Was ist nur in Aachen los?

Kategorie: 03 / 2013, Märkte & Trends Michael Fuhs

Photon: Abonnenten haben bisher nur bemerkt, dass Magazine nicht geliefert wurden. Doch es steckt viel mehr dahinter: eine Insolvenz, eine merkwürdige Übertragung auf eine Auffanggesellschaft und Verwicklungen, in die auch die Anleihen der Photon Power mit hineingezogen werden. Das Unternehmen selbst hält sich bedeckt.

Fachmagazin in Turbulenzen.
Foto: Rolf Schulten/photon-pictures.com

Auf der Rechnung, die Abonnenten der „Photon“ Mitte Januar ins Haus flatterte, hieß es lapidar: „Die Abrechnung des Abonnements wird zukünftig von der Photon Publishing GmbH und nicht mehr von der Photon Europe GmbH (...) vorgenommen.“ Doch es handelt sich um viel mehr als etwa um eine Umstellung der Buchhaltung. Dahinter verbirgt sich ein Vorgang, der viele überraschen dürfte.

Die Photon Europe GmbH hat bisher die Magazine produziert und herausgegeben. Sie hat am 12. Dezember 2012 Insolvenz angemeldet. Erst am 5. Februar 2013, also deutlich nach der neuen Rechnungsstellung, hat der Insolvenzverwalter einen Vertrag zur Fortführung des Geschäftsbetriebs und zur Übernahme eines Teils der Vermögenswerte mit der Photon Publishing GmbH, vertreten durch Anne Kreutzmann, geschlossen. Anne Kreutzmann ist übrigens überall drin: als Geschäftsführerin der insolventen Photon Europe, als Geschäftsführerin der neuen Auffanggesellschaft, als CEO der Photon Holding, der die beiden anderen Firmen gehören.

Es soll also mit der gleichen Leitung weitergehen und mit den gleichen Eigentümern, deren Schaden, anders als der der Gläubiger, dadurch begrenzt ist.

Die rechtliche Konstruktion mag Laien verwundern, ist jedoch legal. Die Photon Holding hält die Verwertungsrechte der Marke „Photon“. Die insolvente Photon Europe hat die Magazine lediglich produziert und vermarktet. Bei einer Insolvenz, die jetzt eingetreten ist, kann die Photon Holding die Verwertungsrechte letztlich an beliebige Dritte lizenzieren.

Auf dem Photonwatchblog (http://photonwatch.blogspot.de/), wo – sagen wir einmal – einige „Photon“-Gegner über die Neuigkeiten aus Aachen berichten und sich darüber austauschen, kommentiert ein Leser: „Die leere Hülle auf der einen und die Erpressung auf der anderen Seite. Frau Kreutzmann, Chefin der Holding, gäbe nie einer anderen Chefin als Frau Kreutzmann die Zuteilung für Verwertungs- und Namensrechte.“ Auch Verdi hat den Verlag im Visier. Im gewerkschaftseigenen Magazin schreibt Oliver Ristau: „Doch es sind nicht nur die Probleme der Solarbranche mit dem wegbrechenden Anzeigengeschäft, die die Arbeitsplätze bedrohen. Der Unmut vieler Mitarbeiter richtet sich gegen die Leitung des Hauses um Herausgeber Philippe Welter und Chefredakteurin Annegret Kreutzmann.“ Diese hatten laut Ristau nach Erkenntnissen von Verdi-Fachbereichssekretär Franz Blatt über Jahre hinweg mit Druck die Bildung eines Betriebsrates verhindert. „Die Beschäftigten hatten Angst, entlassen zu werden“, wird Blatt zitiert. Doch mit dem Ausbleiben von Gehaltszahlungen ab August 2012 hielten sie nicht mehr still. Dreimal, so der Gewerkschafter, hätten sie seit Oktober versucht, einen Betriebsrat zu konstituieren. „Dreimal ist dem Wahlvorstand daraufhin gekündigt worden.“

Photon-Anleihen gefährdet?

Zu den Gläubigern der Photon Europe gehört übrigens auch die Photon Power AG, die Anleihen im Wert von rund sieben Millionen Euro bei den Lesern der Zeitschrift eingeworben hat, bei einem Grundkapital von nur 100.000 Euro. In der Vergangenheit gab es eine Querfinanzierung der Magazine mit dem Anleihengeld. Nach Aussage von Photon-Power-Vorstand Ralf Heuser liegen noch 340.000 Euro bei der Photon Europe. Es gebe jedoch externe Sicherheiten.

Im Anleihenprospekt, mit dem Anleihengeber Verbraucher über Risiken aufklären müssen, steht dazu nichts. „Es wäre zwar wünschenswert gewesen, wenn der Prospekt einen Passus enthalten würde, wie die Erlöse gerade in der Anfangszeit verwendet werden“, erklärt Immo Terborg, Berater bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Wenn eine solche Regelung fehlt, sei jedoch relevant, welche Sicherheit tatsächlich gewährt worden sei. „Die Rechtmäßigkeit steht oder fällt mit der Qualität der Sicherheiten“, sagt der Experte. Ob die Anleihengeber ihr gesamtes Geld zuzüglich der Rendite zurückerhalten, hängt am Ende nur von der Solvenz des Unternehmens ab. Denn auf die Solaranlagen haben Banken zuerst Zugriff, soweit sie teilweise kreditfinanziert sind.

Weiter wie bisher?

Die Konstruktion der Photon Publishing scheint jetzt die gleiche zu sein wie zuvor bei der Photon Europe. Falls es wieder zu einer Insolvenz kommen sollte, werden die Mutterholding und ihre Eigentümer vermutlich wieder durch die Rechte abgesichert sein.

Die Übernahme ist laut Pressemitteilung des Insolvenzverwalters vom Gläubigerausschuss einstimmig angenommen worden. In ihm sind laut Bekanntmachung des Amtsgerichts unter anderem Vertreter der AOK und einer Druckerei vertreten.

Die Gläubigerversammlung, die der Entscheidung letztlich zustimmen muss, hat das Amtsgericht für den 19. April einberufen. Sie könnte die Übertragung auf die Photon Publishing im Prinzip verhindern beziehungsweise rückgängig machen, wenn die Gläubiger der Auffassung sind, dass eine andere Lösung für sie vorteilhafter ist.

 

Quellen auf www.pv-magazine.de:

 

 


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