IG Metall und IG BCE wollen mehr als 300.000 Arbeitsplätze streichen

24. Oktober 2013 | Karl-Heinz Remmers

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Es erscheint wie ein Stück aus dem Tollhaus: Fordern doch die Gewerkschaften (!) IG Metall und IG BCE die sofortige Streichung von über 300.000 Arbeitsplätzen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Und das in seltener Eintracht mit der ritualisierten "Gegenseite" - dem BDA und dem BDI. Was für eine unfassbare Dummheit auf Seiten der sogenannten Arbeitnehmervertreter. Die Forderung: Man solle doch sofort die Einspeisevergütung für neue Erneuerbare-Energien- Anlagen streichen um den weiteren Strompreisanstieg zu stoppen. Alternativkonzept: Fehlanzeige.

Sehr gut, liebe Funktionäre der Gewerkschaften, dann habe ich als Unternehmer ja bald keine Schuld mehr an unvermeidlichen Arbeitsplatzverlusten oder auch der Insolvenz des Unternehmens. Die Forderung kam ja von Euch! Die Arbeitnehmer können sich dann auch direkt an Euch wenden. Ach sorry, Ihr macht ja nichts für Arbeitslose und habt offenkundig noch immer zu wenige Mitglieder im Bereich der Erneuerbaren. Was in Eurer kruden Logik ja auch wieder an den Erneuerbare-Energie-Unternehmern liegt, die eben keine Gewerkschaften mögen und ihre Mitarbeiter nur quälen. Oder liegt es vielleicht doch eher daran, dass Ihr nun alle Arbeitsplätze über Nacht kaputt machen wollt? Ohne Sozialplan und das ganze Gedöns was Ihr sonst immer so fordert.

Mein leider viel zu früh verstorbener Vater, seines Zeichens Arbeiter und Betriebsratsmitglied in einem Chemiebetrieb der siebziger Jahre, hatte also Recht mit seinen derben Formulierungen gegenüber den Oberen in der damaligen IG Chemie (heute IG BCE). Nachdem die Betriebsräte seinerzeit vor Ort echte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen errungen hatten, hat auch mein Vater damals geglaubt, man könne solche Erfolge über die IG Chemie noch flächendeckender ausbreiten. So war es aber nicht. Er hat schnell erkannt, dass es um Funktionäre, Pöstchen und ganz andere Ding ging. Seit dem hat er sehr hässliche Worte für die IG Chemie gebraucht - er hat aber trotzdem vor Ort weitergemacht.

Nun sehe ich als Sohn (und Unternehmer aus Leidenschaft) auch wieder viele Gewerkschaften von IG Metall und anderen um bessere Bedingungen ringen. Vor allem auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen, gerade auch in der Solarbranche. Viele von ihnen werden sich heute aber noch beschissener fühlen als mein Vater damals. Denn ihre Führung hat ihnen ins Gesicht gespuckt: Weg mit dem ganzen Erneuerbaren-Energien-Mist. Und zwar sofort!

Ob man am Ende der gemeinsamen Erklärung mit den "Bonzen" von BDA und BDI Champagner gesoffen hat, ist leider nicht überliefert. Ist auch egal, denn nun muss sich die Basis erheben und klarmachen, was diese Erklärung für eine zerstörerische Wirkung entfalten würde, wenn die Politik einem solch dummen Vorschlag folgt.

Und daran erinnern, was mit der Partei passiert ist, die eben dieses EEG-Moratorium im Wahlkampf gefordert hat. Die FDP ist jedenfalls raus aus dem Rennen und Gewerkschaften erledigen sich endgültig selbst, wenn sie Arbeitsplätze zerstören, die ihre direkten Freunde (pardon, Feinde) aus den jährlichen Tarifritualen eben nicht mögen. Einmal mehr wird damit klar: Corporate Germany hasst die Erneuerbaren Energien - und stellt sich ständig gegen weiterhin über 85 Prozent der Bevölkerung. Daher müssen wir unsere positiven Botschaften und Zukunftsperspektiven künftig noch stärker und effektiver darstellen, als wir es bislang tun.

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thorbjörn johannson aus berlin

Freitag, 06.12.2013 17:47

@Günter Ringhut Lieber Herr Ringhut, Ihr Kommentar ist zwar schon ein wenig her, sozusagen ein wenig von gestern aber, ich meine Ihnen doch noch gefällig antworten zu müssen denn, m.E. sind Sie gehörig [...]

Günter Ringhut aus kelkheim

Freitag, 25.10.2013 14:29

Lieber Herr Remmers, leider sehen jetzt immer mehr Verbraucher die unangenehme Seite der Energiewende, die Kosten steigen und steigen, die Energiesicherheit schwindet, die Solarpannelhersteller sind [...]

Dieter Lesemann aus Barsbüttel | http://www.weniger-Energieverbrauch-ist.net

Freitag, 25.10.2013 12:49

Hallo Herr Remmers, danke für diesen vortrefflichen Artikel. Damit sprechen Sie mir absolut aus der Seele. Ja- eine Partei ist raus aus dem Rennen, doch leider schwant mir im Augenblick von dem, [...]

