Modulpreise im Sinkflug

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

Während der EU PVSEC, die letzte Woche in Hamburg zu Ende ging, und in den Wochen davor sind die Modulpreise um 20 Prozent gefallen. Dirk Morbitzer, Senior Analyst bei Renewable Analytics im Gespräch über die Entwicklung und was sie für Installateure und Investoren bedeutet.

45 Megawatt Solarkraftwerk der Deutschen Eco, der Anfang September ans Netz ging. Seitdem sind die Modulpreise schon wieder stark gesunken. Foto: Deutsche Eco
Deutsche Eco

Module für 68 Cent pro Watt - das hat ein chinesischer Anbieter auf der EU PVSEC plakatiert. Ist das realistisch?
Die Preise sind in den letzten Wochen stark gefallen und 68 Cent ist bei weitem nicht das niedrigste Angebot, das ich für kristalline Module gesehen habe.

Sie sind aber auch noch während der Messe stark gefallen.
Das sind sie auch, aber sie sind auch in verschiedenen e-mail Newslettern und im Internet gefallen.

Wie haben sie sich entwickelt?
Das aktuell niedrigste Angebot, das mich per E-Mail erreicht hat, sind 58 Euro-Cent, also 82 Dollar-Cent. Auf der Messe war die Entwicklung mehrdimensional. Es gibt Hersteller, die dort mitbekommen haben, dass sie mit ihren Preisen unbedingt kurzfristig reagieren müssen. Es gibt aber auch andere Hersteller, deren Auftragslage so ist, dass sie zwar im Zugzwang sind, aber nicht sofort reagieren müssen. Je bekannter eine Marke ist, desto weniger kurzfristiger Handlungsbedarf besteht. Je unbekannter eine Marke ist oder je schwächer die Marke positioniert ist, desto mehr Handlungsbedarf besteht.

Haben Sie mitbekommen, wie dort gezockt wurde?
Ja. Das ist eine reine Auktionierungsrunde gewesen. Hat der Einkäufer bei dem einen Hersteller einen niedrigeren Preis bekommen, ist er mit diesem zum anderen gegangen und hat gesagt: Diesen Preis müsst ihr unterbieten, damit ihr verkaufen könnt.

Das hat funktioniert?
Das funktioniert eigentlich immer, zumindest in Zeiten der Überversorgung.

Die 58 oder 68 Cent pro Watt-Module markieren das untere Ende. In welchem Preisbereich liegen denn die Module, die man guten Gewissens kaufen kann?
Module, die man guten Gewissens kaufen kann, lagen am Anfang der Messe bei 80 bis 85 Euro-Cent und liegen am Ende der Messe bei 75 bis 80 Euro-Cent.

Sind das vor allem Module von den großen chinesischen Herstellern?
Ja, natürlich.

Sind auch die deutschen Modulhersteller mit ihren Preisen nach unten gegangen?
Ich glaube, nicht auf der Veranstaltung selber. Aber sie werden auch noch runtergehen müssen, wenn sie ihren bestehenden Lagerbestand abbauen wollen.

Das müsste ja eigentlich zu guter Stimmung bei Projektierern und Investoren führen. Tut es das?
Es ist zu früh, um das wirklich einschätzen zu können. Die Projektierer haben zu wenige fertige Projekte, die sofort umgesetzt werden können. Der Preissturz führt zu höheren Margen für bereits durchprojektierte Projekte. Es gibt aber zu wenige Projekte in den Schubladen, die sich erst bei diesen niedrigeren Modulpreisen rechnen.

Deshalb führt dieser Preissturz jetzt auch nicht direkt dazu, dass der Markt endlich wieder richtig anspringt?
Ich befürchte sogar eher, dass er das Anspringen des Marktes noch etwas verhindert. Ich vermute, dass sich diese Preisentwicklung noch mindestens zwei Wochen fortsetzen wird. Wenn das stimmt, besteht wenig Grund für den Endkunden, am zehnten September und nicht erst am 20. oder am 30. September zu kaufen.

Warum soll der Tiefpunkt gerade in zwei Wochen erreicht sein?
Ob das jetzt zwei, drei oder vier Wochen sind, kann ich nicht voraussehen. Ich glaube aber, dass es mindestens noch zwei Wochen mit Preissenkungen weitergeht. Jetzt kommen erst die Hersteller, die den größten Druck haben, insbesondere aus China. Spätestens in zehn Tagen werden dann auch die europäischen Hersteller nachziehen müssen.

Was begrenzt denn die Rutschpartie nach unten?
Das Rutschen des Preises ist dadurch begrenzt, dass die Hersteller nicht mehr können. Es hört auf, wenn die Lagerware abverkauft ist und die einzelnen Hersteller entscheiden, zu den Preisen nicht mehr zu produzieren.

Diese Niedrigpreise, über die wir reden, gelten zunächst nur für diejenigen, die große Anlagen bauen und eine starke Verhandlungsposition haben. Werden auch Installateure und Eigenheimbesitzer in Deutschland von den sinkenden Preisen profitieren?
Ja, klar. Es wird wie immer einige Zeit dauern, bis die Preise beim Endkunden für kleinere Anlagen angekommen sind, aber es wird geschehen.

Wie sind die Preise momentan für Installateure, die Module für eine Anlage unter zehn Kilowatt Leistung kaufen?
Ich habe von einem deutschen Großhändler schon vor der Messe ein Angebot gesehen für einen Paketpreis von 1,25 Euro pro Watt. Der bietet dafür ein Paket Trina-Module, Solutronic Wechselrichter, Gestell und Kabel an.

Das heißt, die Module müssen auch schon deutlich unter einem Euro liegen.
Sehr deutlich unter einem Euro. Das kann man für den Endkunden für 1,60 Euro installieren.

Ist das eine Ausnahme?
Das würde ich für den Moment noch als Ausnahme sehen, aber das ist die Richtung, in die die Preise gehen.

Geben denn die Installateure die gefallenen Preise an die Endkunden weiter?
Ja, das tun Sie. Allerdings gibt es eine zeitliche Verzögerung. Der Großhandel muss erst die bestehende höherpreisige Lagerware verkaufen bevor die niedrigeren Einkaufspreise weiter gegeben werden können.

Das Gespräch führte Michael Fuhs

Das vollständige Interview über die Frage, was der Preissturz für die Hersteller, die Modulqualität und den Ausblick auf das nächste Jahr bedeutet, finden Sie in der nächsten Ausgabe der photovoltaik. Sie erscheint am sechsten Oktober.


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