Oettinger: Solar- und Windkraftbetreiber "unterwandern" Deutschland

07. Juli 2014 | Franz Alt, www.sonnenseite.com


Foto: Caren Alt

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Jetzt hat er die Katze aus dem Sack gelassen: Noch-EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte in diesen Tagen vor dem Wirtschaftsrat der CDU: Deutschland sei „unterwandert“ von Eigenheimbesitzern mit Solaranlagen, Bauern mit Bioenergie-Kraftwerken und Bürgern, die sich finanziell an Windkrafträdern beteiligen. Bisher hat die Politik den Bürgern empfohlen, sich an der Energiewende zu beteiligen. Doch jetzt werden sie für ihr Engagement als „Unterwanderer“ beschimpft. Demokratie pervers!

Selten hat sich ein für die Energie zuständiger Politiker selbst so entblößt und blamiert. Oettinger macht damit ganz deutlich, dass er Energiepolitik ausschließlich im Sinne der alten vier großen Energiekonzerne betreibt und nicht im Interesse von Millionen Bürgerinnen und Bürgern.

„Unterwandert“

Mit diesem Begriff macht der Energiekommissar klar: Die Energiewende ist etwas Unanständiges, zumindest nicht gewollt. Die bösen Bürger, die sich für die Energiewende engagieren, „unterwandern“ die Demokratie und schmälern damit einfach die satten Gewinne der alten Energiekonzerne. Diese Bürger seien einfach unverschämt, vielleicht handeln sie sogar illegal.

So undemokratisch darf kein demokratisch bestellter Politiker daherreden. Herr Oettinger, Sie kamen nicht als Interessenvertreter der vier Energie-Besatzungsmächte Eon, RWE, Vattenfall und EnBW in Ihr Amt in Brüssel, sondern im Auftrag von Millionen Bürgern. Doch Sie nehmen lieber den Abbau von Hunderttausenden Arbeitsplätzen in den erneuerbaren Energiebranchen in Kauf, die Zerstörung des Weltklimas und Kriege um die zu Ende gehenden Ressourcen als dass Sie die Privilegien der alten Energiekonzerne antasten.

Als Konservativer ist Ihnen die alte Planwirtschaft mit wenigen Oligopolisten wichtiger als eine moderne und zukunftsfähige Energiewende und eine dezentrale Energieversorgung.

Am liebsten würde Oettinger das EEG ganz abschaffen verriet er dem CDU-Wirtschaftsrat. Doch leider sehe er dafür keine Chance, meinte der Energiekommissar in Übereinstimmung mit dem ebenfalls anwesenden FDP-Chef Christian Lindner. Für die Abschaffung des EEG sei es leider zu spät.

Oettinger wörtlich: „Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen.“

Deutschland ist eben von Wind- und Sonnen- und Bioenergiefreunden „unterwandert“. Wie gut, dass es noch aufrechte „Demokraten“ wie Günther Oettinger gibt, die Deutschland und Europa vor dem Untergang schützen. Wen wundert es eigentlich noch, dass diese demokratiefeindliche Brüsseler Selbstherrlichkeit in den EU-Ländern immer weniger Anhänger findet?

- Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. Franz Alt schreibt dort regelmäßig. -

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Herbert Ackermann aus Bremgarten

Samstag, 16.08.2014 03:24

Nun, so pervers ist die Aussage nicht, ausser man erachtet es als pervers wenn ausnahmsweise mal ein Politiker Fehler zugibt. Tatsache ist: ein paar Zehntausend profitieren und ein paar Millionen bezahlen. [...]

Manfred Millmann aus Erbach/Odw.

Freitag, 11.07.2014 20:41

Wer jemals die überaus schlichten Argumente eines G. Oettinger live erleben durfte, den kann nichts mehr erschüttern. schlichter geht's nichter !

Martin, Prof.Dr. Spülbeck aus Senden | http://www.innovia-online.de

Dienstag, 08.07.2014 09:15

Danke für die deutlichen und enttarnenden Worte ;)) Im Gegenzug lässt sich dazu wohl nur noch feststellen: "Deutschland ist unterwandert von Politikern, die - vom Volk gewählt und üppigst bezahlt [...]

Bernhard Böttcher aus Hohen Neuendorf

Dienstag, 08.07.2014 07:37

Mir fällt dazu nur folgendes Zitat ein: Ein jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: in der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten wird es bekämpft und in der dritten [...]

