Super: EEG für Atomenergie in England!

22. Oktober 2013 | Karl-Heinz Remmers

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Nun ist auch ohne die seltsamen Vertuschungsmanöver eines Herrn Oettinger oder anderer Politiker die Katze aus dem Sack: England will tatsächlich eine Festpreisvergütung nach Muster des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für neue Atomkraftwerke umsetzen und da steht es nun schwarz auf weiß:

Neue Atomkraftwerke sind nicht unter 10,9 Cent pro Kilowattstunde über 35 Jahre (!) plus Inflationsausgleich zu haben. Rechnet man dies auf die Photovoltaik-Vergütungszeiträume im deutschen EEG von 20 Jahren um, dann sind es über 34 Cent pro Kilowattstunde. Also fast das 3,5- fache der derzeitigen deutschen Wind- oder Solarvergütung.

Ich finde es total super, dass ein bekanntes Land weiter an diesem ökonomischen Schwachsinn arbeitet – angeblich im Namen der Versorgungssicherheit. Denn damit ist nun offen und quasi amtlich wie teuer Atomstrom ist. Und dass sogar schon ohne eine richtige Versicherung oder 100-prozentige Verantwortung für den Atommüll. Also weiter ohne externe Folgekosten, die auf die umgerechnet 34 Cent pro Kilowattstunde noch draufzuschlagen sind, wenn man die Kosten mit Wind- oder Solarenergie vergleichen will.

Nachdem uns ja ein Kommentar im Handelsblatt als Öko-Sozialisten abgestempelt hat, kann der gute rechtsgesinnte Hetzer ja nun gerne mal über die Atom-Soziallisten aus England abladen. Kann er wahrscheinlich aber nicht, denn er kriegt vor Schreck "das Maul nicht mehr zu", wie man in meiner Heimat gerne sagt.

Die Erneuerbaren Energien können angesichts dieser Meldung einmal mehr stolz darauf sein, was wir erreicht haben und welche ökonomischen und ökologischen Vorteile wir der Welt bieten können.
Und das zu einem Bruchteil der Kosten von fossiler oder nuklearer Energie. Dank England hat nun endlich mal ein Land klar ausgesprochen wie groß der Unterschied ist. Ohne "ungenaue" Studien, Ökospinnerei oder was auch immer.

Nun denn, sehen wir einmal, ob es am Ende auch durchgezogen wird - denn dazu muss der Beihilferahmen in der EU angepasst werden (ja, jetzt wissen Sie auch warum unser alter Freund Oettinger das so gerne möchte). Dann müssen diverse staatliche Bürgschaften beim Bau helfen und dieser wird dann auch noch länger als bis 2023 dauern (wetten?). Sollte es am Ende klappen, dann hat England bis über 2060 hinaus eine dicke finanzielle Last an der Backe (plus natürlich den Atomschrott und -müll).

Und das während Deutschland schon sehr bald nur noch von den sinkenden Preisen und den abgeschriebenen EE-Anlagen profitieren wird. Na dann: Willkommen britische Industrie in Deutschland! Und nochmal danke England für die ungeschminkte und glasklare Offenlegung der realen ökonomischen Unterschiede.

Nehmen Sie das also mit, wenn Sie mal wieder als Strompreistreiber oder gar mit dem Hetzbegriff "Entsolidarisierer" angepampt werden. Und fragen Sie doch auch mal die seltsamen "Mithetzer" der fossil/nuklearen Industrie aus unseren eigenen Reihen, wer denn hier nun "entsolidarisiert"?

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Bernd Waack aus Greussenheim

Mittwoch, 23.10.2013 23:37

Sehr geehrter Herr Remmers, mir erschliesst sich leider nicht, wie Sie von 10,9 ct/kWh Atomstrom auf ein EEG Äquivalent von 34 ct/kWh kommen. Vielleicht können Sie das für Unbedarfte etwas genauer [...]

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Kommentare 1 - 1 von 1

Bernd Waack aus Greussenheim

Mittwoch, 23.10.2013 23:37

Sehr geehrter Herr Remmers,
mir erschliesst sich leider nicht, wie Sie von 10,9 ct/kWh Atomstrom auf ein EEG Äquivalent von 34 ct/kWh kommen. Vielleicht können Sie das für Unbedarfte etwas genauer erklären.

Vielen Dank im Voraus.
Herzliche Grüße
Bernd Waack

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