Zum Tag der Erneuerbaren Energien: Die Energiewende kann dynamisch weitergehen

24. April 2015 | von: Agentur für Erneuerbare Energien

Rekord-Frühling und Sonnenfinsternis zeigen: Deutschland ist bestens gerüstet für mehr Erneuerbare Energien

Berlin, 24.April 2015 – Der Frühling 2015 hat bewiesen, dass Deutschland bestens gerüstet ist für den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien. Gleich drei Belastungsproben für die Netze bewältigte das Stromsystem mit Bravour: Nachdem die partielle Sonnenfinsternis am 20. März und der Orkan „Niklas“ Ende März für große Schwankungen bei der Einspeisung von Ökostrom gesorgt hatten, beschert uns das aktuelle sonnige und windreiche Aprilwetter jeweils Rekordwerte bei der Einspeisung von erneuerbarem Strom in Deutschland.

„Dieser Frühling hat in der Praxis bewiesen, dass wir sehr gut in der Lage sind, mit großen Mengen Erneuerbaren Energien im Stromnetz umzugehen“, stellt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) fest. „Das Zusammenspiel der verschiedenen Flexibilitätsoptionen funktioniert zuverlässig, die Energiewende kann dynamisch weitergehen. Die Überkapazitäten inflexibler und klimaschädlicher alter Kohlekraftwerke können getrost abgebaut werden“, so Vohrer weiter.

Problemlos durch Sturm und Finsternis
Als die partielle Sonnenfinsternis am Vormittag des 20. März den Himmel über Deutschland verdunkelte, fiel die Leistung der Photovoltaikanlagen ab 9:30 Uhr binnen einer Stunde um etwa 7,5 Gigawatt (GW) ab. In der anschließenden Stunde stieg sie um 11,3 GW an. Eine Größenordnung, welche die übliche Einspeiseleistung aller Atomkraftwerke in Deutschland (etwa 10 GW) deutlich übertrifft. Die deutschen Netzbetreiber waren gewappnet und konnten diese Schwankungen problemlos bewältigen. So zeigen Auswertungen des Fraunhofer–Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik, dass die Wechselspannungsfrequenz im Stromnetz - ein zentraler Indikator für die Netzstabilität - während der gesamten Sonnenfinsternis weit entfernt von kritischen Bereichen lag. Die von den Netzbetreibern vorgehaltene Regelleistung, um nicht vorhergesehene Schwankungen zu kompensieren, wurde ebenfalls nur zu einem Bruchteil in Anspruch genommen.

Auch das Wetter sorgte – zusammen mit der wachsenden Zahl von Wind- und Solarstromanlagen – für neue Rekordwerte. Orkan „Niklas“ in Verbindung mit sonnigem Wetter in manchen Teilen Deutschlands hoben am Mittag des 30. März die Stromleistung aus Sonne und Wind auf einen historischen Spitzenwert von 44 GW. Mit Biomasse und Wasserkraft erreichten die Erneuerbaren Energien zusammen etwa 52 GW und stellten damit über 60 Prozent der Stromerzeugung.

Doch auch jenseits extremer Ereignisse erwies sich, dass das Stromsystem mit launischem Wetter gut umgehen kann und genügend Flexibilität bereithält: Am Dienstag den 21. April erreichte die Solarstromproduktion allein einen neuen Rekordwert von 26 GW. Das geht aus Daten des Fraunhofer-Institus für Solare Energiesysteme hervor. Steinkohlekraftwerke reagierten darauf flexibel und reduzierten ihre Leistung von 14 GW in den Morgenstunden auf 8 GW zur Mittagszeit, Gaskraftwerke von 6 auf 4 GW. Die Atomkraftwerke sowie die besonders klimaschädlichen Braunkohlemeiler liefen jedoch quasi ungedrosselt weiter.

Systemverantwortung mit 50,2-Hertz-Nachrüstung
Einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Stromnetze leisten inzwischen auch Hunderttausende mittelgroße Solarstromanlagen zwischen 10 und 100 Kilowatt Leistung. Sie wurden in einer bundesweiten Nachrüstaktion ertüchtigt, sich bei größeren Schwankungen der Netzfrequenz (Sollwert: 50 Hertz) gestaffelt vom Netz zu trennen, anstatt wie bisher auf einmal.

Die sogenannte 50,2-Hertz-Nachrüstung ist mittlerweile zu 98 Prozent abgeschlossen. „Sie war ein erfolgreicher Test für die Kooperation zwischen neuer und angestammter Energiewirtschaft“, freut sich Philipp Vohrer. Denn an der Umrüstung waren neben der Bundesnetzagentur und den Betreibern der Übertragungs- und Verteilnetze auch das Handwerk, die Solarwirtschaft und die Betreiber der Solarstromanlagen beteiligt – eine Akteursvielfalt, die typisch ist für die Energiewende. „Dank der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten lief die Nachrüstung weitgehend reibungslos ab. So kann die Solarenergie immer mehr Systemverantwortung übernehmen – und das nicht nur an strahlenden Frühlingstagen“, resümiert Vohrer.

Online-Version dieser Pressemitteilung:
http://www.unendlich-viel-energie.de/zum-tag-der-erneuerbaren-energien-die-energiewende-kann-dynamisch-weitergehen

Pressekontakt:
Agentur für Erneuerbare Energien
Ryotaro Kajimura
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel:   030 200535 57
Mail: r.kajimura(at)unendlich-viel-energie.de

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