Hildegard Müller Dr. Regulus?

16. Juni 2014 | Karl-Heinz Remmers

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Hildegard Müller, die Hauptgeschäftsführerin vom BDEW, kennen Sie ja sicherlich zumindest dem Namen nach, sonst mehr unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_M%C3%BCller

Den Dr. Regulus möchte ich kurz vorstellen, bevor ich auch hier auf das Originaldokument verweise: Dr. Regulus erblickte als Inkarnation des Bürokratie- und Regulierungswütigen im Juni 2013 das Licht der BDEW-Welt in deren Magazine "Streitfragen", das rechtzeitig um jährlichen BDEW-Kongress erschien.

Der von Windkraft mit Superkräften versehene Doktor - dessen Geschlecht aber offen blieb - nutzt die Kraft des Windes im Comic um den "Marketman" zu fesseln. Als aber eine Windflaute kommt, kann "Liberty Girl" den Dr. Regulus überwältigen. Am Ende herrscht eine freudig Eintracht aller Energieerzeuger in einem von Regulus (zunächst) befreiten Markt. Seinerzeit wurde gemunkelt, dass Hildegard Müller das "Liberty Girl" ist, wenn auch die Haarfarbe und Frisur nicht passte. Mehr davon: http://www.bdew.de/internet.nsf/id/2013-02-bdew-magazin-streitfragen--marketman-im-netz-des-dr-regulus-de.

Nun ist nicht überliefert, wie diese Propaganda intern ankam, aber extern hat sich unter anderem das „Neue Deutschland“ mit dieser Art von Hetze intensiv beschäftigt.

Doch dann passiert vergangene Woche etwas Schreckliches und ganz offenbar ist Hildegard Müller doch Dr. Regulus, der stärker denn je nun auf dreckigen Kohlestrom umgesattelt und sein Unwesen treibt. Nein, Dr. Regulus baggert nicht gerade ein Dorf für seine Kohlestromversorgung ab und ob er - wie die Monster im aktuellen Godzilla-Film (diese leben vom Atommüll und Atombomben) von den anderen Giftstoffen der Kohleverstromung lebt - ist auch noch immer unklar. Stattdessen hat Regulus es nun fast geschafft, der Politik das größte Bürokratiemonster aller Zeiten einzureden, nämlich die EEG-Umlage auf dezentralen Stromerzeuger >0Watt.

Blankes Entsetzen bei allen BDEW-Firmen, die das nun ausbaden könnten, aber Hildegard Müller jubelt im Statement für die Presse:
Geplante Regelung zur Eigenstromerzeugung richtiger Schritt

Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), erklärt zu den von der Bundesregierung geplanten Regelungen zur Eigenerzeugung und zum Selbstverbrauch von Strom im Zuge der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG):

Berlin, 13. Juni 2014 - "Der geplante Wegfall der Bagatellgrenze und die neue Beteiligung der Eigenstromerzeuger mit 40 Prozent an der EEG-Umlage sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die bisherigen Regelungen bei der Eigenstromerzeugung haben zu erheblichen volkswirtschaftlichen Ineffizienzen geführt. Sie führen zudem zu sozialer Ungerechtigkeit. Denn Mieterhaushalte oder alle diejenigen, die sich keine Eigenerzeugungsanlage leisten können, zahlen höhere Umlagen. Eine weiterhin geltende Begünstigung der Eigenstromerzeugung würde erhebliche Gefahren für eine auch in Zukunft stark steigende EEG-Umlage bergen. Daher sollen künftig alle Stromverbraucher, die die Infrastruktur des Energieversorgungssystems nutzen, adäquat an den Kosten für die Energiewende beteiligt werden. Zu diesem Ergebnis ist unter anderem auch ein vom BDEW konzipiertes Gutachten gekommen, das vom Institut der deutschen Wirtschaft und dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln erstellt und im April veröffentlicht worden ist. Bei den notwendigen Regelungen im Zuge der wegfallenden Bagatellgrenze sollte unbedingt ein unbürokratisches Verfahren angestrebt werden. Der BDEW hat dazu entsprechende Vorschläge gemacht."


Unbürokratisches Verfahren im Bürokratiemonster?
Werden also künftig Kleinbetreiber Briefmarken kaufen müssen und diese an Siggi Gabriel schicken, um die EEG-Zeche zu zahlen (5 Euro pro Jahr sind ja sonst kaum zu verwalten)?
Siggi Gabriel und die derzeitige Regierung tun aber endlich wieder genau das, was der BDEW von ihnen will, fast schon buchstabengetreu. Und damit sind alle (Atom-)fronten wieder vollkommen aufgerissen. Wir, die Vertreter der Erneuerbaren hier, und dort die ewig Gestrigen, die leider noch immer den BDEW dominieren und alles tun, um sich noch ein paar Jahre über Wasser zu halten, egal was auf der anderen Seite passiert. Und egal was mit der Umwelt passiert.

