Wacker, Baywa re und MVV fordern Ende der Photovoltaik-Handelsbarrieren

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Der derzeit geltende Mindestimportpreis hemmt nach Ansicht von Vertreterns der drei Unternehmen die Marktentwicklung und Kostenreduktion der Photovoltaik in Europa. Daher fordern Wacker, Baywa re und MVV, die Mindestimportpreise für chinesische Photovoltaik-Produkte auslaufen zu lassen und zu einem freien Handel zurückzukehren.

Symbolbild der EU-Kommission

Wacker, Baywa re und MVV Energie fordern die EU-Kommission auf, die Mindestimportpreise für Solarmodule aus China im Dezember auslaufen zu lassen.
Foto: EU-Kommission

Wacker Polysilicon, MVV Energie und Baywa re haben erneut bekräftigt, dass sie sich im Photovoltaik-Handelsstreit mit China für ein Auslaufen der Mindestimportpreise stark machen werden. „Alle Handelsbarrieren für die Photovoltaik sollten wegfallen“, erklärte Christian Westermeier, Leiter Sales, Marketing und Anwendungstechnik bei Wacker Polysilicon, während eines Pressegesprächs in Berlin am Donnerstagnachmittag. Für Wacker schließe dies sowohl die Mindestimportpreise für kristalline Photovoltaik-Produkte aus China in der EU als auch die Zölle auf Solarglas und die eigene Mindestimportvereinbarung mit der chinesischen Regierung ein.

Offiziell gilt das Undertaking zwischen EU-Kommission und China, in dem die Mindestimportpreisregelung und die Einfuhrvolumen festgelegt sind, bis zum 6. Dezember. EU Prosun hat für den Herbst bereits die Beantragung einer Auslaufprüfung angekündigt. Wenn die EU-Kommission dem nachkommt, könnten sich die Mindestimportpreise und Einfuhrbegrenzungen zumindest für den Zeitraum der Untersuchung verlängern. Davor warnt man auch bei Baywa re. Nach Aussage von Jochen Hauff, Geschäftsführer der Handelssparte von Baywa re, drohte eine Verlängerung des Undertakings um weitere fünf Jahre. Dann würde sich die Photovoltaik in Europa bei der Kostenentwicklung vom Rest der Welt abkoppeln. „Wir laufen dann Gefahr, dass die anderen Länder die Photovoltaik-Ernte einfahren, wenn erst einmal die Wirtschaftlichkeit erreicht ist“, so Hauff weiter. Jetzt sei aber noch Zeit, eine Verhandlungslösung der EU-Kommission und China zu finden und damit alle Handelsbarrieren für die Photovoltaik abzuschaffen.

Nach Ansicht von Wacker, Baywa re und MVV Energie liegen die Photovoltaik-Kosten in Europa bereits derzeit zehn Prozent höher als sie sein müssten. „Der Mindestimportpreis hat eine weitere Preissenkung in den vergangenen Jahren verhindert“, so Westermeier. Selbst das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin habe dies mittlerweile erkannt und sehe die Hauptursache für den schwachen Photovoltaik-Zubau in den reglementierten, hohen Preisen begründet. Nach Aussage von Westermeier würde jeder Gigawatt mehr Zubau in Deutschland 8000 bis 9000 neue Arbeitsplätze hierzulande schaffen. Wegen des stark rückläufigen Zubaus habe die Solarbranche in Deutschland in den vergangenen Jahren massiv Arbeitsplätze verloren. Wacker beziffert den Rückgang mit 160.000 Jobs. Rund 60.000 Arbeitsplätze sollen noch übrig sein.

Ein Großteil der Arbeitsplätze ist in den vergangenen Jahren gerade bei den Photovoltaik-Herstellern verloren gegangen. So gebe es derzeit noch Fertigungskapazitäten von gut einem Gigawatt für Solarzellen und Wafer in Europa, die fast komplett Solarworld gehörten, so Westermeier. Die verbliebenen Modulkapazitäten in Europa schätzt Wacker auf rund drei Gigawatt, wobei wiederum ein Gigawatt bei Solarworld vorhanden sei.

Auf die Frage, ob die europäische Solarindustrie nach einem Auslaufen der Mindestimportpreise geschützt werden sollte, antwortete Westermeier, dass man immer überlegen wolle, was man schützen wolle. Solarmodule seien ein Commodity-Produkt. Dennoch könnten den heimischen Photovoltaik-Herstellern über gezielte Forschungs- und Entwicklungsarbeit auch Vorteile gegenüber der chinesischen Konkurrenz haben, etwa hinsichtlich der Wirkungsgrade.

Wacker, Baywa re und MVV Energie geht es aber in erster Linie darum, dass sie in Europa ihre Solarmodule wieder zu Preisen, die mittlerweile auf dem Weltmarkt herrschten, kaufen könnten. Die Mindestimportpreise hielten die Modulpreise künstlich hoch und verhinderten so auch eine weitere Kostenreduktion in den anderen Bereichen, wie es sie in der Vergangenheit gegeben habe, erklärte Benedikt Ortmann, Geschäftsführer der Baywa re Solar Projects GmbH. Alle Vertreter gingen davon aus, dass es in den kommenden fünf bis sieben Jahren nochmals zu einer Halbierung der Photovoltaik-Systempreise kommen könnte. Damit wäre die Photovoltaik 2020 bis 2022 auf einem Niveau angekommen, wo sie ohne jede Förderung attraktiv für Investoren wäre, ergänzte Holger Krawinkel, Leiter Customer Experience bei MVV Energie. (Sandra Enkhardt)


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