Web 2.0 für Ertragsdaten

Kategorie: 09 / 2012, Software & Medien Sandra Enkhardt

Anlagenüberwachung: Eine besondere Form, die Leistung von Modulen im Blick zu behalten, bietet seit dem letzten Relaunch das Ertragsportal von Top50-Solar. PV-Log ähnelt nun einem sozialen Netzwerk für Anlagenbetreiber. Installateure können die Plattform gezielt nutzen, um Kunden zu überzeugen.

Ein Dach wie jedes andere? Ertragsdatenbanken helfen, die passenden Vergleichsobjekte zu finden. Das war auch das Ziel von Christian Gowinkowsky, der diese Anlage auf seinem Haus betreibt.
Foto: Christian Gowinkowsky

In den Solar-Friends-Gruppen kann jeder die Erträge seiner Anlage mit anderen vergleichen.
Screenshot: Top50-Solar

Die Idee, etwas mit den Rohertragsdaten von Photovoltaikanlagen zu machen, hatte Top50-Solar-Gründer Martin Staffhorst nach eigenem Bekunden schon vor etwa zwei Jahren. Nun sitzt er seit einigen Monaten mit einem kleinen Team, zu dem unter anderem drei Programmierer und ein Support-Mitarbeiter gehören, an der Entwicklung und Weiterentwicklung von PV-Log. Die Idee dahinter ist, die Ertragsdaten von Photovoltaikanlagen grafisch ansprechend aufzubereiten, einfach vergleichbar zu machen sowie Anlagenbesitzern und Interessenten die Möglichkeit zum Austausch zu bieten.

Viele Hersteller der Datenlogger und Wechselrichter unterstützen bereits die automatische Aktualisierung der Ertragsdaten bei dem neuen Portal. Über die Schnittstellen können die Daten zumeist problemlos hochgeladen werden. Somit muss sich ein Anlagenbetreiber einfach nur anmelden und Informationen zu seiner Anlage wie Modultyp, Wechselrichter, Bauart und Inbetriebnahmedatum bereitstellen. Der Import der Ertragsdaten läuft dann relativ automatisiert und verursacht in der Regel keinen großen technischen Aufwand für die Anlagenbetreiber. Auch für den Fall, dass die Wechselrichter und Datenlogger dies nicht automatisch können, besteht über einen FTP-Server die Möglichkeit, eigene Dateien hochzuladen oder die Ertragsdaten manuell zu erfassen. „Diesen Service bietet meines Wissens nach noch kein anderes Portal an“, sagt Staffhorst.

„Ein offenes, standardisiertes Dateiformat für Ertragsdaten wäre natürlich wünschenswert und würde vieles erleichtern“, sagt Martin Staffhorst. Dazu gebe es auch bereits Gespräche mit verschiedenen Herstellern. Besonders attraktiv sei PV-Log dabei für Anbieter von Datenloggern und Wechselrichtern, die keine eigene Plattform besitzen, um den Anlagenbetreibern eine grafische Auswertung der Daten bieten zu können.

Allerdings ist es keine Grundvoraussetzung, überhaupt eine Anlage zu betreiben, um bei dem Portal aktiv zu werden. „Bei PV-Log kann jeder mitmachen“, erklärt Staffhorst, der im Jahr 2000 das Webportal Top50-Solar ins Leben rief. Ziel sei, Betreibern von Anlagen, für die sich ein technisches Monitoring finanziell nicht lohnt oder die grafische Darstellung fehlt, eine Plattform zu bieten, die Erträge ihrer Anlagen im Blick zu behalten. Weitere Neuerungen sind in Kürze geplant.

Aus Sicht von Nutzer Christian Gowinkowsky ist die grafische Aufbereitung der Ertragsdaten der große Mehrwert. Er stieß bei seiner Suche nach einer Ertragsdatenbank vor einigen Monaten auf PV-Log. „Er ist alles grafisch einheitlich, egal was für ein Datenlogger eingesetzt wird“, sagt der Betreiber einer 9,88-Kilowatt-Photovoltaikanlage aus Peine. „Auf der anderen Seite ist PV-Log als Plattform auch für potenzielle Betreiber und Installateure interessant“, erzählt Martin Staffhorst. So könne sich jeder kostenlos auf dem Portal anmelden und eigene, sogenannte „Solar-Friends-Gruppen“ anlegen. Dort könnten sich potenzielle Anlagenkäufer etwa auf der Bestenliste informieren, welche Erträge mit verschiedenen Anlagen zu erzielen seien. Oder einfach nach Anlagen suchen, die die gewünschten Komponenten, die man selber gern einsetzen will, bereits haben, und deren Erträge beobachten.

Auch Installateure könnten über die Solar-Friends-Gruppen ihren Kunden aufzeigen, welche Erträge mit den unterschiedlichen Technologien zu erwarten wären. „Installateure können sich verschiedene Gruppen anlegen, in denen Anlagen mit gleichen Komponenten oder eben mit verschiedenen Modul- und Wechselrichtertypen enthalten sind“, sagt Staffhorst. Künftig soll es auch ein Nachrichtensystem geben, bei dem alle Nutzer über die Erträge ihrer ausgewählten Anlagen in den Freundesgruppen informiert werden. „Dabei geht es vor allem darum, das Anlagenmonitoring auf mehreren Schultern zu verteilen“, sagt Staffhorst.