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Kommentare 1 - 4 von 4

Herbert Ackermann aus Bremgarten

Samstag, 16.08.2014 03:24

Nun, so pervers ist die Aussage nicht, ausser man erachtet es als pervers wenn ausnahmsweise mal ein Politiker Fehler zugibt.
Tatsache ist: ein paar Zehntausend profitieren und ein paar Millionen bezahlen. Wasserkraftwerke mit Laufzeiten von über hundert Jahren und somit wohl eine der passendsten Formen der Produktion durch erneuerbare Energieträger erhält - dank Laufzeitlimiten - den Marktpreis (z.Zt. ca. 3ct/KW) und sind damit nicht mehr rentabel. Was bezahlt man in Deutschland pro KW? 25ct oder schon mehr?
Dies ist das Ergebnis wenn sich Politik in Marktwirtschaft einmischt. Dass nebenbei noch die ganze Netzinfrastruktur umgebaut werden muss wird totgeschwiegen und die 10'000 von Jobs entstehen wohl eher in China denn in Deutschland.
Die PV Anlagen Förderung kostet Milliarden und bringt einen kleinen Anteil am Gesamtverbrauch. Deshalb kann man auch nicht von künftig dezentraler Energieerzeugung reden. Im Gegenteil: In Zukunft wird die Energie von den grossen Windparks im Norden geliefert vs. der regionalen Produktion von heute.
Um die Kohle- und Atommeiler abzuschalten braucht es dann aber noch eine entsprechende Netzinfrastruktur. Wobei das mit dem Abschalten schwierig wird, da die Netzregulierung irgendwie stabil erfolgen muss, braucht es entsprechend grosse Verfügbarkeiten mit dem Ergebnis, dass Energiewende hin oder her noch nie in der Geschichte soviel Strom aus Kohlekraftwerken wie in 2013 produziert wurde, wegen günstiger Emmissionszertifikate auch noch halbwegs rentabel.
Ergebnis: Rekordproduktion, Rekordemmission und rekordhohe Preise…...

Manfred Millmann aus Erbach/Odw.

Freitag, 11.07.2014 20:41

Wer jemals die überaus schlichten Argumente eines G. Oettinger live erleben durfte, den kann nichts mehr erschüttern. schlichter geht's nichter !

Martin, Prof.Dr. Spülbeck aus Senden | http://www.innovia-online.de

Dienstag, 08.07.2014 09:15

Danke für die deutlichen und enttarnenden Worte ;))
Im Gegenzug lässt sich dazu wohl nur noch feststellen:
"Deutschland ist unterwandert von Politikern, die - vom Volk gewählt und üppigst bezahlt - leider nur das Wohl von Lobbyisten im Auge haben ..."
Ist es verboten hierzu zu einem Steinewurf auf diese Politiker aufzurufen ?
(Analog der Aufforderung eines anderen LobbyPolitikers, Steine auf PV-Anlagen zu werfen?)

Mir kommt bei Thema Energiewende und LobbyPolitik in Deutschland nur das kalte Kotzen!
Wir sind nicht nur auf dem Besten Wege in, sondern bereits mitten drin im ´BananenStaat-Deutschland` und dies mittlerweile auf hohem Niveau.

Doch war können wir tun ?
Den Kopf in den Sand stecken oder Weiterkämpfen ?
Ich bin für Zweiteres und bitte jeden, der dies liest und ebenso denkt und fühlt, seine lokalen Politiker anzuschreiben und aufzufordern, die EnergieWende nicht abzuwürgen oder den (langsamen) großen 4, sondern in Bürgerhand zu belassen.
Andernfalls bitte ich Sie darum, solche LobbyPolitiker in Zukunft nicht mehr zu wählen.

Was kann der kleine Mann/Frau weiterhin tun ?
Sich ein eigenes PV-BalkonKraftwerk zu kaufen und ans BalkoGeländer schrauben, um damit seine eigenen EnergieKosten zum großen Teil im Griff zu behalten und energetisch unabhängiger zu werden.
Ständig auf die Reichen, die sich eine PV-Anlage leisten können, zu schimpfen, aber selber nix tun, brungt uns hier nicht wirklich weiter! Und spielt auch nur den LobbyPolitikern in die Hände, die die EnergieWende mit miesem Sozial-Neid abwürgen wollen ...
Oder einer Beürger-Energie-Genossenschaft beitreten.
Einfach zeigen, dass wir uns das nicht gefallen lassen wollen!
In diesem Sinne,
viele Grüße,
Martin Spülbeck

Bernhard Böttcher aus Hohen Neuendorf

Dienstag, 08.07.2014 07:37

Mir fällt dazu nur folgendes Zitat ein:

Ein jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: in der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten wird es bekämpft und in der dritten gilt es als selbstverständlich. Arthur Schopenhauer

Mit etwas Optimismus kann man feststellen, dass die Erneuerbaren bald als selbstverständlich gelten.

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