Sonnenfinsternis: Kein Stromausfall und Börsenpreise erwartungsgemäß gestiegen

Kategorie: Märkte und Trends, Speicher und Netze, Topnews

Die Sonnenfinsternis war ein Stresstest für das Stromnetz und den Strommarkt. Beide haben ihn mit Bravour bestanden.

Partielle Sonnenfinsternis in Deutschland im März 2015

Die heutige Sonnenfinsternis verdunkelte den Himmel, aber ließ niemanden im Dunkeln sitzen.
Foto: wikimedia/J. Patrick Fischer

Um 12:57 Uhr war die Sonnenfinsternis in Deutschland vorbei und die Solarleistung stieg wieder auf über 20 Gigawatt, nachdem sie zuvor auf etwa fünf Gigawatt gefallen war. Das zeigte der Monitor zur Solarstromerzeugung an. Zu Stromausfällen ist es laut Deutscher Energieagentur nicht gekommen.

Die größte Herausforderung für das Stromnetz bestand darin, dass die Solarleistung so schnell ab- und zunahm. Das muss der Strommarkt abbilden. Dort ist der Handel am Vortag (Day Ahead) in Stunden und am gleichen Tag (Intraday) in Viertelstunden unterteilt. Was sich innerhalb der Viertelstunden ändert, muss durch Regelleistung abgedeckt werden. Dort ließen sich die Effekte der Sonnenfinsternis gut beobachten (siehe „Lernen und Vermarkten mit der Sonnenfinsternis“ und Live-Blog).

„Der Intraday Markt war sehr volatil“, erklärte Energy Brainpool-Berater Phillipp Götz. Es gab Ausschläge zwischen minus 1.000 Euro und bis plus 1.000 Euro pro Megawattstunde. An den meisten Tagen liegen die Ausschläge einen Faktor zehn darunter und schon 200 oder 500 Euro seien extreme Ausreißer. Dass es zu diesen 1.000 Euro Ausreißern kam, bedeutet, dass die Stromhändler wirklich versucht haben, die Solarstromerzeugungskurve optimal auszugleichen und dass sie nicht darauf spekuliert haben, dass dies mit Regelleistung geschehe. Die erhöhten Preise am Intraday Markt sind ein Grund dafür, warum Energy Brainpool die volkswirtschaftlichen Kosten auf etwa drei Millionen Euro schätzte.


Solarstromproduktion am heutigen Freitag mit Stundenauflösung, wie sie die Netzbetreiber gemeldet haben. Grafik: EEX

Regelleistung wurde dementsprechend deutlich weniger nachgefragt, als von den Übertragungsnetzbetreibern eingekauft wurde. Eingekauft waren über 2.600 Megawatt. Von der Sekundenreserve wurden schließlich maximal 475 Megawatt negative Leitung und 559 Megawatt positive Leistung angefordert. Im gesamten Sonnenfinsternis-Zeitraum waren es nur rund 20 Prozent mehr als im gleichlangen Zeitraum davor. Bei der Minutenreserve war der Abruf dagegen deutlich stärker als im Zeitraum davor. Allerdings lag die maximale negative Regelleistung da bei minus 700 Megawatt, während sich der Mond vor die Sonne schob und die Einstrahlung sank, und plus 600 Megawatt während der Flanke, als die Sonne wieder besonders schnell stärker wurde. Im Zeitraum zuvor wurde überhaupt keine Minutenreserve angefordert. Es scheint also jemand den Effekt der Sonnenfinsternis überschätzt zu haben, so dass er beim Verschwinden der Sonne am Intraday-Markt zu viel Kompensationsleistung eingekauft hatte, weil er einen schnelleren Rückgang der Solarleistung erwartet hatte, und beim Anwachsen der Einstrahlung zu wenig Kraftwerksleistung eingekauft hatte, weil er einen schnelleren Anstieg erwartet hatte.

Dass insgesamt viel weniger Regelleistung benötigt als eingekauft wurde, spricht also dafür, dass die Netzbetreiber und Stromhändler die Situation sehr gut im Griff hatten, erklärt bestätigt auch Phillipp Götz. Das untermauert auch der Blick auf die Netzfrequenz, die durchgehend sehr stabil um 50 Hertz lag. Wenn zu viel oder zu wenig Energie im Stromnetz gewesen wäre, hätten dort Ausschläge sichtbar sein müssen. (Michael Fuhs)

Siehe auch Blog von Karl-Heinz Remmers "Ein Tag mit der German Angst"


Bei der Sonnenfinsternis 1999 war der Himmel nicht so blau wie bei der partiellen Sonnenfinsternis 2015. Hier zu sehen ist das Monitoring der Anlage auf der Neuen Messe München am 11.8.1999, erklärt Edwin Cunow, damals Projektleiter bei Siemens Solar. Die vielen Fluktuationen zeigen die schwankungen aufgrund der starken Bewölkung. Die Sonnenfinsternis war total, so dass die Solarstromerzeugung damals auf nahezu Null zurückging. Die Reststrahlung betrug rund fünf Watt pro Quadratmeter.


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