IHS: Weltweite Photovoltaik-Nachfrage rückläufig

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

Im zweiten Halbjahr wird der globale Photovoltaik-Zubau einknicken, was zu weiter fallenden Modulpreisen führen wird. Grund ist vor allem die nachlassende Nachfrage in China. Das prophezeien die Analysten von IHS.

Yingli-Solarpark in China

Die Photovoltaik-Nachfrage in China wird IHS zufolge im zweiten Halbjahr einbrechen.
Foto: Wikimedia/Immanuel Giel

Das Szenario der IHS-Analysten ist drastisch: Der Photovoltaik-Zubau in China wird im dritten Quartal 2016 um 80 Prozent sinken, was zu einem deutlichen Rückgang der globalen Nachfrage nach Photovoltaik-Modulen und damit zu einem Überangebot führt. Den IHS-Analysen zufolge wurden im ersten Halbjahr 2016 in China 13 Gigawatt Photovoltaik installiert, getrieben vor allem von der Kürzung der Einspeisetarife zum 30. Juni. Nach diesem Stichtag sei daher mit einem Nachfrageeinbruch zu rechnen. Die Analysten erwarten zwar, dass sich die Zahlen im vierten Quartal wieder ein wenig erholen. Bremsend wirke sich jedoch die Absicht der chinesischen Regierung aus, den Photovoltaik-Zubau im gesamten Jahr auf unter 20 Gigawatt zu halten.

Dieser Verlauf in China, so die Analysten weiter, unterscheide sich deutlich von den Vorjahren und werde eine weltweite Abschwächung des Photovoltaik-Zubaus und als Folge eine scharfe Anpassung der Preise auslösen. Für Produkte, die in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen, sind IHS-Beobachtungen zufolge die Preise entlang der Wertschöpfungskette bereits gefallen. Photovoltaik-Module werden demnach deutlich billiger angeboten als noch im ersten Quartal. Denn zusätzlich zur sinkenden Nachfrage auf dem chinesischen Markt seien die Produktionskapazitäten weiter ausgebaut worden – und da Lieferanten bestrebt sind, die Auslastung möglichst hoch und die Lagerbestände möglichst gering zu halten, würden die Preise zusätzlich unter Druck geraten. Gleichzeitig steige die Nachfrage in Low-End-Märkten wie Indien und Lateinamerika, wo größere Mengen zu geringeren Preisen nachgefragt würden.

Den IHS-Zahlen zufolge werden im zweiten Halbjahr die Preise für chinesische Tier-1-Module in China ohne Steuern zwischen 0,44 und 0,46 Dollar pro Watt liegen, bei der jüngsten SNEC PV Power Expo in Shanghai wurden demnach multikristalline Module sogar für 0,43 Dollar pro Watt angeboten. Auf diesem Niveau müssten Modulanbieter in China mit einem Nettoverlust rechnen. Bei den Bruttomargen erwartet IHS einen Rückgang von 20 Prozent in der ersten Hälfte des Jahres 2016 auf eine niedrige bis mittlere einstellige Marge in der zweiten Hälfte. Viele dieser Anbieter stünden angesichts prekärer Bilanzen unter extremem finanziellen Druck. Folge sei eine weitere Marktbereinigung und Konsolidierung in der Branche unter Lieferanten, die in den nächsten zwei bis drei Quartalen nicht in der Lage seien, mit solch niedrigen Margen zu arbeiten.

Für zusätzlichen Druck sorgt laut IHS der Nachfragerückgang in den USA, dem zweitgrößten Photovoltaik-Markt des Jahres 2016. Es gebe zwar vieleInstallationen, aber die Lagerbestände seien wegen vieler Ende 2015 oder noch früher importierter chinesischer Module hoch. Verschärft werde die Situation durch Entwickler, die Solarprojekte in das Jahr 2017 schieben, nachdem die Steuergutschrift für Investitionen über das Jahresende 2016 hinaus verlängert wurde. Für Module, die im vierten Quartal ausgeliefert werden solle, würden die Preise bereits deutlich fallen – um bis zu zehn Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte. (Petra Hannen)


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