IW Köln: Energiewende kostet 28 Milliarden Euro in diesem Jahr

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Das Kölner Institut hat berechnet, welche Kosten für Stromverbraucher anfallen. Neben den Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien flossen dabei auch solche für den Ausbau der Netze, die zusätzliche Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und die geplante Braunkohlereserve ein. Die Wissenschaftler weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei nicht um einen systemischen Vergleich konventioneller und erneuerbarer Stromerzeugung handelt. In der öffentlichen Wahrnehmung geht dies aber leider eher unter.

Solarpark vor einem Kohlekraftwerk

Sind 28 Milliarden Euro viel oder wenig für die Energiewende in Deutschland?
Foto: Eifeler Presse Agentur

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat Zahlen vorgelegt, was ein veränderter Strommix den Stromverbraucher aktuell kostet. Die Wissenschaftler kommen dabei auf 28,2 Milliarden Euro. Es geht dabei nur um eine Aussage für das Jahr 2015, wie Thilo Schaefer vom IW Köln auf Anfrage von pv magazine bestätigt. Dennoch haben die Wissenschaftler damit ein neues Preisschild an die Energiewende gehängt, das nun medial unter dem Motto verbreitet wird, die Energiewende wird für die Verbraucher noch teurer als ohnehin schon.

Dabei erklärten die Wissenschaftler des IW Köln bereits im Vorfeld der ersten Veröffentlichung ihrer Berechnungen: „Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen systemischen Vergleich konventioneller und erneuerbarer Stromerzeugung handelt. Insbesondere die EEG-Umlage kann nur eingeschränkt als Kostenindikator gewertet werden, da sie stark vom allgemeinen Niveau des Strompreises abhängt, der wiederum von erneuerbaren Energien beeinflusst wird. Relevant für einen systemischen Vergleich wären die reinen Erzeugungskosten eines regenerativ versus eines konventionellen Mixes.“

In den 28,2 Milliarden Euro sind zudem verschiedene Posten enthalten. Zum einen natürlich die EEG-Umlage, die mit etwas mehr als 21 Milliarden Euro für dieses Jahr den größten Block darstellt. Eine Verrechnung mit dem Vorjahreskonto haben die Wissenschaftler dabei nicht vorgenommen. Die EEG-Differenzkosten ergeben sich daher aus den Auszahlungen an die EEG-Anlagenbetreiber und dem für den Strom erzielten Marktpreis. Die Kernumlage liege dabei bei 5,957 Cent je Kilowattstunde. Analog dazu sei das IW-Köln auch bei der KWK- und der Offshore-Haftungsumlage vorgegangen. Insgesamt mache dieser Kostenblock in diesem Jahr 22,05 Milliarden Euro aus. Anteilig flossen in die Berechnungen des IW Köln auch die Netzausbaukosten ein, die insgesamt auf gut vier Milliarden Euro in diesem Jahr geschätzt werden. „Hinzu kommen die erwarteten Kosten bei Umsetzung der jüngst verabschiedeten Eckpunkte der Energiewende, die sich aus den Entschädigungszahlungen der Kraftwerksbetreiber, des erwarteten Strompreiseffektes (unter Berücksichtigung des Merit-Order-Effektes) und der Erhöhung der Förderzusagen für die KWK ergeben“, erläutern die Wissenschaftler weiter. Dies sind dann insgesamt weitere zwei Milliarden Euro, die nun auf das Konto der Energiewende geschlagen werden.

Im Artikel des „Handelsblatts“, das zuerst über die Berechnungen des IW Köln berichtete und auch die Erläuterungen der Wissenschaftler vorliegen hatte, kommen im Zuge der Veröffentlichung nun die altbekannten Verbände zu Wort. So dürfen Verteter von BDI, BDEW oder des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) „Alarm schlagen“ wegen der hohen Kosten der Energiewende. Natürlich gibt es auch Warnungen, dass der Industriestandort Deutschland nun wieder in allerhöchster Gefahr ist.

Es sei in diesem Sinne nochmal an die Aussage der Wissenschaftler des IW Köln erinnert: „Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen systemischen Vergleich konventioneller und erneuerbarer Stromerzeugung handelt.“ Interessant wäre sicher, genau diesen Vergleich zu haben, um eine Aussage zu treffen, ob die Energiewende wirklich teuer für die Stromverbraucher ist und vor allem ob die Energiewende wirklich teurer ist als ein Festhalten an konventionellen Kraftwerken. (Sandra Enkhardt)


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