IEA: Solarenergie kann 2050 größte Stromquelle sein

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Die Internationale Energieagentur hat eine neue Roadmap für Solartechnologien vorgestellt. Im Vergleich zur bisherigen Planung wird doppelt so so viel Strom mit Photovoltaik erzeugt.

Solarpark von First Solar

Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird Solarenergie nach Ansicht der IEA zur wichtigsten Stromquelle aufsteigen.
Foto: First Solar

Die Internationale Energieagentur (IEA) misst der Photovoltaik und der solarthermischen Stromerzeugung künftig deutlich mehr Bedeutung zu. Am Montag hat die Direktorin Maria van der Hoeven in einem Webinar eine neue Roadmap vorgestellt, nach der Photovoltaik im Jahr 2050 fast doppelt so viel zur Stromversorgung bei wie in der bisher veröffentlichten, so genannten 2DS-Roadmap. 2DS steht für das „Zwei-Grad-Szenario“: Es soll gewährleisten, dass die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius bleiben soll.

Die Variante des 2DS-Szenarios mit höherem Anteil erneuerbarer Energien kostet nach den Berechnungen drei Prozent mehr als das Vergleichsszenario, das dafür mehr Kernenergie und Kohlekraft mit Kohlendioxidspeicherung nutzt. Im Jahr 2050 ist danach der Solarstromanteil bei 16 Prozent, in der Variante ohne bevorzugten Ausbau der erneuerbaren Energien liegt der Anteil bei rund 9,5 Prozent. Für die Szenarien sei eine ökonomische Optimierung vorgenommen worden. Über die Sensitivität bezüglich der vielen Parameter, die eingehen, haben die anwesenden Experten allerdings keine Auskunft gegeben.

In dem neuen "high-renewables" Szenario steigt der solare Anteil an der weltweiten Stromversorgung bis 2040 stark an. Photovoltaik sei im Ausbau gegenüber den bisherigen Roadmaps real fünf Jahre voraus. Bereits nächstes Jahr werde die installierte Leistung erreicht, die in der älteren Roadmap für 2020 geplant gewesen sei. das erkläre den nun schnelleren Ausbau in der Roadmap. Ab 2030 macht der Photovoltaik jedoch solarthermischer Stromversorgung zunehmend Konkurrenz, weil sie in den Augen der IEA-Experten günstiger werde und sich die Energie damit leichter speichern ließe. Derzeit liegt sie beim Ausbau gegenüber der älteren Roadmap um sieben Jahre zurück.



Ab 2030 wird zunehmend nach dem ökonomisch optimierten Szenario mehr solarthermische Stromerzeugung zugebaut als Photovoltaik. (Aus der IEA Präsentation)

In den verschiedenen Weltregionen sieht die Roadmap unterschiedlich viel Photovoltaik vor. In Lateinamerika ist es mit rund zehn Prozent relativ wenig, da dort viel Wasserkraft zur Verfügung steht. Auch für die Europäische Union sieht die Roadmap mit nur acht Prozent unterdurchschnittlich wenig Photovoltaik vor. Dort sei es wegen dem Winter nicht die beste Option mehr zuzubauen, außerdem gebe es ein großes Potenzial der Windkraft. Kernenergie und Erdgas produzieren in der EU nach der Roadmap auch im Jahr 2050 noch ein Fünftel des Stromes.

 


Für die EU sieht die IEA Roadmap "high renewables" unterdurchschnittlich viel Photovoltaik vor. (aus der IEA Präsentation)

Damit kommen die IEA-Experten zu anderen Ergebnissen als beispielsweise dir Forscher am Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE. Die Experten um Hans-Martin Henning hatten schon vor zwei Jahren eine ökonomische Optimierung des Strom- und Wärmesystems in Deutschland vorgestellt , bei der Photovoltaik mit zwei Fünfteln zur Stromversorgung beiträgt (Zur Infografik Strom und Wärme nur aus erneuerbaren Energien, zur Themenseite).

Botschaft an die Politik

Sehr viel Wert legen die IEA-Experten auf die Botschaft an die Politik. Es sei wichtig, langfristige Ziele zu setzen, bei denen sie auch die zukünftigen Kostenreduktionen berücksichtigen solle. Es sei wichtig, faire Regeln für dezentrale Photovoltaik-Anlagen auf Wohn- und Gewerbegebäuden zu entwickeln. Beides ist wichtig, um die Finanzierungskosten zu senken. Denn diese seien bei den solaren Technologien besonders hoch, da nahezu die gesamten Kosten bei der Installation anfallen und daher vorfinanziert werden müssen. Die Finanzierungskosten könnten am besten dadurch gesenkt werden, dass die Politik möglichst vorhersehbar ist, um den Risikoaufschlag gering zu halten.


Der relativ große Bereich der Photovoltaik-Stromgestehungskosten kommt unter anderem dadurch zustande, dass Systempreise in den Ländern differieren. LAut IEA werden diese Unterschiede abnehmen, aber nicht verschwinden. (aus der IEA Präsentation)

Maria van der Hoeven im pv magazine-Interview

Wie sich die Rolle der Photovoltaik in den Augen der Internationale Energieagentur (IEA) gewandelt hat, erklärte Generaldirektorin Maria van der Hoeven im Interview mit pv magazine Mitte September (siehe pv magazine Oktober 2014, englische Ausgabe, die am ersten Oktober erscheint). Ging es der IEA anfangs in den 1970er Jahren nur um die Ölversorgung, um die Energieversorgung sicher zu stellen, hat sie jetzt einen viel breiteren Fokus. „Energiesicherheit bedeutet für uns, dass wir saubere Energiequellen für alle haben, die kontinuierlich sind und bezahlbar“, erklärte sie am Rande der Konferenz zur Evaluation der Energiepoltiken IEPPEC Anfang des Monats in Berlin. Bei den sauberen Ideen spielt für sie Photovoltaik inzwischen eine wichtige Rolle, anders als es in früheren IEA-Veröffentlichungen der Fall war.

Energieeffizienz fasst sie sehr breit. Dazu gehört für sie auch, die fossilen Energieträger weniger zu nutzen und dafür sei es wichtig, die Subventionen in fossile Energieträger abzubauen. In einigen Teilen der Welt werden fossile Stromerzeugung und fossile Energieträger stark bezuschusst. Sie sagt von sich selber, dass sie praktisch veranlagt sei und sich umschauen würde. Und da gebe es „viel mehr“ als die fossilen Energieträger.

Zum deutschen Markt sagte sie, dass sie es für sehr wichtig hält, die Technologieentwicklung weiter zu treiben. Außerdem dürfe man die Zukunft der Photovoltaik nicht anhand der Kosten entscheiden, die in der Vergangenheit angefallen sind, als Photovoltaik noch viel teurer war. „Das waren Investitionen, die Kosten sind gefallen und sie werden in Zukunft entsprechend der Lernkurve weiter fallen“, erklärte sie. „Man muss sich die Gegenwart ansehen und wo man hin will, nicht die Vergangenheit“. (Michael Fuhs)


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