Araber sind nicht blöd, wohl aber Großkonzerne

15. Oktober 2014 | Karl-Heinz Remmers
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Endlich ist die Großverarschung Desertec oder Dii auch offiziell am Ende. Denn wie ein guter Freund aus Ägypten schon vor einiger Zeit zu mir sagte „Araber sind nicht blöd“,  womit er die vielen Fehler und auch die unerträgliche Arroganz – gerade in der Frühphase von Desertec – scharf kritisierte.

Was wollten die kleinen großen Männer von Munich Re und Co nicht alles an Segnungen nach Arabien und Nordafrika bringen? Und wie viel wollten sie investieren, ohne mit den Ländern überhaupt richtig gesprochen zu haben? Mehr als 400 Milliarden. Es war wirklich sagenhaft zu sehen, wie die Großen der alten Energiewirtschaft hier in alle Fettnäpfchen traten und in ihrer Großmannssucht und angesichts der gewaltigen Traumzahlen vollkommen berauscht alle Realitäten ausblendeten.

Schon bald war klar, dass Araber eben nicht blöd sind und schon gar nicht einfach so machen, was der weiße Mann ihnen sagt. Auch nicht wenn es Siemens, Munich Re, RWE und BOSCH waren. Es wurde also nichts mit den Projekten vor Ort und auch beim sogenannten Supergrid gab es keinerlei Bewegung. Aber die PR-Maschine in Deutschland lief gut und so versuchten die großen Konzerne, die im Solargeschäft bisher immer scheiterten, es eben mit Zukunftsvisionen in der Wüste – weit weg von Deutschland und den vermeintlich teuren Solarstromanlagen vor der Haustür.

In sonnenreichen Ländern Anlagen zu bauen, bis der Arzt kommt, ist eine gute Idee. Den so erzeugten Strom werden die Länder aber erstmal selbst nutzen. Und sie werden diese Entwicklung auch alleine anschieben oder es eben lassen. Dabei kann man beraten, aber nicht aufdrücken.

Schon bald war klar, dass Solarstrom aus Photovoltaik-Anlagen viel billiger sein würde als die Stromerzeugung aus der thermischen Concentrated Solar Power (CSP). Und so ging im Dii-Konsortium auch auf der Technikseite das Rudern los. Politisch gelang ebenfalls nichts. Zur gleichen Zeit verbreitete sich die Photovoltaik in Deutschland, Italien und anderen Ländern wie eine Welle. Viele Anlagen wurden gebaut und die Technologie wurde immer billiger.

Im Jahr 2014 ist Strom aus Photovoltaik-Anlagen in Deutschland bereits 2,5 mal billiger als es die Desertec-Träume für 2050 je waren. Die späteren Generationen von Mitarbeitern bei Dii haben dann vor Ort versucht das zerschlagene Porzellan zu kitten und neue Impulse zu setzen. Das kam aber viel zu spät und war offenkundig auch dem Konsortium zu wenig. Nun heute das Aus und eine Beraterfirma mehr am Markt – Willkommen im Club, Inshallah.

Wenn ich dann eben im Info-Radio Berlin-Brandenburg höre, dass man dem schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Mitteleuropa von Seiten Dii (so formulierte es der  Reporter im Radio beim Bericht aus Rom) eine große Mitschuld am Scheitern von Dii gibt, dann kann ich nur noch lachen.

Das Ende von Desertec zeigt einmal mehr, dass es klassische Energieunternehmen bisher einfach nicht geschafft haben, mit dezentralen Versorgungsstrukturen wirtschaftlich und von der Denke her klarzukommen. Es ist gut, dass dieses verlogene und ja, rassistische Feigenblatt ein Ende genommen hat. Viele seiner Protagonisten werden diesem Ende folgen, wenn nicht endlich verstanden wird, dass Erneuerbare Energien nicht mehr aufzuhalten sind und dass die Menschen sie wollen – vor der Haustür, egal ob in Deutschland oder Arabien.

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Leo Haaf aus Tauberbischofsheim | http://www.tauber-solar.de

Sonntag, 19.10.2014 09:32

und Hermann Scheer, leider vor 4 Jahren aus seinem aktiven Solarleben herausgerissen, er fehlt heute überall, gerade in dieser Gabriel-SPD, hat das treffend als eine "Fata morgana" bezeichnet, sofort [...]

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Kommentare 1 - 1 von 1

Leo Haaf aus Tauberbischofsheim | http://www.tauber-solar.de

Sonntag, 19.10.2014 09:32

und Hermann Scheer, leider vor 4 Jahren aus seinem aktiven Solarleben herausgerissen, er fehlt heute überall, gerade in dieser Gabriel-SPD, hat das treffend als eine "Fata morgana" bezeichnet, sofort nach Aufkommen dieser Idee.
Er hat durchschaut, dass so etwas nicht funktionieren kann.
Heute müssen wir ohne Hermann Scheer auskommen und am comeback der PV in Deutschland arbeiten.
Mit diesen Argumenten im Rücken und den laufenden technologischen und ökonomischen Verbesserungen muss uns das gelingen.
Ran an den kreativen Abbau und die "schöpferische Zerstörung" der zentralen Energietechnologien!

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