Hoffnung für die europäische Solarindustrie besteht - X-Gigawatt-Fabrik-Idee und Solarworld leben

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Viele Photovoltaik-Hersteller aus Deutschland und auch Europa sind in den vergangenen Monaten vom Markt verschwunden oder gehören mittlerweile asiatischen Investoren. Dennoch sollten die Hersteller angesichts der globalen Entwicklung den Kopf nicht in den Sand stecken. So die Botschaft von Eicke Weber auf dem Otti-Symposium im Kloster Banz.

Kloster Banz aus dem Tal

Im Kloster Banz verbreiteten Eicke Weber und Holger Neuhaus, Optimismus, was die Zukunft der Solarindustrie in Deutschland und Europa angeht.
Foto: Solarpraxis AG/Sandra Enkhardt

Eicke Weber, Direktor des Fraunhofer-ISE, nutze auch das diesjährige Otti-Symposium, um wieder für seine Pläne einer X-Gigawatt-Fabrik zu werben. So richtig kommt die Idee noch nicht in Gang, aber sie lebt. "Wir wollen 2018 Solarmodule zu wettbewerbsfähigen Preisen in großem Maßstab anbieten", sagt Weber. Dazu müssten die besten in Europa verfügbaren Technologien kombiniert werden. Viele Fragen zur Realisierung seien aber noch offen, so Weber weiter. Er hofft auf Unterstützung aus dem Investitionsprogramm der EU-Kommission.

Weber macht auch der Solarindustrie in Europa Hoffnung. "Die globale Photovoltaik-Entwicklung steht erst am Anfang", sagt er. Es gebe ein enormes Potenzial, das Deutschland nicht den anderen Ländern überlassen dürfe. Zugleich monierte Weber den drastischen Markteinbruch in Deutschland. "Ein monatlicher Zubau unter 100 Megawatt ist eine Schande." In Richtung der Politik forderte Weber, die Belastung des Photovoltaik-Eigenverbrauchs wieder zurückzunehmen. "Dies würde zwar nicht alle Probleme lösen, aber es wäre leicht umsetzbar und ein Signal", sagt Weber.

Bei der Technologie zeigt sich Weber überzeugt, dass es Dünnschicht mittlerweile schwer hat. Die Zukunft gehöre der kristallinen Technologien. In diesem Punkt ist er sich einig mit Holger Neuhaus von Solarworld Innovations. Der größte deutsche Hersteller habe die PERC-Technologie mittlerweile im großen Stil ausgerollt. Der Wirkungsgradsgrad für die PERC-Module liegen im Labor bereits bei 24,2 Prozent. Diese Effizienzen seien auch ein Grund, warum sich diese Technologie immer weiter durchsetzen wird, wie Neuhaus meint. Weber will für seine X-Gigawatt-Fabrik aber nicht unbedingt auf PERC setzen. Da denkt er eher in Richtung Hetereojunktion-Technologie.

"Module sind kein Commodity-Produkt", sagte Weber noch. Das müsse man sich auch in Deutschland viel stärker bewusst machen. Daher habe auch die europäische Solarindustrie weiterhin eine Chance. Neuhaus unterstützte dies mit seiner Aussage, dass alle Photovoltaik-Schlüsseltechnologien aus Europa und dabei vorrangig aus Deutschland sowie den USA kämen, keine aber aus China. Auch Georg Menzen, im Wirtschaftsministerium für die Forschungsförderung zuständig, lobte im Pressegespräch die Innovationsfähigkeit in Deutschland. Das Ministerium wolle weiter an der starken Forschungsförderung auch in der Photovoltaik festhalten. Für die passende Wirtschaftspolitik, die die Forschungsergebnisse dann auch in die Massenfertigung bringt, fühlte er sich aber nicht zuständig. Auch sei eine Unternehmensförderung, wie sie etwa in China existiere, in Deutschland nicht möglich, da die Bundesregierung dann massiv Ärger mit der EU-Kommission in Brüssel bekommen würde.

Aber wie geht es nun weiter mit den Plänen für die X-Gigawatt-Fabrik in Europa? Eicke Weber rührt weiter kräftig die Werbetrommel. Holger Neuhaus würde sich freuen, wenn es weitere Hersteller im Gigawattmaßstab in Europa geben würde. Allerdings werde sich Solarworld finanziell an so einem Vorhaben nicht beteiligen, sondern in den Ausbau und die Verbesserung der eigenen Produktion investieren. Es sei aber denkbar, dass Solarworld dort dann Zellen kaufen werde, so Neuhaus weiter.

Angesichts eines erwarteten weltweiten Marktvolumens von 150 bis 200 Gigawatt und 150 Milliarden Euro ist in Deutschland und Europa sicher Platz für einen weiteren großen Hersteller. Dann könnten vielleicht auch wieder Arbeitsplätze entstehen. Von den Höchstwerten von rund 110.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Solarbranche sind gerade noch 40.000 bis 50.000 übrig. Wie es sich weiterentwickelt, muss die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall wird die Forschung in Deutschland weitergehen - soviel scheint nach den Aussagen der Experten erstmal sicher. (Sandra Enkhardt)


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