IHS: Renditen und Photovoltaik-Zubau schwinden bei Anti-Dumpingzöllen

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Sollten Importzölle von durchschnittlich 45 Prozent auf kristalline Photovoltaik-Produkte aus China verhängt werden, könnte dies die Renditen für Solarprojekte auf unter sieben Prozent drücken. Die Nachfrage nach Photovoltaik könnte dann nach Ansicht der IHS-Analysten in Europa massiv einbrechen. Auch Wechselrichter aus China könnten im Fall von Importzöllen stärker nachgefragt werden, um die Systempreise wieder zu drücken und steigende Modulpreise zu kompensieren.

Collage aus chinesischer und EU-Flagge

Die Einführung von Importzöllen in Europa könnte gravierende Folgen haben

Wenn die EU-Kommission ab Juni wirklich vorläufige Anti-Dumpingzölle von durchschnittlich 45 Prozent auf kristalline Photovoltaik-Einfuhren aus China verhängt, dann wird nach Ansicht der Analysten von IHS die Nachfrage in Europa deutlich abschwächen. Nach den Erhebungen von IHS haben sich die Preise für Solarmodule im März erstmals seit vier Jahren leicht erhöht. Die Analysten gehen auch von einer weiteren leichten Steigerung auf 0,67 US-Dollar je Watt bis Juni aus. Wenn dann noch die vorläufigen Importzölle auf die Modulpreise aufgeschlagen werden, könnten durchschnittliche Modulpreise von 0,97 US-Dollar je Watt die Folge sein. 

Dieser Anstieg könnte nach Ansicht von IHS dazu führen, dass die Rendite vieler Photovoltaik-Projekte unter sieben Prozent fällt. Damit könnte die Nachfrage infolge der vorläufigen Importzölle massiv einbrechen. Chinesische Solarmodule könnten dann auf dem europäischen Markt nicht mehr nachgefragt werden, so die Einschätzung von Ash Sharma, Senior Director von IHS. Die Hersteller aus China könnten sich dann auf andere Regionen wie Japan und Südostasien konzentrieren. Zugleich müssten die Hersteller aber auch große Mengen in China installieren, um den Absatzschwund in Europa zu kompensieren. Insgesamt dürfte es ein sehr schwieriges Jahr für die chinesischen Hersteller werden. Die Konsolidierung – gerade auch unter den chinesischen Modulhersteller – könnte sich damit noch beschleunigen und zu weiteren Insolvenzen führen, wie es bei IHS weiter heißt. Ein Ausweg könnte die OEM-Fertigung für chinesische Unternehmen sein, um damit die Importzölle zu umgehen.

IHS geht weiter davon aus, dass die nicht-chinesischen Hersteller nur sehr beschränkt von vorläufigen Anti-Dumpingzöllen in Europa profitieren werden. Die europäischen Photovoltaik-Hersteller werden ihre Preise nur wenig erhöhen können, da die Solarförderung in den vergangenen Jahren in Europa bereits stark gesunken ist. Größere Preiserhöhungen bei Solarmodulen würden dazu führen, dass die Renditen von Photovoltaik-Projekten nicht mehr darstellbar wären. Viele Projekte könnten finanziell unrentabel werden, wenn nicht die Installateure, EPCs oder Investoren die Preiserhöhungen kompensieren können. Ein Profiteur der Regelung könnte Taiwan oder andere Produktionsstätten in Billiglohnländern sein. Allerdings verfügten diese Regionen zusammen derzeit nur über Kapazitäten von 3,4 Gigawatt. Allein 2012 waren weltweit Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 30 Gigawatt installiert.

Von dieser allgemeinen Entwicklung werden vor allem Solarparks betroffen sein, die auf preisgünstige Solarmodule wegen der stark gesunkenen Einspeisevergütungen angewiesen sind. Im Bereich von Photovoltaik-Dachanlagen, bei denen schon jetzt bevorzugt deutsche, koreanische oder japanische Solarmodule installiert würden. Henning Wicht, Senior Director von IHS, erwartet, dass ein Systempreisanstieg um zehn Prozent in Deutschland die Margen für Freiflächenanlagen und große Dachanlagen ohne Eigenverbrauch auf weniger als sieben Prozent drücken würde. Damit könnte allein in Deutschland der Zubau in diesem Jahr um zwei Gigawatt geringer ausfallen, so seine Analyse. Bei kleinen Aufdachanlagen mit fünf Kilowatt sei hingegen immer noch eine Rendite von 11,5 Prozent möglich, allerdings bei einem Eigenverbrauchsanteil von 30 Prozent und einer teilweisen Kompensation der gestiegenen Modulpreise durch die Installateure. Allerdings hätten bei diesen Systemen insgesamt die Modulpreise einen geringeren Einfluss auf die Gesamtkosten des Systems.

Insgesamt werde aber der Druck auf die Wechselrichter-Hersteller wachsen und auch die BOS-Kosten müssten weiter fallen. Gerade bei Wechselrichtern könnten dann billigere Module aus China eine große Nachfrage erleben, um so die Gesamtkosten für die Photovoltaik-Anlagen zu senken. Dies würde dann bedeuten, dass die EU zwar mit Importzöllen europäische Modulhersteller schützen will, zugleich aber den Wechselrichter-Herstellern in Deutschland und Europa massiv schadet, so die Einschätzung von IHS.

Voraussichtlich Anfang Juni wird die EU-Kommission vorläufige Anti-Dumpingzölle auf kristalline Photovoltaik-Produkte aus China verhängen. Nach jüngsten Berichten hat sich EU-Handelskommissar Karel De Gucht für Importzölle zwischen 37 und 68 Prozent ausgesprochen. China und auch die Bundesregierung suchen derzeit noch nach einer Verhandlungslösung, um einen Handelsstreit zu vermeiden. Dieser könnte der exportorientierten deutschen Wirtschaft allgemein großen Schaden zufügen, da er sich nicht allein auf die Photovoltaik beschränken würde. (Sandra Enkhardt)


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