HTW: Solarbranche verlagert Jobs in Ausland

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

Nach einer aktuellen Analyse der Hochschule für Technik und Wirtschaft gibt es in den Photovoltaik- und Windunternehmen doch weniger Arbeitsplätze in Deutschland, als offiziell verbreitet wird. Ein Grund, warum weitere Jobs hierzulande gestrichen werden könnten, sind die bestehenden Überkapazitäten bei Solarmodulen und Solarzellen.

Zellproduktion bei Q-Cells

Q-Cells will seine Zellproduktion in Deutschland weiter zurückfahren
Foto: Q-Cells SE

Mit der Wende zu erneuerbaren Energien entstehen viele Jobs bei hiesigen Photovoltaik- und Windunternehmen. Dieses Bild hat Wolfgang Hummel von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin nun mit einer aktuellen Analyse widerlegt. Die politische Hoffnung, dass der Aufbau von Arbeitsplätzen im Solar- und Windanlagensektor den Stellenabbau im konventionellen Erzeugungsbereich kompensieren könnte, erfüllt sich nicht", sagt er der „Welt am Sonntag“. Die deutschen Photovoltaik- und Windunternehmen würden im Gegenteil immer mehr Stellen ins Ausland verlagern. Entsprechend viele Arbeitsplätze würden in der Fertigung wegfallen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) argumentierte gegen die weitere Kürzung der Solarförderung mit den 133.000 Jobs in der Solarbranche in Deutschland. In seinen Marktdaten für 2010 prognostizierte der BSW-Solar sogar 150.000 Beschäftigten hierzulande. Hummel kam in seiner Analyse nun zu dem Schluss, dass kaum 80.000 Menschen in der Solarbranche arbeiteten, rund 75 Prozent davon in Handel und Handwerk, wie es in dem Bericht weiter heißt. Als Grund für die Diskrepanz sieht Hummel, dass der BSW-Solar auch Handwerker mitzähle, die nur gelegentlich mit Photovoltaik zu tun haben. Nach seinen strengeren Maßstäben dürften aber nur Handwerker einberechnet werden, die mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit auf Solaranlagen verwendeten.

Der HTW-Experte Hummel geht davon aus, dass die Zahl der Angestellten in der Solarbranche noch weiter zurückgehen wird. : "Angesichts der Überkapazitäten auf dem Solarzellen- und Modulmarkt und dem steigenden Anteil asiatischer Billigimporte zwingt der Kostendruck zur Stilllegung von Produktionskapazitäten an teuren deutschen Standorten", so Hummel zur „Welt am Sonntag“. Ein Beispiel dafür ist Q-Cells. Das Photovoltaik-Unternehmen will seine Solarzellen-Produktion in Deutschland dauerhaft zurückfahren und dafür verstärkt auf die Fertigung in seinem malaysischen Werk setzen. (Sandra Enkhardt)

Der BSW-Solar betreitet die Aussagen von Wolfgang Hummel. Mehr dazu finden Sie in Kürze bei uns.


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