PS unter PV

Kategorie: 09 / 2010, Märkte & Trends Ralph Diermann

Solare Carports: Sie bieten nicht nur Autos Schutz, sondern auch Solarmodulen Dachfläche. Mehrere Hersteller liefern mittlerweile Komplettsysteme für solare Pkw-Unterstände – an Eigenheimbesitzer genauso wie an Unternehmen, die ihre Mitarbeiter- oder Kundenparkplätze überdachen wollen.

Solarworld bewirbt seinen SunCarport als Zweitdach für Eigenheimbesitzer. Es sorgt für zusätzliche Einnahmen.
Foto: SolarWorld

Wer einen Photovoltaikunterstand aus Douglasienholz mag, sollte sich bei den Produkten des Brandenburger Carportwerks umschauen.
Foto: Brandenburger Carportwerk

Bei dem Carport von Schletter sind die Fertigfundamente gut zu erkennen.
Foto: Schletter

Wer sich an einem heißen Sommertag etwa aus Seligenstadt mit dem Auto auf den Weg ins nahe Offenbach macht, um dort beim lokalen Energieversorger EVO seine Gasrechnung zu monieren, der muss nicht in einem Glutofen heimwärts fahren – er kann seinen Wagen schattig unter einem riesigen Carportdach parken. Der Autounterstand ist mit 800 Quadratmetern Dünnschichtmodulen gedeckt, die zusammen eine Leistung von 83 Kilowatt erzielen. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie versiegelte Flächen sinnvoller genutzt werden können“, freut sich Michael Homann, Vorstandsvorsitzender von EVO.

So denken immer mehr Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Ein Edeka-Supermarkt in Unterfranken, der Eurospeedway Lausitz, eine Polizeidirektion in Berlin, ein Messeparkplatz in Passau: Überall im Lande wurden in letzter Zeit neue Carports mit Photovoltaikdach errichtet. Dabei haben die Betreiber nicht nur den Komfort für Kunden oder Mit arbeiter sowie die Stromerträge im Auge, sondern auch das ökologische Image, das ihnen die Solarmodule verleihen.

Auch private Hausbesitzer können mit Solarmodulen auf ihrem Autounterstand etwas für die Umwelt tun und dabei zudem noch verdienen – immerhin werden für den Carport-Strom die gleichen Vergütungssätze gezahlt wie für herkömmliche Aufdachanlagen. Ab dem 1. Oktober sind dies 33,03 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus Anlagen bis 30 Kilowatt. Mittlerweile bieten mehrere Hersteller fertige Solar-Carports, die sich meist ohne größeren Aufwand auf dem Grundstück installieren lassen.

Die Kosten dafür sind allerdings nur schwer pauschal zu beziffern. „Das hängt von vielen Bedingungen ab“, sagt Hans Urban, stellvertretender Geschäftsführer von Schletter. „Inwieweit ist der Parkplatz bereits erschlossen? Gibt es dort schon einen AC-Anschluss? Wie weit müssen die Kabel geführt werden? Dazu kommt der Modulpreis, der sinken wird – die Frage ist nur, wann das passiert.“ Wann sich ein solches Schutzdach über die Stromvergütung amortisiert hat, lässt sich also nur individuell für jeden Standort berechnen.

Der Systemanbieter MP-Tec aus Eberswalde hat eine Beispielrechnung für eines seiner Produkte vorgelegt: Danach betragen die Kosten für einen Carport mit drei Stellplätzen sowie einer 7,2-Kilowatt-Anlage mit polykristallinen Modulen von Sovello inklusive Wechselrichter, Kabel und Zubehör 26.750 Euro. Der Betreiber erzielt damit laut MP-Tec einen Jahresertrag von circa 6.480 Kilowattstunden. Geht die Anlage nach dem 1. Oktober ans Netz, erhält er für den Strom pro Jahr 2.140 Euro. Die Investition hat sich nach etwa 12,5 Jahren amortisiert. Nach 20 Jahren hat die Anlage ungefähr 42.800 Euro eingespielt – ein Gesamtgewinn von 16.000 Euro. Damit erzielt der Betreiber eine jährliche Rendite von etwas mehr als drei Prozent. Und bekommt zudem dazu quasi gratis einen Unterstand, in dem er eine kleine Autoflotte vor Wind und Wetter schützen kann.

