der Seele gesprochen, Angst vor diesen 'Energieriesen' müssen die 'Erneuerbaren' nicht haben! Die 'Energie-Manager' wie der hier beschriebene E.on-Vorstand managen sich selbst weg! Und das [...]

NwComp Solar Team aus Berlin | http://www.nwcomp-solar.de

Mittwoch, 30.10.2013 23:12

Sicherlich müssen wir alle umdenken und dies wird nicht von heut auf morgen möglich sein. Man sollte seinem Mitmenschen einfach mehr Zeit geben und sich in Geduld üben.

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Kommentare 1 - 10 von 10

Klaus Schreiber aus Cham

Montag, 15.09.2014 10:11

Herrn Theyssen hat die Zeit bereits überholt.
Er scheint das nur noch nicht zu kapieren!

Rainer Burmester aus Kollow

Dienstag, 12.08.2014 09:22

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen. (chinesische Weisheit).
Wenn Menschen in solchen Positionen so was von sich geben, waren sie wohl bisher nur Kapitäne in der Badewanne.
Und ich habe tatsächlich gedacht, dass Herr Oettinger mit seiner "Unterwanderungsgefahr durch EEG-Anlagenbetreiber" bereits der Gipfel der Dummheit war.

Werner Boehle aus 35066 Frankenberg | http://www.wettermuseum-alte-schule-schreufa.de

Freitag, 08.11.2013 13:37

Die armen Energieversorger, wir sollten mal mit der Sammelbüchse rumgehen, damit sie weiterhin große Töne spucken können.
Hallo Karl-Heinz weiter so, finde Deine Arbeit toll!!

Ulf Plawer aus Groß Rönnau

Freitag, 01.11.2013 09:04

Mir voll aus der Seele gesprochen, Angst vor diesen 'Energieriesen' müssen die 'Erneuerbaren' nicht haben! Die 'Energie-Manager' wie der hier beschriebene E.on-Vorstand managen sich selbst weg! Und das ist gut so, denn solche Leute braucht das Land nicht. MfG

NwComp Solar Team aus Berlin | http://www.nwcomp-solar.de

Mittwoch, 30.10.2013 23:12

Sicherlich müssen wir alle umdenken und dies wird nicht von heut auf morgen möglich sein. Man sollte seinem Mitmenschen einfach mehr Zeit geben und sich in Geduld üben.

Resi Rieder aus Furth im Wald

Dienstag, 29.10.2013 13:47

Ein wunderbarer Kommentar Herr Remmers, Sie sprechen mir aus der Seele. Die großen "4" haben einfach nur Angst, das Monopol für die Energieerzeugung aus der Hand zu geben. Bin auch dafür, dass Herr Theyssen zurücktreten sollte, solch unfähige Manager , die noch dazu die Leute aufhetzen, müssen einfach weg - ohne Abfindung wohlgemerkt!

Florian Kipp aus Rosenfeld

Dienstag, 29.10.2013 10:36

Man muss dazu schon sagen: Natürlich gibt es einige Probleme, Neuerungen oder Herausforderungen mit der Energiewende: So sind beispielsweise die Schwankungen im Tages- und Jahresverlauf aufzufangen, die neuerdings unterschiedlichen Flussrichtungen im Netz zu beherrschen und abzusichern oder auch mal punktuell Niederspannungsnetze auszubauen.

Doch dass man fast alles schaffen kann, wenn man nur will und die Kosten dann nicht mehr die vorrangige Rolle spielen, lehrt uns doch die jüngste Vergangenheit: Egal, ob eine Laufzeitverlängerung fürs Atom gegen jeden Widerstand mit anschließendem Wiederausstieg oder die Übernahme von Staatsbürgschaften im Hunderte-Milliarden-Bereich quasi über Nacht (da "alternativlos"), egal ob ein Neubau eines AKW in England oder die Zerschlagung eines europaweiten Kompromisses zur PKW-Abgasbegrenzung nach einer Großspende - man kann fast alles wenn man nur will. Und wie man ja am Wahlergebnis sieht, kann man es meistens dem Volk auch noch als "sein Bestes" verkaufen.
So schaffen wir sicherlich auch die Herausforderungen der Energiewende - wenn man nur will!

Richard S. aus Pforzheim

Dienstag, 29.10.2013 10:34

Teyssen selbst ist einer der grössten Schwarzbrenner. Lt Fischer Weltalmanach haben AKWs und KoKW einen Eigenverbrauch von 35 Mrd kwh. Dafür zahlen sie aber keine Abgaben, Steuern, Netzentgelte - weil sie es eben gleich vor Ort verbrauchen. Andererseits brauchen sie aber Stromnetze um ihre Strom wegzuleiten aber auch um bei Revisionen den Stromverbrauch des Kühlkreislaufs versorgen zu können.
Teyssen soll also mal den Mund nicht zu voll nehmen. Wenn er mit seiner Arbeit überfordert ist soll er andere, fähige Leute ranlassen!

Ingeborg Zenkel aus Ostermeithing | http://www.sun-value.com

Dienstag, 29.10.2013 08:22

Vielen Dank für Ihren kompetenten, aussagekräftigen und den Tatsachen entsprechenden Beitrag.
Gerne lese ich wieder Ihre Stellungnahmen.

JC W aus Alling

Dienstag, 29.10.2013 07:07

Dass die Schwarzbrenner keine Netze bräuchten (wie es sie bisher gibt), stimmt zwar, aber leider nicht so, wie Herr Remmers das meint: Sie erhöhen nämlich durch ihr Einspeise- und Entnahmeverhalten die Volatilität im Netz. Um diese Volatilität zu ermöglichen, müssen Kraftwerke bereitgehalten werden, die wesentlich seltener gebraucht werden, als das im gegenwärtigen Netzdesign der Fall war. Sie produzieren den Strom deshalb teurer als bisher. Die Eigenerzeuger deshalb als Schwarzbrenner zu bezeichnen ist natürlich eine dämliche Polemik. Sie wäre nur zutreffend, wenn sie ihren Strom heimlich erzeugten. Eigentlich könnten die Netzbetreiber doch Tarife entwickeln, in denen das Verbrauchsprofil den Preis bestimmt. Dann ist überhaupt nicht mehr wichtig, wieviel man selbst erzeugt. Entscheidend ist dann nur, zu welchen Zeiten man wieviel Strom aus dem Netz abnimmt, und in welcher Regelmäßigkeit. Ich denke, so etwas würde auch Herr Teyssen verstehen.

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