Signalwirkung erwartet

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Am Donnerstag ist der bisher größte Solarpark der Philippinen in San Carlos von Präsident Benigno Aquino III bei einer Eröffnungsfeier ans Netz geschaltet worden. Finanziert wurde er über den ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund. pv magazine sprach mit Michael Sieg, Chairman und CEO von ThomasLloyd über die Hintergründe des richtungsweisenden Investments.

Michael Sieg ist Chairman und CEO von Thomas Lloyd.

Michael Sieg ist Chairman und CEO von Thomas Lloyd.
Foto: Thomas Lloyd

pv magazine: Der philippinische Solarmarkt kam bisher erst langsam in Schwung. Erwarten Sie nun eine Signalwirkung durch die Fertigstellung von San Carlos Solar Energy?
Michael Sieg: Ja, auf alle Fälle. San Carlos Solar Energy I und II (SaCaSol I und II) sind ja mit einer Gesamtleistung von 22 Megawatt der mit Abstand größte Solarpark der Philippinen und der erste große Solarpark, der in dem Land unter dem FIT-Programm ans Netz geht. Die Aufmerksamkeit ist groß, und der philippinische Präsident Benigno Aquino III wird zur offiziellen Eröffnung am 15. Mai kommen.

Wie viel haben Sie dort schon investiert, und wer sind ihre Finanzierungspartner?
Wir haben SaCaSol I und II ohne Bankkredite über Eigenkapital selbst finanziert. Insgesamt haben wir bisher rund 45 Millionen US-Dollar investiert.

Woher kommt denn das Geld? Wer sind Ihre Anleger?
Finanziert haben wir das Projekt über unseren ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund, den wir 2011 für den europäischen Markt aufgelegt haben. Das Portfolio umfasst derzeit insgesamt zwölf Projekte auf den Philippinen und in Kambodscha in den Bereichen Photovoltaik, Biomasse und Windkraft. Die Anleger sind meist vermögende Privatkunden, Stiftungen und Dachfonds aus Europa.

Welche Renditen bieten Sie an, und wie lange sind die Laufzeiten?
Unsere Anleger erwarten über das gesamte Portfolio hinweg über die Laufzeit eine durchschnittliche Rendite im zweistelligen Bereich. Die Transaktionsrenditen einzelner Projekte kommunizieren wir dabei aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht isoliert. Die unterschiedlichen Beteiligungsmöglichkeiten weisen Laufzeiten von 3 bis zu 20 Jahren auf.

Was ist denn der Kern ihres Geschäftsmodells? Wann steigen Sie in Projekte ein, und wann verkaufen Sie diese wieder?
Wir konzentrieren uns auf Erneuerbare-Energien-Infrastrukturprojekte in den wachstumsstärksten Ländern Asiens. Hier kaufen wir die Rechte an vollständig entwickelten und genehmigten Projekten ohne Zwischenhändler direkt vom jeweiligen lokalen Projektentwickler. Dadurch, dass wir die Projekte kurz vor Baubeginn und nach Vorliegen der Genehmigungen und Verträge kaufen, können wir die Risiken stark minimieren und sichern uns gleichzeitig einen günstigen Einkaufspreis. Wir optimieren die Projekte dann im Hinblick auf ihren maximalen Wiederverkaufswert, vor allem hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und vergeben im Rahmen eines internationalen Ausschreibungsprozesses die Aufträge für den Bau, den späteren Betrieb und die Wartung der Kraftwerke. Hierbei setzen wir auf kommerziell erprobte Technologien sowie Hersteller und EPCs mit einem entsprechenden Track-Record, wie im PV-Solarbereich z.B. Conergy Asia & ME Pte Ltd. Neben der Finanzierung koordinieren und überwachen wir die Errichtung vor Ort mit eigenen oder beauftragten Spezialisten. Nach Aufnahme des kommerziellen Betriebs verkaufen wir die operativen Kraftwerke an den meistbietenden, langfristig orientierten Finanzinvestor oder Energieversorger. Dies kann u.a. im Rahmen eines Bieterverfahrens oder auch über die Börse durch einen IPO geschehen. Das hohe Marktinteresse zeigt sich unter anderem auch dadurch, dass uns von anderen Marktteilnehmern bereits vor Projektfertigstellung Kaufangebote unterbreitet werden.