Neues Geschäftsfeld

Meist sind es Hersteller von Montagesystemen für Freiflächen- oder Dachanlagen, die Solar-Carports als „Abfallprodukt“ ihrer Entwicklung in der Gestelltechnik auf den Markt bringen. MP-Tec zum Beispiel hat auf Basis seiner Quick-Line-Gestellserie einen Unterstand mit kristallinen oder Dünnschicht-modulen entwickelt. Dieses Baukastensystem aus Edelstahl oder Aluminium kann sowohl für einzelne Stellplätze als auch zur Überdachung großer Flächen verwendet werden. So hat das brandenburgische Unternehmen damit auf dem eigenen Firmengelände einen Carport mit Platz für 26 Autos errichtet, der jährlich 42.500 Kilowattstunden Strom erzeugt. Auch der Park@Sol-Unterstand von Schletter, der in Kooperation mit dem Projektentwickler Juwi vertrieben wird, basiert auf einem Freiland-Montagesystem. Dieser Carport ist ebenfalls nach dem Baukastenprinzip konzipiert – die Zahl der möglichen Stellplätze reicht „von eins bis unendlich“, so Urban. Schletter ist besonders stolz darauf, dass die Carportanlagen mit sehr schmalen, filigranen Beton-Fertigteilfundamenten auskommen, die nur wenig Platz erfordern. Die Fundamente werden mit kleinen Pfählen standsicher im Untergrund verankert. Auf das Carportgestell können alle gängigen Photovoltaikmodule, ob kristallin oder Dünnschicht, montiert werden. Pro Stellplatz finden kristalline Panels mit etwa zwei Kilowatt Leistung Platz, bei Dünnschichtmodulen ist die Leistung etwas geringer. Die Kosten für das Tragegestell – natürlich ohne Module, Kabel oder Wechselrichter – betragen bei größeren Installationen etwa 400 Euro pro Kilowatt inklusive Entwässerung. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Montage und das Fundament. Etwa 25 Unterstände hat Schletter bislang installiert, die meisten davon als Großanlagen. Dazu gehört auch die Anlage bei der EVO in Offenbach.

Gehrlicher Solar will seine Montagetechnik ebenfalls für Carports nutzen. Wahrscheinlich im vierten Quartal wird ein Unterstand für vier Autos auf den Markt kommen, der entweder mit kristallinen Modulen oder mit Cadmiumtellurid-Panels von First Solar ausgestattet werden kann. Daneben bieten auch einige Projektierer und Installationsbetriebe wie zum Beispiel Solar-Perfect aus Freiburg oder das Regensburger Unternehmen Enerix Lösungen für Photovoltaik-Parkplätze. Ebenso ist Solarworld dabei, mit einem eigenen Komplettsystem, dem SunCarport.

Wenn die Solar-Carports im Prinzip nur modifizierte Freiflächen-Montage systeme sind – warum kaufen sich die Betreiber von Solarparks dann nicht einfach ein paar Schrottautos, parken sie unter den Modulen, deklarieren ihre Anlage als Pkw-Unterstand und kassieren statt der reduzierten Vergütung für Freiflächen den vollen Satz für Aufdachanlagen? Diese, so heißt es im Paragraph 33 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, müssen „an oder auf Gebäuden angebracht sein“ – und Gebäude sind „selbständig benutzbare, überdeckte bauliche Anlagen, die von Menschen betreten werden können und vorrangig dazu bestimmt sind, dem Schutz von Menschen, Tieren oder Sachen zu dienen“. Carports schützen Pkw vor der Witterung, womit sie der Definition eines Gebäudes entsprechen. Das sieht auch das Bundesumweltministerium in seinem Kommentar zum Erneuerbare-Energien-Gesetz so: „Insbesondere auch sogenannte Carports oder Überdachungen von Tankstellen sind vom Gebäudebegriff erfasst.“ Ob Freiflächenanlagen allerdings vorrangig dazu bestimmt sind, Menschen, Tiere und Sachen zu schützen, wie es im Erneuerbare-Energien-Gesetz heißt, darf guten Gewissens bezweifelt werden.