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Kommentare 1 - 3 von 3

thorbjörn johannson aus berlin

Freitag, 06.12.2013 17:47

@Günter Ringhut
Lieber Herr Ringhut, Ihr Kommentar ist zwar schon ein wenig her, sozusagen ein wenig von gestern aber, ich meine Ihnen doch noch gefällig antworten zu müssen denn, m.E. sind Sie gehörig auf dem Holzweg.
1. sind die Panelhersteller ja nicht alle pleite, allein die Schlafmützen und die die sich zu lange auf alten Erfolgen ausgeruht haben sind eben pleite.
2. was heist hier 10% Jahresleistung? Also wir haben jetzt im vergangenen Sommer eine 6Kwp Anlage installiert. Diese wird hier im Berliner Raum so ca 5.000-5.500 kwh/a produzieren. Wir haben Module zu 55€ct/w, Wechselrichter zu 15€ct/w und Instmat zu 9€ct/w erworben. Geschraubt haben wir selbst. Und jetzt rechne ich wie meine Großmutter: Anlagenkosten € 4.740,-- verteilt auf 20 Jahre macht € 237,-/a. Und diese € 237 erbringen 5.000 kwh, macht rd € 0,047, oder eben 4,7€ct. Was heist hier also teuer? Jetzt wollen wir noch einen Speicher einbauen und dann ca 70% Eigenverbrauch erreichen. Und den Rest müssen wir eben noch beziehen, aber bestimmt auch nicht mehr lange, man könnte z.B. mit Überschußstrom Ameisensäure oder Methan und später in einer handlichen Brennstoffzelle wieder wandeln. Nee Herr Ringhut die Zeit der fossilen und atomaren Energien ist abgelaufen. Aber Sie können ja gerne auch nach Britannien ziehen und dort Atomstrom für, na sagen wir 25€ct genießen; und Ihren Kindern und Kindeskindern erzählen Sie dann wo Sie die Reste vergraben haben.

Günter Ringhut aus kelkheim

Freitag, 25.10.2013 14:29

Lieber Herr Remmers,
leider sehen jetzt immer mehr Verbraucher die unangenehme Seite der Energiewende, die Kosten steigen und steigen, die Energiesicherheit schwindet,
die Solarpannelhersteller sind alle Pleite, der Asbeck versilbert seine letzten
Aktien und den Rest liefert China. Sie sprechen von 300.000 Arbeitsplätzen die
in Gefahr sind, woher die Zahl? Konnten diese Arbeiter nicht wissen was man aus
10% der Jahresstundenleistung bei Sonne alles herausholen kann, das dann nicht reicht um unsere Verbräuche zu decken, der Bio-Mist und Windkraftstrom kann uns auch nicht weiterhelfen. Es hat sich doch gezeigt das es nicht funkt und war außer bei den Lobbyisten voraussehbar. Also sind jetzt die Gewerkschaften
dran uns zu erklären dass es so nicht geht, ist das so schlimm sich von Technologien zu verabschieden die nur als Milliardengrab zu bezeichnen sind?
Anderswo finazieren Bürger neue AKW´s um bezahlbaren Strom zu erhalten.(GB)

Sie könnten uns ja mal Ihre Lösung aufzählen, aber bitte bezahlbar!

Herzlichst

Günter Ringhut

Dieter Lesemann aus Barsbüttel | http://www.weniger-Energieverbrauch-ist.net

Freitag, 25.10.2013 12:49

Hallo Herr Remmers,

danke für diesen vortrefflichen Artikel.
Damit sprechen Sie mir absolut aus der Seele.

Ja- eine Partei ist raus aus dem Rennen, doch leider schwant mir im Augenblick von dem, was in Berlin gerade passiert, auch nicht viel Besseres.

Die Sicherung der eigenen Pfründe geht halt über alles.

Mein Großvater und mein Onkel waren ebenfalls glühende Gewerkschafter. Beide mußten jedoch im Lauf der Zeit schmerzhaft erkennen, dass sie bei denen "dort oben" kein Gehör fanden, ja sogar gemobbt wurden, weil sie etwas kritisierten und unbequem waren.
Später habe sie dann ohne Gewerkschaft im Rücken weitergekämpft für ihre Ideale - und mehr erreicht als je zuvor.

Mit einem solchen, von Ihnen Herr Remmer aufgezeigtem Verhalten führen sich die Gewerkschaften doch immer mehr ad absurdum. Leider leiden die Mitglieder vor Ort, die mit Herzblut für ihre Ideale kämpfen, unter diesen Bedingugen.

Und doch - gehe ich weiter auf die Suche nach dem kleinen, mittelständischen Unternehmer, der nicht von den Vorteilen der Großen provitiert, sich mit den Erneuerbaren auseinandersetzt und sie auch einsetzt.
Es mag vielleicht im Einzelfall nur ein kleiner Tropfen sein, aber wie sagt das Sprichwort:

"Ein steter Tropfen höhlt den Stein."

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