Ein wichtiger Faktor ist ja sicherlich ein starker lokaler Projektentwickler und Partner. Wie ist die Situation in San Carlos und wer ist dort ihr Partner?
Ja, ohne einen gut vernetzten und starken lokalen Partner geht nichts. Der lokale Projektentwickler auf der Insel Negros ist Bronzeoak Philippines, den wir schon seit 2008 kennen und mit dem wir 2013 zusammen die Projektzweckgesellschaft San Carlos Solar Energy Inc. gründeten. Eigentümer von Bronzeoak ist die Zabaleta Familie, die über die maßgeblichen politischen Verbindungen auf lokaler und nationaler Ebene verfügt, und bereits seit Jahrzehnten stark in der Landwirtschaft und dem Infrastruktursektor tätig ist. Gemeinsam haben wir derzeit ein weiteres Biomasseprojekt, San Carlos BioPower, im Bau, das Ernteabfälle verwertet und so tausende von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft sichert. Weitere Biomasseprojekte und ein Windparkprojekt sind in Planung. Im PV Bereich bereiten wir derzeit den Bau von San Carlos Solar Energy III mit 18 Megawatt in La Carlota City und SaCaSol IV mit 22 Megawatt in Manapla vor.

Ist diese Zusammenarbeit in einem ganzen Bündel von Projekten entscheidend?
Ja, denn durch die Sicherung einer ganzen Projektpipeline lohnen sich auch unsere Anfangsinvestitionen. Für ein einzelnes Projekt sind die Markteintritts- und Finanzierungskosten oft zu hoch. Die Kraftwerke, die wir in San Carlos in Zusammenarbeit mit Bronzeoak Philippines realisierten und derzeit umsetzen, dienen auch als Blaupause für Folgeprojekte, die wir landesweit auf den Philippinen an verschiedenen anderen Standorten planen. Dadurch können wir unsere technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Prüfungskosten pro Projekt (Due Diligence) insgesamt stark senken. Diese betragen bei Infrastrukturprojekten oft bis zu 2 Millionen US-Dollar oder sogar darüber.

Wie entscheidend ist für ihre Investitionsentscheidung für ihre Solarprojekte auf San Carlos der Einspeisetarif der Philippinen, der allerdings derzeit auf 50 Megawatt gedeckelt ist?
Unsere Projekte müssen auch dann abgesichert sein, wenn es keinen FIT gibt oder der derzeitige 50 Megawatt Deckel für die Vergütung von Solarstrom überschritten ist. Die Nachfrage und das Preisniveau für Elektrizität sind so hoch, dass der Strom unserer Projekte auch ohne FIT über bilaterale Abnahmeverträge an Kommunen oder Sonderwirtschaftszonen (Economic Zones) verkauft werden könnte – zu Preisen, die sogar etwas über der derzeitigen FIT-Vergütung in Höhe von 9,68 Pesos/kWh (US-Dollar 0,23) liegen. Unsere Solarprojekte sind somit grundsätzlich auch ohne FIT-Vergütung wettbewerbsfähig. Doch der Vorteil der FIT-Vergütung ist eine standardisierte Abnahme mit einer 20-jährigen Laufzeit. Dafür nehmen wir in Kauf, eine etwas geringere Vergütung als über den freien Markt zu bekommen. Doch SaCaSol I mit 13 Megawatt, SaCaSol II mit 9 Megawatt und SaCaSol III mit 18 Megawatt gehen auf jeden Fall in die erste FIT Runde.

Sind die Energieknappheit und der wachsende Energiehunger ein wichtiger Grund, warum Sie sich so stark auf den Philippinen engagieren?
Ja, dies ist ein wesentlicher Punkt. Daneben gibt es in den Philippinen eine große Offenheit für die verstärkte Nutzung von Solarstrom und anderen erneuerbaren Energien. Gerade die Kombination von Biomasse und Photovoltaik ist auf einem Archipel wie den Philippinen besonders interessant, weil sie auch die Grundlastversorgung absichert. Die politische Situation ist bis auf die Region West-Mindanao überwiegend stabil, und der Erneuerbare-Energien-Markt ist noch jung und überschaubar, was uns als mittelständischem Unternehmen den Marktzugang erleichtert. Dazu kommt, dass unsere Finanzierungskosten auf den Philippinen im Vergleich zu großen Märkten wie den USA viel niedriger sind und wir mit Bronzeoak einen zuverlässigen und attraktiven lokalen Partner gefunden haben. Wir konzentrieren uns mit den Investments unseres ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund stark auf Asien, weil dort in vielen Ländern Energie Mangelware ist und sich hervorragende Chancen für erneuerbare Energien bieten. Neben den Philippinen sind wir derzeit vor allem in Kambodscha aktiv und prüfen intensiv zukünftige potentielle Märkte wie Indonesien, Sri Lanka, Vietnam und Indien.

Das Interview führte Hans-Christoph Neidlein.


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