Eine Suchfunktion hilft, interessante Anlagen aus den knapp 1.000 bisher eingetragenen Systemen herauszufinden. Sie lassen sich nach sehr verschiedenen Kriterien wie den Komponenten, aber auch der Ausrichtung, der Dachneigung oder dem Baujahr filtern. Auch kann man mit PV-Log die regionale Konkurrenz gut im Auge behalten werden, wenn man sich zum Beispiel eine Freundesgruppe nur mit Anlagen in seiner Nähe zusammenstellt. Die Standorte der Anlagen sind genau verzeichnet.

Genau auf diese beiden Weisen nutzt auch Christian Gowinkowsky die Solar-Friends-Gruppen. Er hat sich zwei verschiedene Gruppen zusammengestellt. In der ersten sind Anlagen in seinem Umkreis zusammengefasst, so dass er die Erträge der Photovoltaikanlagen bei etwa gleichen Wetterbedingungen vergleichen kann. In seiner zweiten Gruppe hat er deutschlandweit Anlagen zusammengetragen, die eine ähnliche Dachneigung und Ausrichtung wie seine Anlage haben. „So kann ich genau vergleichen und Erfahrungen sammeln, zumal durch die Südwest-Ausrichtung meiner Anlage schon gute Abweichungen zu Anlagen mit Süd- oder Ostausrichtung zu verzeichnen sind“, sagt Gowinkowsky.

PV-Log hat auch Bestenlisten. Die Auswertung kann nach Tages-, Monats- und Jahresertrag erfolgen. Aber auf der tagesaktuellen Solarkarte von Deutschland ist der momentane Ertrag der gemeldeten Anlagen nach Bundesländern und Landkreisen aufgelöst, wobei sich zeigt, dass nicht nur im Süden Deutschlands gute Erträge mit Photovoltaikanlagen zu erzielen sind. Je mehr Anlagenbetreiber sich an PV-Log beteiligen, desto aussagekräftiger werden die Angaben sein.

Nutzer engagieren sich

Doch wie es sich für ein soziales Netzwerk gehört – und als solches versteht sich PV-Log –, macht es vor Landesgrenzen nicht halt. Bereits jetzt hat Martin Staffhorst Anlagenbetreiber in einigen europäischen Nachbarländern für seine Idee gewinnen können. Vor allem in Dänemark und Österreich haben schon besonders aktive Betreiber ihre Anlagen registriert. Eine Ausweitung des Netzwerks weltweit ist gewünscht.

Da aber Staffhorst und Kollegen mit der wachsenden Zahl von Nutzern und der Vielzahl der unterschiedlichen Datenlogger und Wechselrichter nicht für alle Geräte einen individuellen Support anbieten können, gibt es die Idee, dass sich versierte Nutzer als Paten engagieren können. Auch Christian Gowinkowsky hilft auf diese Weise bei der Weiterentwicklung des Ertragsportals. Die Paten helfen anderen Nutzern, indem sie sich um Anfragen zu speziellen Komponenten kümmern oder bei Problemen ihrer Landsleute in der Muttersprache weiterhelfen können. Dafür erhalten sie besondere Vorteile wie einen Vorab-Zugriff auf neue Features und haben stärkeren Einfluss, wie sich PV-Log in Zukunft weiterentwickeln wird, wie Martin Staffhorst sagt. Insgesamt soll PV-Log helfen, das Verständnis für die eigene Photovoltaikanlage zu steigern. „Dies ist in einem Netzwerk, das täglich aktualisiert wird und viele Vergleichsmöglichkeiten bietet, eben gut machbar“, erklärt er seine Idee.

Überhaupt geht es bei PV-Log auch viel darum, das Feedback und die Fragen der eigenen Nutzer für die Weiterentwicklung zu nutzen. Das Feedback kann bewertet und kommentiert werden. So kann man jederzeit schauen, welche Fragen bereits gestellt und wie sie beantwortet wurden. Auch Ideen und Vorschläge zur Weiterentwicklung werden öffentlich gesammelt, bewertet und kommentiert.

„Eine Zusammenarbeit wie auf PV-Log zwischen Nutzern und Betreibern, wo eigene Vorschläge oder auch Kritik sofort umgesetzt werden und die Seite zusammen verbessert, gibt es selten“, bestätigt Gowinkowsky. In einer Knowledge Base sind die Anfragen thematisch sortiert einsehbar. Auch die Kommunikation mit anderen Nutzern des Portals ist einfach. Jeder, der registriert ist, kann einem anderen Mitglied Nachrichten mit seinen Anregungen senden oder ihn über Auffälligkeiten bei seinen Ertragsdaten informieren. Dabei bleibt die Privatsphäre aber geschützt, und auf Wunsch lässt sich diese Funktion deaktivieren.

Neu ist die Idee von Ertragsportalen im Netz natürlich nicht. Bereits im Februar 2006 ging mit www.sonnenertrag.eu eines der ersten Portale dieser Art online. Mehr als 10.000 Anlagen mit verschiedenen Datenloggern sind hier mittlerweile verzeichnet. Die Ertragsdaten von knapp 4.000 Anlagen werden automatisch importiert. Tagsüber gibt es eine Bestenliste, die stündlich aktualisiert wird und die Anlagen mit den höchsten Erträgen regional aufgelöst anzeigt. Jeder Betreiber kann seine Daten dabei mit anderen Anlagen vergleichen. Eine Auswahl ist nach vielen verschiedenen Kriterien möglich. Auch bei Sonnenertrag wird das Portal ständig weiterentwickelt. Viele freiwillige Helfer sind auch hier am Werk. Dort ist der neueste Clou, den Installateur seiner Anlage mit anzugeben und zu bewerten.


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