Preise für kristalline Module aus Europa und China nähern sich an

Kategorie: Meinung Martin Schachinger, pvXchange GmbH


Grafik: pvXchange

Das laufende Anti-Dumping-Verfahren und die sich daraus ergebende Verknappung von chinesischer Ware auf dem europäischen Markt führen zu einer langsamen, aber kontinuierlichen Annäherung der Preise. Im Vergleich zum Vormonat, wo die Preisdifferenz zwischen Modulen aus deutscher Produktion – hier stellvertretend für ganz Europa – und chinesischen Erzeugnissen im Durchschnitt 44,4 Prozentpunkte betrug, liegt sie nur noch  bei etwa 37,5 Prozent. Demnach sind deutsche Module sind nur noch etwa ein Drittel teurer auf dem Spotmarkt als chinesische.

Die repräsentative Preiserhebung über verschiedenen Zelltypen hinweg wird allerdings zunehmend schwerer. Einerseits gibt es kaum noch unterschiedliche Technologien am Markt, andererseits tauchen im Spotmarkt häufig größere Restposten aus Insolvenzen oder Lagerräumungen auf, die zwar einen einzelnen Preispunkt setzen, aber das Gesamtbild stark verzerren können. Bei Cadmium-Tellurit-Modulen zum Beispiel gibt es nur noch den Hersteller First Solar als ernst zu nehmenden Anbieter, der seine Module jedoch weitestgehend in eigenen Projekten verbaut. Frei auf dem Markt sind vorwiegend Lagerreste ehemaliger Distributoren. Dazu kommt Insolvenzware gescheiterter First Solar-Konkurrenten, die bekanntlich aufgrund fehlender Garantien und Rückgabemöglichkeiten nur zu sehr niedrigen Preisen verkauft werden kann.

Ein weiteres Beispiel sind Module aus deutscher Produktion – welcher Modultyp von heute ist wohl morgen noch erhältlich? Außer Restposten und Insolvenzware ist momentan im freien Handel leider nicht viel zu bekommen. Immerhin kann sich der Käufer damit trösten, dass er für sein Geld in der Regel auch ein hochwertiges Produkt bekommt, bei dem ein Reklamationsfall (hoffentlich) nie eintreten wird.

Bei den immer noch hoch präsenten kristallinen Modulen aus China müsste man aktuell jeweils zwei sehr unterschiedliche Preise angeben – einen für verzollte Ware und einen für unverzollte. Da der Unterschied aber in der Regel gleichbleibend zwölf Prozent beträgt, wird im Preisindex nur EU-verzollte Ware bepreist. Ein Ende dieses „Dualen Systems“ mit all seinen Konsequenzen respektive eine Entwarnung kann noch nicht gegeben werden. China erhöht zwar den Druck durch Aufnehmen immer neuer Anti-Dumping-Untersuchungen, zum Beispiel gegen europäischen Wein, Stahl oder Chemikalien, die EU ist aber bisher nicht eingeknickt. Dementsprechend ist mit einem weiteren schleichenden Preisanstieg zu rechnen. Es ist auch nahezu unmöglich, einem Hersteller eine verbindliche Preisangabe für Lieferungen im September oder Oktober zu entlocken. Langfristig war gestern; Flexibilität und Entschlussfreudigkeit ist das Gebot der Stunde, um noch ein paar der wenigen preiswerten Module im Markt zu ergattern.


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