Wirtschaftlichkeit von Hybrid-Anlagen weiter gegeben

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Interview: Der sinkende Ölpreis sorgt für Spekulationen, er könne sich negativ auf den weiteren Photovoltaik-Zubau auswirken, da er die Wirtschaftlichkeit der Anlagen sinken lässt. Eine kurzfristige Lähmung ist bei den Investitionen in Solar-Diesel-Hybrid-Anlagen von Bergbauunternehmen durchaus spürbar. Doch die wirtschaftlichen Perspektiven sind langfristig weiter positiv, wie Thomas Hillig von THEnergy im Interview mit pv magazine erklärt. Das Verzögern von Investitionen in Hybrid-Anlagen lohnt sich für die Bergbauunternehmen aus seiner Warte hingegen nicht, sondern wird bestraft.

THEnergy-Gründer Thomas Hillig

Thomas Hillig gründete 2013 das Beratungsunternehmen THEnergy.
Foto: Thomas Hillig/THEnergy

pv magazine: Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Beeinflusst dies die Entscheidung von Bergbauunternehmen, ihre Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen?
Thomas Hillig: Der Business Case bleibt weiter positiv für Solar-Diesel-Hybrid-Anlagen im Bergbau. Es wird durch den sinkenden Ölpreis nur etwas das Momentum genommen. Aus dem Bereich der Einspeisevergütung kennen wir das in ganz ähnlicher Form. Die Rahmenbedingungen verschlechtern sich, danach ist die Branche erst einmal gelähmt und erkennt vorübergehend nicht, dass die Investitionen in Photovoltaik- oder Windkraftanlagen noch immer sehr vorteilhaft sind.

Gibt es noch weitere Parallelen zur Entwicklung der Photovoltaik-Märkte?

Ja, es gibt noch weitere Parallelen zu Photovoltaik-Märkten mit Einspeisevergütungen. Ähnlich wie dort zu Beginn, sind die wahrgenommen Risiken hinsichtlich der Technologie Photovoltaik höher als die tatsächlichen. Dies führt zu einer abwartenden Haltung bei Bergbauunternehmen nach dem Motto: „Es sollen doch erst einmal die anderen machen“. Später dann heißt es, hätten wir damals schon gehandelt. In Märkten mit Einspeisevergütung wird Abwarten mit fallenden Einspeisevergütungen bestraft. Bei Photovoltaik-Hybrid-Anlagen wird Abwarten damit bestraft, dass sich die Restlaufzeit der Mine verringert.

Wie wirkt sich der gesunkene Ölpreis auf die Rentabilität der bereits installierten Solar-Hybrid-Anlagen aus?
Kurzfristig nimmt die Rentabilität natürlich ab, da Diesel- und Ölpreis stark korrelieren. Entscheidend ist hier aber die langfristige Entwicklung des Diesel- und damit des Ölpreises. Je nachdem wie abgelegen die Anlage ist, geht der reine Dieselpreis auch in den Transportkosten unter und es sind nur marginale Einflüsse zu beobachten.

Für welche Regionen halten Sie dennoch eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien für besonders sinnvoll?
Für netzferne Anlagen machen Transportkosten einen großen Anteil des effektiven Dieselpreises aus – vielfach auch Verluste durch Diebstahl. In diesen Bereich werden Solar-Diesel-Hybrid-Anlagen in der Regel auch weiterhin vorteilhaft sein. In nicht ganz so abgelegenen Gebieten, wo Transportkosten und Diebstahl-Verluste geringer ausfallen, könnten Anlagen vermehrt mit B- oder C-Modulen gebaut werden, deren Lebenserwartung vielleicht nur 15 Jahre beträgt, die dafür aber 30 bis 60 Prozent preiswerter sind als A-Ware.

Ist ein insgesamt steigendes Interesse bei Bergbauunternehmen an Hybrid-Anlagen zu erkennen?
Bei vielen Bergbau-Unternehmen steht das Thema Solar-Diesel-Hybrid schon seit längerem auf der Agenda. Der Ölpreis nimmt zwar das Momentum, häufig sind es aber bei industriellen Anwendungen einzelne Mitarbeiter, die das Thema aufnehmen und in den Unternehmen vorantreiben.

Was sind derzeit die besten Voraussetzungen, damit Anlagen realisiert werden?
Im Bergbau wird für kurzfristige Projekte immer mehr zu Bedingung, dass die Minen wirklich netzfern sind und die Transportkosten eine erhebliche Rolle spielen. Wegen der längeren Laufzeit der Minen, wird verstärkt ein Fokus auf den Tiefbau gelegt, Tagebau ist für Hybridanlagen zur Zeit häufig nicht mehr so von Interesse. Es gibt aber immer noch eine Handvoll Projektplaner, die die Umsetzung von Projekten vorantreiben.

Auf welche Schwierigkeiten stoßen die Planer?
Der Business Case ist immer noch sehr positiv, auch wenn die Payback-Periode länger ist. Bergbau-Unternehmen müssen sich erst an Investitionen in Energieerzeugungsanlagen gewöhnen, die hohe Investitionskosten (CAPEX) und geringe Betriebskosten (OPEX) haben – also der größte Kostenblock für die Photovoltaik-Anlage fällt an, wenn die Anlage gebaut wird, noch bevor sie überhaupt die erste Megawattstunde Strom geliefert hat. Darin sehe ich die größten Hindernisse bei der Umsetzung von Projekten momentan, da sich aus diesem Grund auch die Finanzierung der Anlagen als schwierig herausstellt.

Wie kann man dies ändern?
In einer Studie habe ich kürzlich herausgefunden, dass es gerade externe Investoren mit Erfahrungen im Bereich der erneuerbaren Energien sind, die diese Lücke schließen können und müssen. Sie können die Risiken von Photovoltaik und Windenergie realistischer einschätzen. Zudem sind sie langfristige Investitionen mit geringerer Renditeerwartung als im Bergbau gewohnt. Neben der Ausarbeitung von Hybridisierungsstrategien ist eine der Hauptaufgaben von THEnergy, Industrieunternehmen, EPCs und Investoren zusammenzubringen.

Das Interview führte Sandra Enkhardt.


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