Solare Tankstelle

Bei echten Carports, ob sie nun auf Firmenparkplätzen oder vor Einfamilienhäusern stehen, ist jedoch davon auszugehen, dass sie in erster Linie dazu da sind, Regen, Schnee und Sonne abzuwehren. Somit ist die Anforderung des EEG erfüllt. Dennoch empfiehlt Alexandra Walter, Marketing-Managerin bei MP-Tec: „Die Kunden sollten sich vorsichtshalber vorher an ihren lokalen Energieversorger wenden und ganz offen mit ihm über die Vergütung sprechen. Aber unserer Erfahrung nach gibt es bei den Carports keine Probleme.“ Dem Autounterstand mit Photovoltaikmodulen gehört die Zukunft, ist Hans Urban von Schletter überzeugt: „Wir sehen die Carports in Verbindung mit Elektromobilität. Denn diese hat ja nur dann Sinn, wenn wir den Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen.“

Die erhöhte Vergütung für den Eigenverbrauch mache es attraktiv, mit dem Strom aus den solaren Stellplätzen Elektroautos zu „betanken“. Schletter bietet dazu eigene Ladestationen, die sich mit den Carports koppeln lassen. „Wir sind in Kontakt mit vielen Kommunen aus der Region, und gerade dort ist das Interesse an diesem Thema sehr hoch“, sagt Urban. Alexandra Walter von MP-Tec dagegen hält den Ball hier lieber flach: „Wir haben das Thema ganz bewusst noch nicht ins Entwicklungsportfolio genommen. Ich gehe nicht davon aus, dass da vor 2020 ein Massenmarkt entsteht.“Bei dem Carport von Schletter sind die Fertigfundamente gut zu erkennen. Wann sich ein solarer Carport amortisiert, hängt vom Standort ab.

Anbieter

Produktname

für Privathaushalte

für Großparkplätze

Module

Gestellsystem

MP-Tec

Quick-Line Carport

ja

ja

kristallin (Sovello u.a.), Dünnschicht (Nexpower u.a.)

Stahl (für Großparkplätze) oder Aluminium (für Privathaushalte)

Solarworld

SunCarport

ja

nein

kristallin (Solarworld)

Stahl und Aluminium

Brandenburger Carportwerk

Solarcarport

ja

ja

kristallin (Sovello)

Douglasienholz

G-Tec

Voltaport

ja

ja

kristallin (Voltaport Sun)

Stahl

Gehrlicher

gehrtec PV-Carport (1)

ja (2)

ja

kristallin (Yingli, Sunowe, Sharp u.a.), Dünnschicht (First Solar)

Stahl und Aluminium

Schletter

Park@Sol

ja

ja

nach Kundenwunsch

Stahl und Aluminium

Solar-Perfect

Solar-Carport

ja

ja

nach Kundenwunsch

Stahl

Enerix

Solarplusport

ja (3)

ja (3)

nach Kundenwunsch

Fichtenholz, Stahl

(1)verfügbar ab dem 4. Quartal 2010(2)Mindestgröße vier Pkw(3)vor allem für landwirtschaftliche GroßfahrzeugeDer Markt für solare Carports ist gleichermaßen überschaubar wie heterogen. Neben den Herstellern von Montagesystemen Schletter, MP-Tec und Gehrlicher werben auch einige größere Installationsbetriebe mit eigenen Produkten um Kunden. Als einziger der führenden Modulhersteller ist Solarworld mit einem solaren Autounterstand auf dem Markt präsent. Mit dem Brandenburger Carportwerk hat zudem auch ein branchenfremdes Unternehmen ein Angebot im Portfolio. Die meisten Carports sind nach Belieben modular erweiterbar, so dass sie sowohl als Einzelunterstände wie auch für Großparkplätze geeignet sind.Quelle: Herstellerangaben, photovoltaik-Recherchen. Die Redaktion übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit und die Richtigkeit der Angaben.


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