Photovoltaik-Heimspeicher: Es gibt mittlerweile ein Angebot für eine Nachfrage

Kategorie: Märkte und Trends, Politik und Gesellschaft, Topnews, Speicher und Netze

Interview: In den vergangenen Jahren haben immer mehr Photovoltaik-Anlagenbetreiber auch Batteriespeicher installiert. Hans Urban, langjähriger Prokurist und mittlerweile freier Berater der Schletter-Gruppe, führt das auch auf unseren Urinstinkt zurück – nach dem die Menschen Jäger und Sammler sind. Mit der Koppelung von Elektroautos lässt sich der Eigenverbrauch von Solarstrom noch weiter steigern, wie Urban an seinem eigenen Beispiel im pv magazine-Interview zeigt. Die Elektromobilität hat aus seiner Sicht das Potenzial, die Photovoltaik-Nachfrage in Deutschland wieder anzukurbeln.

Hans Urban


Foto: Schletter GmbH

pv magazine: Die Installation von Photovoltaik-Heimspeichern hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Hält dieser Trend auch 2016 an?
Hans Urban: Definitiv ja! Ich hatte in den letzten Tagen und Wochen ein paar sehr interessante Gespräche mit Installateuren. Es gibt immer noch einige Betriebe, die Photovoltaik nur ohne Speicher anbieten, aber die allermeisten haben inzwischen einen oder mehrere Speicheranbieter im Programm. Ich denke, dass inzwischen 50 bis 60 Prozent aller Kleinanlagen im Bereich bis 10 Kilowatt mit Speicher installiert werden. Bei Betrieben, die hier die Beratung noch weiter forcieren und spezielle Geschäftsmodelle anbieten, liegt der Prozentsatz sogar noch höher. Erst vor drei Wochen hatte ich ein sehr interessantes Gespräch: Der betreffende Installationsbetrieb hat nach der „Bereinigung“ der letzten Jahre inzwischen in seinem Gebiet einen Marktanteil von über 60 Prozent bei Photovoltaik-Anlagen und verkauft 95 Prozent seiner Anlagen mit Speicher. Das ist doch mal eine Quote!

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe, warum sich immer mehr Menschen für die Installation eines Batteriespeichers zu ihrer Photovoltaik-Anlage entscheiden?

Sehen wir es doch mal so: Es gibt inzwischen ein Angebot für eine Nachfrage, die immer schon da war! Seit sich Menschen mit Photovoltaik-Anlagen beschäftigen, wollen sie eigentlich am liebsten „ihren“ Solarstrom selbst verbrauchen. Zumindest wenn man das Kleinanlagensegment betrachtet. Sogar Menschen, die sich mit der Thematik noch überhaupt nicht beschäftigt haben, sagen meist: „Für mich wird das Ganze dann interessant, wenn ich meinen selbst erzeugten Strom auch selber verbrauchen kann“. Man könnte doch fast sagen das trifft den Urinstinkt des Menschen, für sich und seine Angehörigen gute Lebensumstände zu schaffen und zu erhalten. „Akkumulator“ - streng genommen nennt sich die Batterie im Keller ja so -, heißt auf Deutsch „Sammler“ – und was waren wir noch mal früher auch: Jäger und Sammler!

Gibt es noch andere Motivationen für die Installation von Photovoltaik-Speichern?

Das Argument war bei den Kleinanlagen ja noch nie wirklich, um Geld verdienen, sondern Geld sparen, Das eine ist Vorsorge leisten und – seien wir doch ehrlich, den Großkonzernen, wenn möglich, eins auszuwischen. Aber im Ernst: Speicher sind inzwischen technisch ausgereift, sie sind wirtschaftlich und jeder kann es sich leisten, eigenen Strom zu erzeugen und zu speichern. Und es gibt dem Eigenheimbesitzer dasselbe gute Gefühl, wie eigene Radieschen, eigener Salat - na und ganz Eingefleischte machen ja sogar ihren eigenen Wein. Wieviel einfacher ist es da, eigenen Strom zu speichern!

