Verbraucherschützer lehnen Kapazitätsmarkt ab

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Betreiber fossiler Kraftwerke wollen nach Medienberichten insgesamt 26 Blöcke mit einer Gesamtleistung von 6735 Megawatt vom Netz nehmen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht dennoch keine Notwendigkeit, Kapazitätsmärkte einzuführen. Dies würde nur teuer für den Verbraucher werden.

Kohlekraftwerk in Betrieb

Kapazitätsmärkte würden nur die unnötigen Kohlekraftwerke länger am Netz halten - so die Ansicht der Verbraucherschützer.
Foto: Wikimedia/Flocko

Die fossilen Kraftwerke lohnen sich angesichts des weiter voranschreitenden Ausbaus von Photovoltaik und Windkraft in Deutschland für die Betreiber immer weniger. Die Betreiber hätten 26 Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 6735 Megawatt zur Stillegung bei der Bundesnetzagentur angemeldet, berichtet nun die Nachrichtenagentur dpa. Noch stünde nicht fest, ob diese Kraftwerksblöcke alle vom Netz gehen werden. Darüber müsse die Bundesnetzagentur noch entscheiden, heißt es in der Meldung weiter. Wenn sie als systemrelevant eingestuft würden, müssten die Betreiber die fossilen Kraftwerke gegen eine Entschädigung als Reserve in Bereitschaft halten.

Die Energiekonzerne und Versorger, die die fossilen Kraftwerke betreiben, fordern schon seit längerem, eine Einführung von Kapazitätsmärkten. Dies ist auch ein Punkt in dem vorgeschlagenen Reformkonzept für ein neues Strommarktdesign des Bundesverbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), das jüngst veröffentlicht wurde. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat dazu erklärt, er sehe beim Thema Versorgungssicherheit derzeit keinen Handlungsbedarf. „Es sind genug Kraftwerksreserven vorhanden“, sagt Holger Krawinkel, Bereichsleiter Verbraucherpolitik beim vzbv. Die Schließung einiger Kraftwerke sei daher unproblematisch. Auch die Einführung eines Kapazitätsmarktes sei vor diesem Hintergrund nicht sinnvoll. Es sei zudem „unnötig komplex“ und „berge zu viele Risiken“. „Ein Kapazitätsmarkt führt nur dazu, dass nicht mehr benötigte Kohlekraftwerke auf Kosten der Verbraucher am Netz gehalten werden“, erklärte Krawinkel weiter.

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist das derzeit bestehende System ausreichend. Es stelle sicher, dass im Fall von Versorgungsengpässen ausreichend Reservekapazitäten zur Verfügung stünden. „Die Netzreserve reicht zunächst völlig aus, um Versorgungssicherheit zu garantieren“, sagte Krawinkel. Es sei auch sinnvoll, dieses Instrument über das Jahr 2017 hinaus zu verlängern. Dabei müsse die Beschaffung der Reservekraftwerke zukünftig transparenter ausgestaltet werden, so die Forderung des Verbands. (Sandra Enkhardt)


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