Wissenschaftler distanzieren sich

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In Medienberichten werden immer wieder Zahlen zitiert, nach denen Photovoltaik den Strompreis drastisch steigen ließe. Jetzt distanzieren sich Wissenschafter, die die Aussage bezeugen sollten.

Freiflächen-Solarpark

Der Photovoltaik-Boom wird gern als Preistreiber beim Strom dargestellt
Foto: www.solarpraxis.de/Tom Pischell

Die Diskussion über die Photovoltaik-Förderung hat in den vergangenen Wochen an Schärfe zugenommen. Gegner kämpfen teilweise mit fragwürdigen Zahlen und Aussagen für ihre Positionen. Ein Beispiel dafür ist die Berichterstattung verschiedener Medien wie der „Berliner Zeitung“ und „Spiegel Online“. Diese berichteten am 19. März unter Berufung auf Berechnungen des Energiekonzerns Vattenfall, nach denen die EEG-Umlage nächstes Jahr auf bis zu 4,4 Cent pro Kilowattstunde einschließlich Mehrwertsteuer erhöht werden müsse. Dadurch stiege der Strompreis um zehn Prozent. Zurzeit kostet die Umlage, über die die Vergütung aller erneuerbaren Energien finanziert wird, 2,05 Cent. Gegenüber der photovoltaik wollte Vattenfall die Zahlen nicht bestätigen. Eine offizielle Studie gebe es nicht, aber es würden viele Berechnungen in den Fachabteilungen angestellt, sagte eine Sprecherin.

Um der Aussage mehr Nachdruck zu verleihen, wird in verschiedenen Medienberichten das Leipziger Institut für Energie mit der Aussage zitiert, es halte „die Prognose für realistisch“. Das ist nach Angaben von Matthias Reichmuth, Projektleiter an dem Leipziger Institut, so nicht richtig. Ein Journalist habe am 18. März Geschäftsführer Werner Bohnenschäfer gefragt, „ob eine EEG-Umlage von 3,5 Cent brutto für 2011, das heißt eine Steigerung um 1,5 Cent im Vergleich zu 2010, plausibel sei“. Bohnenschäfer habe geantwortet, dass das „eine realistische Größenordnung sein könnte“ und dabei klargemacht, dass ein weiterer Anstieg der EEG-Umlage von vier Faktoren abhänge: dem Solarstromausbau 2010, dem Ausbau aller übrigen erneuerbaren Energien und den Großhandelsstrompreisen, die mit den Einspeisevergütungen verrechnet werden. Ein Teil der EEG-Umlage nächstes Jahr komme außerdem dadurch zustande, dass der Photovoltaik-Zubau 2009 größer gewesen sei als noch im September 2009 angenommen.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Umlage 2010 festgelegt, die dadurch zu niedrig ausgefallen ist. „Es dürfte also dazu kommen, dass die entstandenen Mehrzahlungen des Jahres 2010 über eine erhöhte Umlage 2011 ausgeglichen werden. Welchen Anteil der Solarboom an den Umlagesteigerung hat und wie hoch diese am Ende ausfällt, dazu haben wir allerdings keine eigene Berechnung angestellt“, sagte Reichmuth der photovoltaik.

Wenn im kommenden Jahr eine hohe Umlage durch den Nachholbedarf 2010 zustande kommt, ist das ein einmaliger Effekt, der nicht fortgeschrieben werden kann. Deshalb geht Vattenfall in internen Schätzungen auch davon aus, dass die Umlage 2012 sinken wird. Eine solche Schätzung zeigt außerdem, wie unsicher solche Prognosen sind. In vier Vattenfall-Szenarien variiert die EEG-Umlage 2011 zwischen gut zwei und knapp 3,5 Cent. Selbst der hohe Wert von 3,5 Cent ergibt sich nur, wenn der Photovoltaik-Ausbau 2010 in Deutschland bei rund 6,5 Gigawatt liegen sollte und die Großhandelspreise nicht steigen.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) zitiert in diesem Zusammenhang den Bund der Energieverbraucher. Danach haben Stromerzeuger und -versorger im Jahr 2009 von jedem Haushaltskunden rund 150 Euro mehr kassiert als drei Jahre zuvor für die gleiche Menge Strom. Davon seien gestiegene Beschaffungskosten sowie Steuern und Abgaben bereits abgezogen. Für diese intransparenten und nicht nachvollziehbaren Preissteigerungen hätten die Verbraucher keinerlei Gegenleistung erhalten. „Wir würden es außerordentlich begrüßen, wenn sich Verbraucher- und Sozialverbände einmal hierzu äußern würden. Denn das ist der eigentliche Skandal“, sagt BEE-Präsident Dietmar Schütz. (Michael Fuhs/Sandra Enkhardt)


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