Tauber Solar und BP Solar streiten weiter

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Die Ursache des Brands der riesigen Photovoltaik-Dachanlage in Bürstadt ist weiter unklar. Anlagenbetreiber und Modullieferant beschuldigen sich gegenseitig, für das Feuer verantwortlich zu sein.

Brand der PV-Dachanlage in Bürstadt

Die Ursache des Brandes der Photovoltaik-Dachanlage ist weiter strittig
Foto: Berno Nix

Der Brand der Photovoltaik-Dachanlage in Bürstadt Ende Juni sorgt weiter für Ärger: Betreiber Tauber Solar und Modullieferant BP Solar schieben sich gegenseitig die Schuld zu und berufen sich dabei auf ihre Gutachter. BP Solar veröffentlichte am Morgen seine ersten technischen Erkenntnisse zur Brandursache. Demnach liege die Ursache für den Brand in den „hervorstehenden Metallbügeln einer Blitzschutzinstallation, die Teil des ursprünglichen Daches ist und unter den Solarmodulen im Firstbereich verläuft.“ Dies verstoße gegen die Installationsanweisungen von BP Solar, aber auch gegen anerkannte Branchenpraktiken, da diese Metallbügel gegen die freizuhaltende Rückseitenfolie drückten.

Wegen der Beschädigung der Rückseitenfolie ist es bei den Nachuntersuchungen des Brandes Ende Juni zweimal zu einem Kurzschluss mit anschließendem Schmorbrand gekommen, wie BP Solar weiter mitteilte. Das beauftragte Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer habe herausgefunden, dass sich viele dieser Bügel zu dicht an den stromführenden Zellen befanden oder bereits deren rückseitige Isolation beschädigt hatten. Der Gutachter hat daher BP Solar zufolge den Schluss gezogen: „Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der ursprüngliche Brand durch die Beschädigung eines Moduls durch einen Bügel entstanden ist.“

Tauber Solar hält „Hot Spots“ für verantwortlich

Der Anlagenbetreiber Tauber Solar hält eigene Gutachten dagegen und schließt Montagefehler als Brand- und Schadensursache aus. Demnach seien an mehreren beschädigten Modulen durch die Sachverständigen signifikante Fehler festgestellt worden, darunter sogenannte „Hot Spots“, heißt es in einer Gesellschafterinformation von Tauber Solar. Die Ursache für „Hot Spots“ seien „fehlerhafte elektrische Lötverbindungen innerhalb der Module“. Die könne dazu führen, dass sich die Module bereits unter den Bedingungen der normalen Nutzung überdurchschnittlich erwärmen und es  schließlich zu einem langsamen Verschmoren der Kunststoffmaterialien der rückseitigen Folie kommt, heißt es bei Tauber Solar. Daher sei die Ursache für den Brand im Bereich der BP-Solarmodule selbst zu suchen. Etwa fünf Prozent der verbauten Laminate hätten „Hot Spots“ aufgewiesen.

BP Solar seinerseits weist zurück, dass „Hot Spots“ Brände an dem Modul oder der Unterkonstruktion auslösen können. Intensität und Dauer der Hitzeentwicklungen seien nicht ausreichend, um ein Modul oder die Dachhaut zu entzünden, sagt der Geschäftsführer von BP Solar, Matthijs Bruijnse. Dem widerspricht eindeutig der Leiter des Kundenservice am VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstitut, Axel Schwalm: „Hot Spots sind absolut geeignet, um Brände auszulösen.“ Es komme darauf an, wie groß der Abstand zum darunter liegenden Material sei. Bei „Hot Spots“ seien bereits Temperaturen von 270 bis 280 Grad gemessen worden, sagt Schwalm auf Nachfrage der photovoltaik.

Tauber Solar schließt Rechtsstreit nicht aus

In der Gesellschafterinformation von Tauber Solar heißt es weiter, dass nach den zwei unabhängigen Gutachten sowie der Prüfung der Rechtslage davon ausgegangen werden, dass BP Solar den kompletten Schaden beseitigt. Bislang habe der Modullieferant nur angeboten, freiwillig etwa 20 Prozent des entstandenen Schadens zu übernehmen. Tauber Solar schließe die Einleitung rechtlicher Schritte nicht aus, sollte BP Solar auf diesem Standpunkt verbleiben. Es lägen zudem Anhaltspunkte dafür vor, dass BP seit Jahren über die Mängel bei den betroffenen Modulen Bescheid wusste, diese aber arglistig verschwiegen habe. Dies werde derzeit durch Anwälte geprüft. Sollte sich der Verdacht erhärten, hätte BP Solar in hohem Maße unverantwortlich gehandelt, da durch die fehlerhaften Module seit Jahren Gefahr für Leib und Leben Dritter bestanden habe, heißt es weiter.

Die Photovoltaik-Dachanlage in Bürstadt zählt zu den größten in Deutschland. Sie hat eine Gesamtleistung von fünf Megawatt  und erstreckt sich über eine Dachfläche von 50.000 Quadratmetern. Bei dem Brand am 21. Juni 2009 sind etwa 70 Module zerstört worden. Die Anlage ist derzeit abgeschaltet. Tauber Solar will sie aber möglichst bald wieder in Betrieb nehmen.

2006 wurden im Zuge einer Rückrufaktion von BP etwa 50 Prozent der Module ausgetauscht. Die ursprünglich installierten Module wiesen erhebliche Mängel hinsichtlich der elektrischen Festigkeit auf. Bei einer Vielzahl von Modulen kam es Tauber Solar zufolge damals zu einer Überhitzung der Anschlussdosen, aus denen auch eine erhöhte Brandgefährdung resultierte. (Sandra Enkhardt)


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