Gastkommentar zur Kampagne: Hitze treibt Stromkosten - Sonnenenergie stresst Netz

18. August 2015 | Florian Kipp, Inhaber von Kipp-Solar


Foto: Florian Kipp/Kipp-Solar

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Jüngst wurde ein Artikel mit der Botschaft "Hitze belastet Stromnetze – Solarstrom ist Schuld!" in ganz Deutschland seitengroß in allen Medien platziert - vom Fernsehen bis zur kleinsten Lokalzeitung. Fällt Ihnen etwas auf? Wer hat die Macht für so eine Medienkampagne?

So heißt es darin unter anderem: Solarstrom "verstopfe" Stromleitungen. Den Verbraucher werde es teuer kommen. Zahlreiche netzstabilisierende Eingriffe seien nötig wegen eines "immensen Anstiegs an Sonnenstrom".

Dazu die Fakten:

1.  Der Sommer ist die Saison von Solarstrom – das ist natürlich und einfach planbar. Es kommt bei Hitze aber nicht mehr Photovoltaik-Strom, sondern etwas weniger.

2.  Die Hitze gefährdet die Kühlung konventioneller (Atom-/Kohle-)Kraftwerke. In Polen, aber auch in Deutschland. So musste etwa das AKW Brokdorf bereits gedrosselt werden. Das Atomkraftwerk Grohnde stand im Juli kurz vor der Notabschaltung mangels Kühlwasser. Gott sei Dank haben wir da eine funktionierende Photovoltaik, die kein Kühlwasser braucht und keine Flüsse fast zum Kochen bringt, sondern einfach nur zuverlässig Bevölkerung und Wirtschaft verbrauchernah mit Strom versorgt.

3.  "Immenser Anstieg an Sonnenstrom" – woher sollte er kommen?
Seit der Kahlschlagpolitik der Union mit wechselnden Juniorpartnern werden in Deutschland kaum noch große Solarstromanlagen gebaut. Und die bereits vorhandenen haben auch bisher schon Sonnenstrom produziert. Wo liegt also die Dramatik, wie sie der "Bericht" zu vermitteln versucht?

4.  Hohe Kosten für Verbraucher?
Ja, es wird hohe Kosten für Verbraucher geben. Aber nicht etwa, weil der aktuelle Fördersatz für große Solarstromanlagen mit rund 8,5 Cent/Kilowattstunde so teuer wäre. Vielmehr bekommen die Energiekonzerne viel Geld für Ihre Kraftwerke – ob sie laufen oder nicht. Dieses politische Zugeständnis an die Atom-Kohle-Lobby führt dazu, dass unter den Hauptnutzen der Energiewende, nämlich einer zuverlässigen, nachhaltigen und kostengünstigen Versorgung mit Energie der wirtschaftliche ins Leere läuft. Etwa so, wie wenn Sie trotz Sommerhitze Ihren Heizöllieferanten für nicht verbrauchtes Öl bezahlen müssten. So einen Vertrag schließt wohl kein normaler Mensch ab!

--- Der Autor Florian Kipp ist Inhalber von Kipp-Solar. Mehr unter www.kipp-solar.de ---

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JC W aus Alling

Mittwoch, 19.08.2015 16:17

Gerade die Anbieter von regenerativem Strom werden darauf angewiesen sein, dass sie Geld bekommen, auch wenn ihr Strom keinen Abnehmer im Netz findet. Bei steigendem Anteil von reg. Strom werden immer [...]

JC W aus Alling

Mittwoch, 19.08.2015 16:08

Dass kein normaler Mensch einen Vertrag abschließen würde, bei dem er auch zahlen muss, wenn er nichts bezieht, ist nicht richtig: Bei allem Konsum hat man immer Investitionskosten (Auto, Heizkessel, [...]

Stefan Haug aus 84389 Postmünster

Mittwoch, 19.08.2015 09:16

Eine Kampagne -ganz klar. Bürger-Meinung soll beeinflusst werden. Dafür ist den in die Jahre gekommenen Energie-Dinos nichts zu teuer. Das alte Spiel: Sie wollen Zeit gewinnen, um die Energiewende selbst [...]

Bruno Burger aus Freiburg | http://www.energy-charts.de

Mittwoch, 19.08.2015 08:12

Sowohl die maximale Leistung als auch die monatliche Energieerzeugung der PV-Anlagen waren im Juli 2015 geringer als im Juli 2013, dem bisher besten PV-Monat. Das Problem war wohl eher die Einspeisung [...]

