Solar-Aktien: Chinas Photovoltaik-Unternehmen verlieren an Boden

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

Der März stand an der New Yorker Börse ganz im Zeichen des Kollapses des chinesischen Photovoltaik-Konzerns Suntech. Dies führte zu einer hohen Volatilität am Aktienmarkt. Auch die Papiere der deutschen Photovoltaik-Unternehmen haben einen sehr schweren Monat hinter sich.

New Yorker Börse

Die Aktien chinesischer Hersteller verloren im März teilweise massiv an Wert
Foto: Ryan Lawler/wikimedia

Das globale Überangebot an Solarmodulen gepaart mit geringen Margen führte zu herben Verlusten bei dem einst führenden Photovoltaik-Hersteller Suntech Power Holdings Co., Ltd. Das chinesische Unternehmen konnte eine am 15. März fällige Anleihe über umgerechnet 422 Millionen Euro nicht zurückzahlen, woraufhin acht seiner Kreditgeber einen Konkursantrag für die Tochter Wuxi Suntech stellten. Obwohl die Regierung in Wuxi, wo sich Suntechs Hauptsitz befindet, beabsichtigt, die Produktion während der Restrukturierung fortzusetzen, haben die Suntech-Aktien in den USA im März rund 66 Prozent an Wert verloren. Seit Jahresanfang sanken sie damit 72 Prozent an Wert.

Gleichzeitig ist auch der Ticker Spy Index für chinesische Solar-Aktien (CHSOL) um mehr als 35 Prozent in den vergangenen Monaten gesunken. Jesse Pichel, Vorstandschef der in New York ansässige Firma Pichel Cleantech Advisors LLC, sagt dazu: „Die Modulhersteller sind zu rasch expandiert, ohne dabei aber eine Differenzierungsstrategie für ihre Produkte zu entwickeln. Das Erschreckende daran ist, dass es eine Reihe von Modulen bereits jetzt zu einem Preis von 0,23 Euro pro Watt zu haben ist – und das wird andere Photovoltaik-Herstellerdazu zwingen noch unter diese Marke zu gehen. Die Beobachtungsliste chinesischer Unternehmen enthält nun auch LDK Solar und JA Solar. JA Solar hat im ersten Quartal seine Erwartungen gesenkt. Sie sind bislang ein guter Lieferant gewesen, aber sie können in diesem Markt nicht nachhaltig sein.“

Bezüglich des chinesischen Herstellers Yingli ist Pichel allerdings sehr zuversichtlich. „Yingli ist nun das größte Photovoltaik-Unternehmen der Welt – und nach meinen Nachforschungen und den Informationen aus Peking hat Yingli die volle Unterstützung der Regierung“, sagt er pv magazine. Zum Fall Suntech erklärt Pichel, dass er denkt, dass „Interessante ist, dass das Unternehmen tatsächlich Bankrott ist, ohne eine Chance zu haben, seine Schulden zurückzuzahlen. Dennoch hat die Aktie immer noch einen Wert im Markt.“ Pichel ergänzt, dass es schon früher Anzeichen für das Fehlverhalten des Suntech-Gründers Zhengrong Shi gegeben habe. Er sei mit einem Vermögen von rund 1,3 Milliarden Euro einst der reichste Mann Chinas gewesen. Nun ist Shi aus dem Vorstand von Suntech entfernt und unter Hausarrest gestellt worden. Es ist ihm verboten, China zu verlassen. 

„Es hat etwas zu bedeuten, wenn chinesische Medien über finanzielle Unregelmäßigkeiten berichten“, erklärt Pichel. „Im vergangenen Jahr wurde behauptet, dass Shi die zwei Firmen, Glory Silicon und Asia Silicon, die ihm bereits gehörten, im Auftrag von Suntech für hunderte Millionen Dollar kaufte“, sagt er weiter. Allerdings seien von Suntech selbst keine Bestätigungen zu bekommen. Dort werde nur auf die Ermittlungen auf Vorstandsebene verwiesen. „Wir wissen nicht, was bewiesen ist und was nur Vorwürfe sind“, sagt Pichel. „Ich glaube nicht, dass es bisher einen Bankrott einer chinesischen Firma gab, die am US-Aktienmarkt gelistet ist. Das ist Neuland. Haben die Aktionäre Zugriff in China? Wir werden das sorgfältig beobachten.“

Auch deutsche Unternehmen haben vergleichbare Rückschläge wie die chinesische Konkurrenz hinnehmen müssen. Zahlreiche Unternehmen kämpften mit finanziellen Schwierigen. So musste die Hawi Energietechnik AG aus Eggenfelden am 7. März Insolvenz anmelden, von der rund 100 Mitarbeiter betroffen sind. Würth Solar, kündigte Mitte März an, den Großteil seines Photovoltaik-Geschäfts ab Baywa und möglicherweise einen zweiten Investor zu verkaufen. Würth Solar erklärte, dass eine interne Prüfung der Zukunftsaussichten für die Solaraktivitäten die Grundlage für den Verkauf gewesen sei. Am 22. März verkündete schließlich Bosch seinen Ausstieg aus dem Photovoltaik-Geschäft. Dabei solle auch der Mehrheitsanteil an der Aleo Solar AG möglichst rasch verkauft werden. Von der Entscheidung Boschs sind rund 3000 Mitarbeiter betroffen. Auch Solarworld, das mittlerweile nicht mehr im TecDax gelistet ist, bemüht sich derzeit um die Restrukturierung seiner Finanzen.

Mit Ausnahme der US-Tochter von Solarworld ist keine dieser Firmen an der New Yorker Börse gelistet. Die Aktie von Solarworlds US-Tochter verlor im vergangenen Monat rund 30 Prozent und fiel auf 0,90 Cent – dies verursachte eine gewisse Schadenfreude bei anderen Unternehmen aus dem Photovoltaik-Bereich. In der Tat sieht Pichel Solarworld als „erledigt“ an. Er sagt im Gespräch mit pv magazine, er bemerke, dass „Solarworld eindeutig keinen Platz mehr hat zu manövrieren“.

Das Fazit von Pichel ist, dass wohl in den kommenden Monaten einige chinesische Unternehmen vom Markt verschwinden werden. Dafür werde ein stärkerer Fokus auf US-Unternehmen wie First Solar, Sunpower und Sun Edison liegen, denen er gute Zukunftsaussichten einräumt. (Cheryl Kaften)

Übersetzt und bearbeitet von Sandra Enkhardt.

Der vollständige Artikel mit weiteren Informationen zur Situation der chinesischen Hersteller Yingli, JA Solar und LDK Solar sowie zur Entwicklung von Abengoa Bioenergia, Kyocera, First Solar und MEMC ist bei www.pv-magazine.com erschienen.


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