Wie wichtig schätzen sie die Notstromeigenschaften der Systeme ein? Die Diskussion darüber ist ja nach den Aufforderungen von Bundesinnenminister Thomas de Maziere zur Notfallvorsorge kürzlich richtig in Schwung gekommen.

Bisher werden Speicher meist ohne Notstromeigenschaften installiert. Das ist den Kunden vielleicht gar nicht immer bewusst. Schließlich gibt es ja auch in Deutschland im Schnitt maximal 15 Minuten Stromausfall im Jahr. Und es macht die Systeme in manchen Fällen noch recht aufwendig und teuer. Aber ich stelle mir das allergrößte denkbare Konjunkturproramm für Photovoltaik-Anlagen und Speicher vor – diese müssten dann allerdings Notstromeigenschaft haben: Samstagabend - ein Endspiel bei einer Fußball-WM oder EM – Deutschland im Finale – und dann Stromausfall in der zweiten Halbzeit! Alle Speicherhersteller könnten nach so einem Ereignis gleich noch eine Halle dazubauen!

Sie konnten in der Praxis auch schon einige Erfahrungen mit Eigenverbrauchsanlagen in Kombination mit Speichern und Elektrofahrzeuge sammeln. Welche Ergebnisse zeigen sich dabei?
Nun ja, ich habe inzwischen recht viel ausprobiert, meine Frau und meine Familie kann ein Lied davon singen. Seit 2000 die erste eigene PV-Anlage, damals mit acht Kilowatt schon fast eine Großanlage – Kaufpreis 85.000 Deutsche Mark. Aber so richtig interessant in der eigenen Anwendung wurde es dann mit einer Eigenverbrauchsanlage mit Energiemanagement. Spätestens dann wurde die Familie gebrieft, Strom tagsüber zu verbrauchen. Allerdings wurde auch schnell klar, dass man mit fünf oder auch zehn gesteuerten Funksteckdosen im Haushalt zwar recht interessante Erkenntnisse über Stromverbraucher und versteckte Stromfresser erhält, aber doch kaum steuernd eingreifen kann. Denn geföhnt wird, wenn man weg muss und die Tagesschau kommt um 20 Uhr. Aber mit dem Bewusstsein im Hinterkopf kann man schon sehr viel erreichen und einfach mal die Geschirrspülmaschine dann laufen lassen, wenn die Sonne scheint

Und dann kam das Elektroauto noch hinzu?
Wirklich interessant wurde es dann mit dem Einsatz von Elektrofahrzeugen. Ich nutzte etwa zwei Jahre lang einen Nissan von der Firma und habe inzwischen einen Renault ZOE privat im Einsatz. Wir haben eine große Familie und deshalb mehrere Autos, aber der ZOE ist am meisten im Einsatz. Seit mehreren Jahren mache ich auch Versuche mit gesteuerten Ladeverfahren und die Erkenntnis ist wie erwartet: Das E-Fahrzeug ist – natürlich neben einem Haushaltsspeicher - das beste Medium zur Eigenverbrauchserhöhung!

Was sind ihre konkreten Erfahrungen?
Meine konkrete Erfahrung, die ich auch gerne in Zahlen beim Speicherworkshop zeigen werde: Erstens, kann der Eigenverbrauchs-Prozentsatz auch schon ohne Speicher durch das E-Fahrzeug ganz wesentlich gesteigert werden. Zweitens: Optimal ist natürlich die Eigenverbrauchsanlage mit Speicher und E-Fahrzeug. Bei 10 Kilowatt PV-Leistung, 15 Kilowattstunden Speicher und E-Fahrzeug konnte ich bisher Jahres-Autarkieraten bis 80 Prozent und dabei immer noch 60 Prozent Eigenverbrauch erreichen!