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Kommentare 1 - 4 von 4

JC W aus Alling

Mittwoch, 19.08.2015 16:17

Gerade die Anbieter von regenerativem Strom werden darauf angewiesen sein, dass sie Geld bekommen, auch wenn ihr Strom keinen Abnehmer im Netz findet. Bei steigendem Anteil von reg. Strom werden immer mehr Überkapazitäten geschaffen werden müssen, um auch in schlechten Jahren die Versorgungssicherheit zu garantieren. Diese Überkapazitäten werden bezahlt werden wollen, sonst werden sie nicht geschaffen. Und die Grenzkosten sind bekanntermaßen bei Sonne, Wind und Wasser vernachlässigbar gering. Wir sollten uns daran gewöhnen, dass die Bereitstellung von Reservekapazität zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit Geld kostet, auch wenn sie nicht zum Einsatz kommt.

JC W aus Alling

Mittwoch, 19.08.2015 16:08

Dass kein normaler Mensch einen Vertrag abschließen würde, bei dem er auch zahlen muss, wenn er nichts bezieht, ist nicht richtig: Bei allem Konsum hat man immer Investitionskosten (Auto, Heizkessel, Handy, ...) und laufende Kosten. Im Energiebereich sieht zum Beispiel der typische Bezugsvertrag für Fernwärme einen verbrauchsunabhängigen Grundbetrag vor, der etwa die Hälfte der Gesamtkosten ausmacht. Er soll die Zins- und Abschreibungskosten für Fernwärmewerk und Leitungen abdecken. Unerwünschter Nebeneffekt ist (sowohl aus Sicht des Verbrauchers, als auch aus allgemeinerer Perspektive), dass sparsamer Energieverbrauch nicht proportional belohnt wird, denn der Grundbetrag bleibt ja. Im ungünstigsten Falle muss man zahlen, und zwar erheblich, auch wenn man gar nichts verbraucht. Dem Produzenten geben solche Verträge natürlich die notwendige Investitionssicherheit. Dass Grund- und laufende Kosten im richtigen Verhältnis stehen, das ist eine Aufgabe, die der Markt nur schwer entscheiden kann. Im Bereich der Telekommunikation, wo der Markt nach ein paar Jahren recht gut funktioniert hat, hat sich die Flatrate (also nur Grundkosten) durchgesetzt, wahrscheinlich, weil es auch der Kostenstruktur der Anbieter am nächsten kommt. Beim Strom aus regenerativen Quellen, werden wir auch irgendwann dahin kommen.

Stefan Haug aus 84389 Postmünster

Mittwoch, 19.08.2015 09:16

Eine Kampagne -ganz klar. Bürger-Meinung soll beeinflusst werden. Dafür ist den in die Jahre gekommenen Energie-Dinos nichts zu teuer. Das alte Spiel: Sie wollen Zeit gewinnen, um die Energiewende selbst zu machen, hinter möglichst verschlossenen Türen dafür Milliarden-Subventionen für sich zu verhandeln und die die dezentrale Konkurrenz auszuschliessen. Merkel und Gabriel besorgen ihnen das Geschäft. Viele Bürger wissen das, aber noch zu wenige. Die nächste Gelegenheit für eine weitere rote Karte seitens der Bürger für diese Vollstrecker der Grossindustrie ist die STOP TTIP CETA Demo am 10.Oktober in Berlin Hbf.

Bruno Burger aus Freiburg | http://www.energy-charts.de

Mittwoch, 19.08.2015 08:12

Sowohl die maximale Leistung als auch die monatliche Energieerzeugung der PV-Anlagen waren im Juli 2015 geringer als im Juli 2013, dem bisher besten PV-Monat. Das Problem war wohl eher die Einspeisung von Windenergie. Die hat sich bei offshore-Anlagen von 0,2 GW im Juli 2013 auf 2,3 GW im Juli 2015 erhöht. Wind onshore lag im Juli 2013 bei 10 GW, im Juli 2015 bei 24 GW. Außerdem stehen im Norden mehr Windenergieanlagen, im Süden mehr PV-Anlagen. Eine "hohe Produktion von Sonnenstrom aus PV-Anlagen im Norden" ist deshalb nicht realistisch.
Datenquelle: www.energy-charts.de

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