Und weil Hildegard Müller darüber so verdächtig triumphiert, kann es nur einen Schluss geben: Sie selbst ist Dr. Regulus und Liberty Girl ist im Kohleofen verschwunden. Wer kann den kohlebefeuerten Regulierungswahnsinn nun noch stoppen?

Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, so sieht das nun aus, wenn der Wahnsinn nicht doch noch in der Politik gestoppt wird - wobei man nach dieser Attacke aus SPD/CDU/CSU nur noch auf die Gerichte zum Stoppen der "Sonnensteuer" setzen kann. Außerdem auf das chinesische Sprichwort: "Was immer oben angeordnet wird, wird unten umgangen." Pardon, das ist natürlich kein Aufruf zu zivilem Ungehorsam.

Nicht nur in China werden absurde Entscheidungen der politischen Klassen ausgesessen, umgangen, bekämpft oder was auch immer. Jedenfalls versagen dann in der Regel auch die staatlichen Durchsetzungsmöglichkeiten in der Breite. Denn man stelle sich einmal vor, wenn in Berlin-Kreuzberg an einem besetzen Haus, eine Balkonsolaranlage geräumt werden sollte.
Und nicht nur diese extreme Version wird die Sache ad absurdum führen, es gibt ja so viele Möglichkeiten, mit denen Bürger Steuern sparen und was auch immer - das wird sehr spannend zu beobachten.

Der BDEW (nein, besser die Energiewendeverlierer im BDEW, denn viele Unternehmen schütteln den Kopf darüber und auch in den Unternehmen mit den Hardlinern vorne kapieren es die EE- Leute nicht) hatte übrigens die ganze Sache mal wieder von seinen Haus- und Hofinstituten vorbereiten lassen. Die Studien wollen ja wie immer verhindern, dass der kleine Mann zuviel zahlt und mit der elenden Entsolidarisierung auch vor allem die staatlichen Finanzierungssystem kollabieren, wenn plötzlich Firmen auf Photovoltaik und KWK und die Oma auf Balkonsolar setzen.

Das hat natürlich den gleichen Hintergrund wie weniger Raucher belastet die Steuereinnahmen, weniger Autofahren auch, weniger Stromverbrauch zu Hause und im Betrieb ganz massiv (= gleicher Effekt wie Eigenverbrauch). Aber auch jede Wärmedämmung tut dies, jede bessere Gasheizung usw. - also alles was zur Energiewende gebraucht wird, wird den Staatssäckel auf der alten Basis leeren.

Daher muss doch eben - wie in der Diskussion zur Finanzierung angepasster Netze (nicht den Ideen von Dena oder der Netzagentur, dass ist wegen mangelhafter Basis alles nur als Müll zu bezeichnen) - auch die Frage ermittelt werden, wie wir im Jahr 2050 nach Gelingen der Energiewende eben Finanzierungen des Gemeinwesens bauen, die bisher auf Verschwendung und ökologischem Unsinn basieren. Mit der von Rainer Baake (Agora Energiewende/ jetzt Staatssekretär) und seinem Nachfolger bei der Agora, Patrick Graichen, sowie einigen Verblendeten in den Ministerien aufgebrachten Sonnensteuer wird das nicht gehen. Damit wird nur die Energiewende torpediert und Dr. Regulus freut sich über die Steilvorlage aus der sogenannten grünen Ecke.

Also dann, vom 24. bis 26. Juni freue ich mich auf dem BDEW-Kongress auf ein Wiedersehen mit Dr. Regulus - so es nochmal eine Ausgabe des Magazins in der Aufmachung gibt. Vielleicht hängen ja in diesem Jahr nicht Greenpeace-Aktivisten wegen der Wasserprivatisierung mit einem gewaltigen Plakat am Hotel Interkonti wie 2013, sondern ... aber denkt dran liebe Aktivisten: Dr. Regulus lebt von Kohle, also bloß nicht sowas!

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Sven Krug aus Hamburg

Dienstag, 17.06.2014 13:20

Wer ist dann Gabriel? Doktor Faustus?

