Importzölle: Weiter Bewegung in den Verhandlungen der EU mit China

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Die Europäische Union und China verhandeln weiterhin intensiv über eine mögliche Beilegung des Handelsstreits wegen des Imports kristalliner PV-Produkte. Ende dieser Woche sollen Gespräche von EU-Handelskommissar de Gucht und dem chinesischen Handelsminister Gao Hucheng stattfinden. Zudem hat die EU China anscheinend ein Kompromissangebot vorlegt.

Die Europäische Union und China verhandeln weiter über eine Kompromisslösung im Handelsstreit.
Foto: Flickr/antwerpenR

„Es wird weiterhin intensiv verhandelt“, sagte ein Sprecher des Brüsseler Büros von AFASE (Alliance for Affordable Solar Energy), zu pv magazine. Für Ende dieser Woche sei ein längeres Telefonat von EU-Handelskommissar Karel de Gucht mit dem chinesischen Handelsminister angekündigt. Zudem sei geplant, dass die EU-Mitgliedsstaaten bis Ende dieser Woche von der Kommission über den Stand der Verhandlungen informiert werden. Denn anscheinend habe die EU Kommission China einen Kompromissvorschlag für eine mögliche Beilegung des Handelsstreits vorgelegt und warte nun auf eine Reaktion.

Bereits Anfang der Woche hatte die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf ein vertrauliches EU-Papier gemeldet, dass die EU-Kommission China Zugeständnisse gemacht habe. Die EU habe angeboten,  Mindestimportpreise für kristalline Wafer, Zellen und Module nochmals um 15 Prozent zu senken. Allerdings wurde aus der Agenturmeldung nicht klar, worauf sich dies bezieht. Vorletzte Woche hatte pv magazine von Industrieinsidern erfahren, dass die EU einen Mindestimportpreis für chinesische Module in Höhe von 65 Eurocent pro Watt vorgelegt habe. Laut gut informierten Kreisen schlugen die Chinesen einen Mindestpreis für importierte Module in Höhe von 50 Eurocents pro Watt vor. Es wird spannend sein, ob bis Ende dieser Woche konkrete Zahlen auf den Tisch kommen und ein Kompromiss erzielt werden kann. Kommt es zu keiner Einigung bis zum 5. August, werden die derzeit vorläufig geltenden Importzölle für kristalline chinesische Wafer, Zellen und Module in Höhe von 11,8 Prozent auf durchschnittlich 47,6 Prozent erhöht.

Hanwha Q-Cells stellte mittlerweile klar, dass das Unternehmen in seinem Werk in Thalheim (Deutschland) weiterhin Module und Zellen fertige. Der CEO der Freiburger Solar-Fabrik Günter Weinberger hatte in einem Brief an EU-Kommissar Karel de Gucht darauf hingewiesen, dass außer Solarworld ab Januar 2014 kein maßgeblicher Zellhersteller mehr in Europa produziere und die verbliebenen europäischen Modulhersteller deshalb auf zollfreie Importe dringend angewiesen seien. Laut Jochen Endle, Sprecher von Hanwha Q-Cells Deutschland, werden in Thalheim derzeit jährlich 200 Megawatt Hocheffizienzzellen und 120 Megawatt Hocheffizienzmodule gefertigt. Die Zellen würden zum „überwiegenden Teil“ für eigene Module verwendet. In Malaysia fertige das Unternehmen mit einer Kapazität von 900 Megawatt Standardzellen, die zum Teil auch nach Europa exportiert würden.

Noch keine Ergebnisse wurden von der heute laufenden Anhörung von 30 Mitgliedsunternehmen von AFASE vor der EU-Kommission in Brüssel bekannt. pv magazine wird zeitnah darüber berichten. (Hans-Christoph Neidlein)


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