Lichtblick will mit Teslas neuen Speichern seine Schwarmbatterie erweitern

Kategorie: Speicher und Netze, Topnews

Der Hamburger Ökostrom-Anbieter stellte bereits im Juni 2014 sein neues Schwarmstrom-Konzept vor. Zunächst arbeitete Lichtblick dafür mit Sonnenbatterie und Varta zusammen. Nun soll auch Tesla als Partner für die Schwarmbatterie hinzukommen. Mit weiteren Herstellern sei man im Gespräch, wie Ralph Kampwirth im pv magazine-Interview sagt.

Lichtblicks Stromversorgung der Zukunft.

Mit dem Schwarmdirigenten können Erneuerbare Regelenergie liefern und zur Netzstabilisierung beitragen.
Grafik: LichtBlick SE

pv magazine: Wie viele Schwarmbatterie-Kunden haben Sie bereits mit wie viel Anschlussleistung und Batteriekapazität?
Ralph Kampwirth (Foto): Wir sind derzeit noch in der Entwicklungsphase und starten den aktiven Vertrieb erst, wenn alle technischen Voraussetzungen geschaffen sind. Derzeit ist das Angebot zudem noch auf wenige Batteriesysteme unserer Partner Varta Storage und Sonnenbatterie beschränkt. Nächstes Jahr kommt dann Tesla hinzu. Auch mit weiteren Anbietern sind wir bereits im Gespräch. Kunden, die schon einen Schwarmbatterie-Vertrag abgeschlossen haben, erlauben uns zunächst, ihre Batterie anzusteuern, um die Einbindung in die Energiemärkte weiter zu optimieren.

Funktioniert das wirklich mit allen Batteriespeichern, die nach Vorgaben der KfW-Förderung die entsprechende Schnittstelle haben, problemlos?
Wichtig ist, dass das Batteriesystem eine Steuerung und Zustandsüberwachung über eine digitale Schnittstelle zulässt. Das ist bei unseren Partnern der Fall. Bisher sind das proprietäre Schnittstellenprotokolle. Lichtblick strebt an, zukünftig Batteriesysteme über ein standardisiertes Schnittstellenprotokoll gemäß den VHP-Ready-Definitionen zu etablieren.

Haben Sie wie einige andere das Konzept, dass sie die Schwarmbatterien zur Aufnahme von negativer sekundärer Regelenergie nutzen und diese vermarkten? Oder auch primäre Regelenergie? Oder, was Sie als Stromversorger könnten, auch zum Ausgleichen von Prognoseschwankungen beziehungsweise Vermarktung auf dem Intraday-Markt?
Der Schwerpunkt unserer Entwicklung liegt zunächst auf dem Markt für sekundäre Regelenergieleistung (SRL). Aber natürlich wollen wir alle Optionen ausschöpfen. Im Grunde entscheidet aber allein die Wirtschaftlichkeit über die Auswahl der Märkte. Wir haben ja gerade gemeinsam mit den Übertragungsnetzbetreibern ein neues Präqualifikations-Verfahren entwickelt, das kleinen dezentralen Anlagen überhaupt erst eine Teilnahme am SRL-Markt ermöglicht: Das klingt zunächst wie ein technisches Detail, ist aber ein entscheidender Meilenstein für die dezentrale Energiewende, weil wir erstmals Kleinstanlagen den Zugang zu diesem wichtigen Markt ermöglichen.

Speist bei Ihnen die Schwarmbatterie auch ins Netz ein? Wenn ja, wie trennen Sie bilanziell den Solarstrom in der Batterie vom Netzstrom und geht das regulatorisch?

Nein, die Schwarmbatterien dürfen aktuell gemäß EEG-Vorschriften – nach dem „Ausschließlichkeitsprinzip“ - noch nicht ins Netz einspeisen. Auf Dauer muss der regulatorische Rahmen hier aber angepasst werden.

Dürfen Sie den Strom, den Sie dem Kunden in die Batterie laden, verschenken oder müssen Sie den abrechnen?
Die aus dem Netz in die Batterie geladene Energie wird dem Kunden zu den Konditionen des Standard-Lichtblick-Stromliefervertrages in Rechnung gestellt.

Die Kunden geben das Energiemanagement an Sie ab. Das heißt, Sie sind dann verantwortlich für die 60-Prozent-Abregelung?
Der Schwarmdirigent erfasst alle notwendigen Daten (Erzeugungs- und Verbrauchsprognose sowie SOC-Verlauf), um auch eine 60-Prozent-Abregelung vornehmen zu können. Bisher werden diese Aufgaben jedoch noch vom dezentralen Energiemanagementsystem übernommen. Mittelfristiges Ziel ist jedoch eine einheitliche und vollumfängliche Steuerung durch den Schwarmdirigenten.

Können Sie abschätzen, wie viel Energie in einem Jahr von Ihnen in so eine Schwarmbatterie eingespeichert wird? Und wie viel Solarstrom kann man weniger speichern, weil sie Platz lassen müssen in der Batterie?
Die Einspeicherung von Netzstrom in die Batterie lässt sich schwer abschätzen. Grundsätzlich gilt jedoch: Eigenverbrauch vor Netzoptimierung! Die Eigenbedarfsnutzung der Batterie hat allerhöchste Priorität. Lichtblick wird die energiewirtschaftliche Optimierung der Batterie nur zu Zeiten zu betreiben, an denen unsere Kunden die Batterie nicht benötigen, also etwa an sonnenarmen Tagen oder nachts.

Wenn ein Speicherhersteller oder jemand anderes Ihre Schwarmdirigent-Plattform nutzt, wird es doch vermutlich komplizierter, weil Sie die Stromlieferung zum Verbraucher von der Stromlieferung für den Speicher für die Abrechnung trennen müssen. Wie geht das? Geht das eigentlich auch, wenn der Stromverbraucher nicht gleichzeitig Lichtblick-Kunde ist?

Der Stromverbraucher muss in unserem Schwarmbatterie-Konzept immer auch Lichtblick-Kunde sein. Die Bilanzierung und der Handel von Strom an der Börse, den unsere Kunden verbrauchen oder den wir in unseren eigenen Kraftwerken erzeugen, geschehen als Summenwert. Es wird also nicht jeder Kunde und jede Batterie einzeln gehandelt. Die Netzbeladung der Batterie optimiert daher immer den Beschaffungspreis des gesamten aktiven Kundenpools.

Wie viele Speicherhersteller nutzen schon die Schwarmdirigent-Lösung?
Sonnenbatterie, Varta, bald auch Tesla - und wir sind mit weiteren Anbietern im Gespräch.

Das Interview führte Michael Fuhs.


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