Martin, Prof.Dr. Spülbeck aus Senden | http://www.innovia-online.de

Dienstag, 17.06.2014 09:50

Hallo Herr Remmers, ... und warum rufen wir nicht direkt zum "zivilen Ungehorsam" auf ? Wenn sehr gut vernetzte und mächtige Lobbyverbände die Regierenden dazu verführen blödsinnige Gesetze zu [...]

Peter Busca aus Savona

Dienstag, 17.06.2014 09:22

Der obrigkeitstreue deutsche Buerger sollte sich einmal ein Beispiel nehmen an italienische Buerger. Die Dreckschlaeuder (Kohlekraftwerk) der Terreno Power in Savona (Vado) wurde von den Behoerden stillgelegt [...]

Sebastian O. aus Ostrhauderfehn

Dienstag, 17.06.2014 08:36

Einmal mehr frage ich mich, in welchen Sphären Menschen wie die gute Frau Müller wohl schweben mögen. Selbst lassen wir das Argument der sozialen Ungerechtigkeit gelten, so ist die Energiewende eine [...]

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Kommentare 1 - 4 von 4

Sven Krug aus Hamburg

Dienstag, 17.06.2014 13:20

Wer ist dann Gabriel? Doktor Faustus?

Martin, Prof.Dr. Spülbeck aus Senden | http://www.innovia-online.de

Dienstag, 17.06.2014 09:50

Hallo Herr Remmers,

... und warum rufen wir nicht direkt zum "zivilen Ungehorsam" auf ?
Wenn sehr gut vernetzte und mächtige Lobbyverbände die Regierenden dazu verführen blödsinnige Gesetze zu verabschieden und mit Macht durchzupauken, warum dürfen wir "Normalbürger" dann nicht zivil zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind ?
Dagegen zu Klagen ginge zwar auch, koschded aber zu viel Geld (bei so etwas blutet mein schwäbisches Herz) und dauert in aller Regel länger, als die Regierungsperiode derjenigen, die das "verbrochen" haben ...!
Warum also nicht die Medien "nutzen" und durch zivilen Ungehorsam deutlich und aktuell zeigen, dass wir Bürger mit einer Energie-Wende auf Sparflamme und in der Hand der "vier Großen" NICHT einverstanden sind ?
Liebe Grüße an alle "erneuerbaren-ungehorsamen",
Martin Spülbeck

Peter Busca aus Savona

Dienstag, 17.06.2014 09:22

Der obrigkeitstreue deutsche Buerger sollte sich einmal ein Beispiel nehmen an italienische Buerger. Die Dreckschlaeuder (Kohlekraftwerk) der Terreno Power in Savona (Vado) wurde von den Behoerden stillgelegt nach einer Buergeriniziative, die die Verantwortlichen des Kraftwerks wegen Mord an der Bevoelkerung angezeigt hatte. Die Erkrankungen durch Abgase und Feinstaub bis hin zum fruehen Tod wurden von Sachverstaendigen bestaetigt. Das Kraftwerk wurde still gelegt, dier Verantwortlichen werden nun zur Rechenschaft gezogen.
http://lapulcedivoltaire.blogosfere.it/2011/07/centrale-tirreno-power-sotto-inchiesta-sorgenia-sue[..]

Sebastian O. aus Ostrhauderfehn

Dienstag, 17.06.2014 08:36

Einmal mehr frage ich mich, in welchen Sphären Menschen wie die gute Frau Müller wohl schweben mögen.
Selbst lassen wir das Argument der sozialen Ungerechtigkeit gelten, so ist die Energiewende eine absolute Notwendigkeit welche uns alle spätestens aber unseren Nachfahren, so Sie nicht durchgeführt wird, in eine Verhängnisvolle Zukunft stürzen wird.

Das hier Lobbyismus in seiner reinsten Form betrieben wird ist derart offenkundig erkennbar das es schon fast wieder schön anzusehen ist. Unglaublich. Zumal zahlreiche Studien zeigen das ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien keinen signifikanten Einfluss mehr auf die EEG Umlage haben wird.

Liebe Frau Müller,
vielleicht verschreiben Sie sich, wenn sie unbedingt etwas gutes tun wollen, einem anderen Thema.
Wie wäre es z.B. der Spekulation mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln? Hier findet echte soziale Ungerechtigkeit statt. Die Betreiber von PV Anlagen hingegen übernehmen, auch wenn es Ihnen in manchen Fällen sicher gar nicht bewusst ist und die Motivation abweicht, eine Verantwortung im Kampf gegen die stückweise Hinrichtung unserer Umwelt. Und vergessen Sie nicht, auch Sie leben in dieser, ungeschützt, nicht in einer sicheren kleinen Blase.

Grüße aus Ostfriesland

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