Thüringen fordert nationalen Solargipfel wegen Bosch-Ausstieg

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Der Rückzug des Stuttgarter Konzerns aus dem Photovoltaik-Geschäft trifft vor allem die thüringische Solarindustrie hart. Der Landeswirtschaftsminister hat einen nationalen Solargipfel von der Bundesregierung gefordert. Er wird dabei sowohl von den heimischen Verbänden als auch den Grünen und der IG Metall unterstützt.

Bosch-Standort in Arnstadt

Bosch will seine Werke in Arnstadt zum Jahresende schließen
Foto: Bosch-Gruppe

Rund 3000 Arbeitsplätze stehen nach der Ankündigung von Bosch, sich aus dem kristallinen Photovoltaik-Geschäft zurückzuziehen, auf dem Spiel. Die meisten davon befinden sich im thüringischen Arnstadt. Daher verwunderte es nicht, dass der dortige Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD), kurz nach der Bekanntwerden der Nachrichten einen nationalen Solargipfel forderte. Dabei müsse ein nachhaltiges Konzept für die Solarwirtschaft in Deutschland erarbeitet werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Machnig, dem Arnstädter Bügermeister, dem Betriebsrat der Bosch Solar Energy sowie der IG Metall. „Deutschland darf sich aus dem Zukunftsfeld Solar – gerade im Zuge der Energiewende – nicht verabschieden.“ Daher wandte sich Machnig mit seiner Forderung nach einem Energiegipfel auch direkt an den Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

„Die deutsche Photovoltaik-Industrie befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, aus der auf schnellstem Wege ein Ausweg gefunden werden muss“, hieß es bei den Thüringer Branchenverbänden Solarinput und Solarvalley Mitteldeutschland. Sie unterstützen die Forderung Machnigs nach einem nationalen Solargipfel. „Es kann nicht sein, dass sich Deutschland von diesem Zentralpfeiler der Energiewende verabschiedet, und künftig die Produktion nur noch in Asien möglich ist“, sagte Hubert Aulich, Sprecher von Solarvalley und Solarinput. Es brauche dringend ein Konzept zur Förderung der Forschung von Photovoltaik-Systemen und Produktionstechnologien. Auch die von der Bundesregierung beschlossene Innovationsallianz II sollte endlich auf den Weg gebracht werden, um weitere Kostensenkungen bei Solarmodulen auf den Weg zu bringen. „Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung die immense Bedeutung der Photovoltaik-Branche für den Standort Deutschland erkennt und in der Krise unterstützt“, so Aulich weiter.

Die IG Metall kündigte indes für den morgigen Donnerstag einen Protestmarsch gegen die Schließung der Bosch Solar-Werke in Arnstadt an. Es sei eine Betriebsversammlung vor dem Werkstor geplant, sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Wolfgang Lemb, der Nachrichtenagentur „dpa-AFX“. Danach solle es einen Protestzug bis vor das Rathaus in Arnstadt geben, wo eine Kundgebung geplant sei.

Grüne sehen Bundesregierung in der Pflicht

Der Grünen-Energieexperte im Bundestag, Hans-Josef Fell, erneuerte ebenfalls seine Forderung nach einer „Industriestrategie für deutsche Solarhersteller“. Diese sei angesichts der erstarkten Photovoltaik-Konkurrenz aus China dringend geboten. Doch die Bundesregierung von CDU/CSU und FDP erhöhe hingegen noch den Druck auf die Solarindustrie hierzulande. „Rot-Grün hat die Solarindustrie mit über 100.000 Arbeitsplätzen in Deutschland erfolgreich aufgebaut, Schwarz-Gelb hat sie in nur drei Jahren wieder an die Wand gefahren“, so Fells Urteil. Die derzeitige Bundesregierung stütze die alten Industrien wie Kohle und Stahl, überlasse die neuen, schnell wachsenden Leitmärkte aber den asiatischen Herstellern. (Sandra Enkhardt)


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