Maschinenbauer und Photovoltaik-Hersteller müssen kooperieren

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Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen müssten enger mit Maschinen- und Anlagenbauern kooperieren. Dies war eine der zentralen Forderungen auf einer Veranstaltung von Solarinput in Erfurt, die alle Beteilgten zusammenbrachte.

Veranstaltung "Photovoltaik trifft Maschinen- und Anlagenbau"

Zell- und Modulhersteller haben sich am Mittwoch mit Maschinen- und Anlagenbauern in Erfurt getroffen
Foto: SolarInput e.V.

Auf der diesjährigen Veranstaltung „PV trifft Maschinen- und Anlagenbau“ haben Branchenvertreter gefordert, dass sich Maschinenbauer und Zell- und Modulhersteller besser vernetzen sollen. Die bisherigen Erfolge beruhen auf dem Zusammenspiel der beiden Branchen und der Forschungsinstitute in der Region.

Die Exportquote des deutschen Maschinenbaus für Photovoltaik-Produktionsmittel, der rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, lag 2010 bei 84 Prozent. Das ist enorm – doch kein Grund, sich bequem zurückzulehnen. Das war die Essenz der Veranstaltung „Photovoltaik trifft Maschinen- und Anlagenbau“, zu dem am Mittwoch 160 Experten in Erfurt zusammenkamen. Für Deutschland hat der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) bereits festgestellt, dass die Zahl der Aufträge zurückgeht. Ein Vergleich  mit Zahlen des internationalen Halbleiterverbands Semi legt den Schluss nahe, dass das nicht nur einem allgemeinen Auftragseingang geschuldet ist, sondern dass die deutschen Maschinenbauer eventuell Marktanteile verlieren.

Das ist nicht ganz verwunderlich. So legte Silvia Roth, Vizepräsidentin für Marketing des Photovoltaik-Anlagenbauers Roth & Rau dar, dass Maschinenbauer aus Asien bereits Geräte  für sieben der zehn Prozessschritte anbieten. „Wir können nur versuchen, neue Technologien anzubieten und den berühmten einen Schritt voraus zu sein“, sagte sie. Potenzial für Verbesserungen gebe es viel. Der Ertrag der Photovoltaik-Produktionsanlagen liege noch weit unter dem, was für Halbleiterindustrie üblich sei. Beispielsweise  sei es sinnvoll, die Produktionsanlagen so zu konzipieren, dass die Wafer weniger oft von einem Carrier auf einen anderen umgeladen werden müssen.

Enormer Wettbewerbsdruck

Nicht nur die Zell- und Modulhersteller, sondern auch Maschinen- und Anlagenbauer sind einem enormen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Mit den Maschinen müsse bei Zellen und Modulen eine „Preisreduktion von 18 bis 20 Prozent pro Jahr“ möglich sein, sagt Peter Fath, CTO des Anlagenbauers Centrotherm und Vorstand der VDMA „Verbandsplattform PV Produktionstechnik“. Um erfolgreich zu sein, habe er bei Centrotherm gegen viel Widerstand das so genannte „Design to Cost“-Verfahren eingeführt. Bereits bei der Planung neuer Maschinen werde neben den technischen Spezifikationen die Anforderung an die Kosten definiert und in einem strukturierten Vorgehen gleichzeitig umgesetzt. Eine Maschine würde nur dann wirklich entwickelt, wenn man damit mindestens 30 Prozent billiger produzieren könne. Es sei für deutsche Maschinenbauer allerdings ein hoffnungsloses Unterfangen, nur billigere Geräte zu entwickeln. Sie müssten auch besser sein und zum Beispiel schneller produzieren.

Bei der Entwicklung sind den Maschinenbauern allerdings die Zellhersteller abhanden gekommen. Die ersten Anlagen haben sie noch zusammen mit den Zellherstellern entwickelt. Nachdem das Know-how mit den Maschinen abgewandert ist, haben sich die Hersteller hierzulande abgeschottet. Jetzt haben Maschinenbauer und Anlagenbauer wie Centrotherm eigene Entwicklungsabteilungen. Trotzdem hat sich auch Peter Fath dazu bekannt, dass Photovoltaik-Produktion in Deutschland wünschenswert wäre – und nicht unmöglich ist. Er ist der Auffassung, dass sie mit guter Planung durchaus konkurrenzfähig wäre.

Eric Maiser, Geschäftsführer des VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel, rät deshalb zu mehr vorwettbewerblicher Zusammenarbeit zwischen Maschinenbauern und Photovoltaik-Herstellern. „Sie ist wichtig, um die Photovoltaik-Industrie in Europa zu unterstützen“, sagt er. Wie sich das erreichen lässt, ist aber noch nicht klar, da auch das Kartellrecht mit in diese Problematik hineinspielt. Silvia Roth stellte klar, dass Roth & Rau gerne mit europäischen Herstellern kooperiere. Zum Beispiel bei der sogenannten HIT-Technologie, für die das Unternehmen eine Pilotlinie entwickelt hat. Das ist die gleiche Zelltechnologie, mit der Sanyo Hocheffizienzzellen herstellt. In Deutschland sei drei Jahre lang kein Unternehmen dazu bereit gewesen, in die Technologie zu investieren. Asiatische Hersteller würden Roth & Rau hingegen die Türen einrennen und irgendwann wolle man dann auch mal verkaufen. Allerdings ist auch für sie klar, dass der größte Erfolgsfaktor der hiesigen Maschinen- und Anlagenbauer das „Dreigestirn“ aus eben diesen Unternehmen, den Zell- und Modulherstellern sowie den Forschungseinrichtungen  in der Region sei.

Die Veranstalter Solarinput und VDMA Ost wollten mit dem Treffen genau diese Kooperation fördern. Bei einem Thema schien dies gelungen. Das Berliner Photovoltaik-Unternehmen ib vogt optimiert Logistik sowie Ver- und Entsorgung von Produktionsstätten. Bei den Fabriken, die sie bisher unter die Lupe genommen haben, seien durchschnittlich die Kosten für Strom- und Kühlung um 33 Prozent, für Abwasser um 50 Prozent und für Abluft um 70 Prozent gesenkt worden. Geschäftsführerin Dagmar Vogt sieht daher grundsätzlich große Einsparpotenziale , und zwar auch in Deutschland. Die Fabriken hierzulande seien in der Boomphase unter der Maßgabe errichtet worden, schnell hohe Produktionszahlen zu erreichen, nicht möglichst sparsam mit Ressourcen umzugehen. Das hat die anwesenden Photovoltaik-Hersteller sichtlich interessiert. (Michael Fuhs)


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