Hat die Elektromobilität in Deutschland damit Potenzial, um die Photovoltaik-Nachfrage wieder anzukurbeln?
Ja, das denke ich in jedem Falle. Die Frage ist nur, wann. Bisher blieben die Zahlen leider immer (noch) hinter den Erwartungen zurück. Der oft vorhergesagte „Tipping-Point“ lässt noch auf sich warten und das Popcorn dümpelt immer noch in der Pfanne dahin, um den oft gebrauchten Vergleich von Lars Thomsen zu bemühen. Aber das wird kommen – so sicher wie das berühmte Amen in der Kirche!

Wie schätzen sie die Entwicklung des Großspeichermarktes in Deutschland ein?
Vergleichen wir doch mit der Entwicklung von PV-Eigenverbrauchsanlagen: Erst kamen Anlagen auf Einfamilienhäusern, dann kamen kleinere Handwerks- und Gewebebetriebe dazu, dann größere. Die Großspeicher werden also ebenfalls mit einer gewissen Verzögerung, ich schätze so an die zwei bis drei Jahre, auf die Kleinspeicher folgen. Allerdings gibt es hier noch das Segment der netzdienlichen Speicher und der Regelreserven, das ist eigentlich ein ganz anderes Segment, zumindest wenn man die Zusammensetzung der betriebswirtschaftlichen Erlöse betrachtet. Dieses Segment wird sehr von den gesetzlichen Regularien abhängig sein.

Was erwarten sie vom Gesetzgeber?
Da könnte man lange drüber reden! Es wäre wichtig, die Hindernisse für Photovoltaik-Eigenverbrauch zu beseitigen, ich nenne nur die Eigensverbrauchsumlage auf Solarstrom. Sie muss weg. Stattdessen stellen sich Politiker lieber vor laufende Kameras und weihen mit Steuermitteln geförderte Speicherprojekte ein, die der Markt schon für die Hälfte des Preises liefern würde, wenn man ihn nur gewähren ließe!

Lassen sich diese kurzfristig beseitigen?
Kurzfristig ist in jedem Falle die doppelte Belastung des Speicherstromes mit EEG-Umlage beim Einspeichern und bei Ausspeichern zu beseitigen. Was gibt es über solche Unsinnigkeiten eigentlich mehr als 10 Minuten zu beraten?

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Sie haben Schletter nach mehr als 15 Jahren verlassen, bleiben dem Unternehmen aber als Berater verbunden. Wie sehen Ihre neuen Aufgaben und Ziele aus?
Nun ja, ich bin jetzt seit fast 30 Jahren persönlich immer mit „Vollgas“ unterwegs. Nach dem Studium zuerst zwölf Jahre im Bahnbereich und jetzt seit mehr als 16 Jahren in der Branche der Erneuerbaren. Nebenbei engagiere ich mich in vielen Bereichen, sei es in der Pfarrgemeinde, im Gemeinderat und bei so machen Projekten bis hin zum eigenen Anwesen mit Wald und vieles mehr. Es ist also in den letzten Jahren sicher einiges zu kurz gekommen. Die aktuellen Entwicklungen bei Schletter haben nun zu dieser Trennung geführt, wobei ich ja thematisch noch begleitend aktiv bin. Aber ich werde diese Zeit jetzt nutzen, einiges aufzuarbeiten, wenn möglich die Netzwerke erstmal ein wenig weiterzupflegen und mir auch ein paar Angebote, die ich in der Zwischenzeit bekommen habe, anzusehen. Aber mehr dazu gerne im persönlichen Gespräch – und darum freue ich mich sehr auf bekannte und auch neue Gesichter beim Speicherworkshop!

Die Fragen stellte Sandra Enkhardt.

Am 21. September gibt es unter dem Motto „Intelligent vernetzen, speichern und verbrauchen – SmartHome, Energiespeicher, Elektromobilität“ den 10. Storage Day. Gesamtkonzepte zur Vernetzung aller Energieverbraucher eines Haushalts, inklusive Elektrofahrzeugen ausführlich vorgestellt. Veranstalter ist die Berliner Solar Allianz Network SAN GmbH, Gastgeber die Schletter-Gruppe aus Kirchdorf in Oberbayern.


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