Solarworld setzt bewusst auf Produktion in Europa

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Kurzvorstellung Modulproduzenten in Europa: Solarworld produziert seit August 2000 in Europa Module und dürfte zu den bekanntesten Herstellern gehören. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich das Unternehmen vehement für die Zölle für chinesische Photovoltaik-Produzenten einsetzt, und sich damit auch viele Feinde geschaffen hat.

Produktion

Solarmodulproduktion bei Solarworld in Freiberg
Foto: SolarWorld AG

Zur Vorbereitung des 3. pv magazine Quality Roundtables auf der Intersolar Europe hat pv magazine für einen Überblick Photovoltaik-Produzenten mit Herstellung in Europa zu ihrer strategischen Ausrichtung und Qualitätssicherung befragt. Die Kurzzusammenfassungen werden separat zum Überblicksartikel veröffentlicht.

Produktion: Solarworld hat eine integrierte Produktionskapazität in Europa von rund einem Gigawatt. Nach den Zahlen von IHS lag das Unternehmen bei der Auslastung unter den europäischen Herstellern vorne. Dieses Jahr will Solarworld auf über ein Gigawatt, weltweit auf über anderthalb Gigawatt erweitern.

Strategie: Solarworld spielt in einer anderen Liga als die meisten andere europäischen Photovoltaik-Hersteller. Das spiegelt sich auch darin, dass das Unternehmen so gut wie alle Technologien als Stärke definiert, die derzeit im Gespräch sind, und sich nicht auf einen Nischenmarkt konzentriert. Außer den Technologien sind auch die Prozesse relevant. Solarworld ist vertikal integriert und stellt alles von Ingots bis zum fertigen Modul her. „Das spielt eine große Rolle, da man so rückverfolgen kann, wo Probleme liegen, sollten welche auftreten“, sagt Konzernsprecher Milan Nitzschke. Das sei selbst dann hilfreich, wenn man zusätzlich Komponenten zukauft, da man die Produkte dann vergleichen könne. Außerdem sei der hohe Automatisierungsgrad für die Qualität wichtig. „Die Fehlerraten sind dadurch geringer, die Lebensdauer höher“, sagt er. Solarworld präsentiert sich außerdem bewusst als Marke mit Produktion in Europa und vermarktet das Image offensiv, dass hier Umwelt- und Sozialstandards, Arbeitsproduktivität sowie eben Produktqualität hoch seien.

Herausforderungen für die Zukunft: Auf die Frage, welche Themen die größte Bedrohung für das Unternehmen sind, antwortet Konzernsprecher Milan Nitzschke erwartungsgemäß mit dem unfairen Wettbewerb – Ausgangspunkt für ihn, die Zölle auf in China produzierte Module zu fordern. Danach folgt, dass Entscheidungen von Kunden nicht danach getroffen würden, was den nachhaltigsten Gewinn verspreche, sondern danach, wo die Investitionskosten am niedrigsten seien. „Wenn in Ausschreibungen nur der Preis eine Rolle spielt, dann zählen am Ende oft nur die Investitionskosten, nicht die LCOE, also die echten Stromgestehungskosten“.

Logisch ist das zwar nie, da auch Investoren auf langfristige Einnahmen setzen sollten. Trotzdem legen Marktmechanismen dies nahe, vor allem wenn Investoren versuchen, mit wenig Geld in die Projektierung zu gehen und die Anlagen schnell wieder zu verkaufen.

Technologische Ausrichtung: Die Frage, ob neue Technologien wesentlich für den Erfolg des Unternehmens sind, bejaht Milan Nitzschke vehement. „Wir müssen unseren asiatischen Konkurrenten immer 18 Monate voraus sein. Die wichtigsten derzeitigen Technologiefelder seien Module mit Perc-Zellen, bifaciale Module und allgemein die Systemintegration. Endkunden erwarteten, dass Solarworld nicht nur das Modul liefern könne, sondern auch alle für eine Anlage notwendigen Komponenten inklusive Heimspeicher und Energiemanagement, selbst wenn diese teilweise von spezialisierten Firmen zugekauft werden. Wichtig sei, die Kompetenz zu demonstrieren.

Qualitätssicherung: Auch Solarworld setzt natürlich auf Qualität, um sich von anderen zu unterscheiden. „Entscheidend ist, ob man den Qualitätsunterschied glaubhaft machen kann“, sagt Nitzschke. „Bei einem Auto geht das ja auch. Bei Solarmodulen ist das noch wichtiger, da sie 30 Jahre und mehr halten sollen.“ Als Kunde wisse man zwar nicht, wem man bei der Beurteilung der Qualität vertrauen könne. Aber man könne doch nachvollziehen, dass in einer Produktion in Deutschland mit deutlich höheren Lohnkosten manches anders gemacht werden muss als in China und ein höherer Automatisierungsgrad und bessere Materialauswahl die Lebensdauer positiv beeinflussen.

Milan Nitzschke bejaht nahezu alle in unserer Umfrage angebotenen Punkte, wie man die Qualität sichert. Solarworld nutzt danach umfangreiche Qualitätssicherungsprotokolle, man kann als großer Kunde auch Module mit bestimmten Materiallisten (BOM) bestellen, das Unternehmen fragt Kundenzufriedenheit ab und macht Feldunteruntersuchungen. Ein zentraler Punkt sei die Automatisierung und Qualitätssicherung in der Produktion. Qualitätsfragen würden im Übrigen auch im Fachpartnerbeirat diskutiert.


Wollen Sie Schwarze-Schafe-Fälle mitdiskutieren?

pv magazine organisiert den 3. Qualitäts-Roundtable auf der Intersolar in München. Wir beginnen mit der Diskussion aller Anwesenden über zwei „schwarze Schafe“ und wie geschädigte Betreiber vorgehen können. In der Pause können sie sich direkt und vertrualich austauschen. Im zweiten Teil werden Experten ihre Erfahrungen, unter anderem zu Feldtests und Best-Practice-Vorgehen entlang der Wertschöpfungskette, präsentieren und auf dem Panel diskutieren. Allem Voran steht eine Bestandsaufnahme dazu, was europäische Hersteller zum Qualitätsthema beitragen können. Nehmen Sie am Roundtable Teil und gleichzeitiog an der Verlosung einer Apple Watch. Wir recherchieren außerdem auch gerne Ihre "schwarzen Schafe". Mehr Informationen und kostenfreie Registrierung


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