Gute Zähler, schlechte Zähler

Kategorie: 03 / 2011, Fachwissen & Technik Mirco Sieg, Michael Fuhs

Eigenverbrauch: Letzten Mai haben wir darüber berichtet, dass es von der Art des Stromzählers abhängt, wie hoch der Eigenverbrauchsanteil ist, den ein Kunde abrechnen kann (photovoltaik 05/2010, Seite 96). Das erschien damals nur als theoretisches Problem, das zwar laut Gesetz möglich ist, in der Praxis aber nicht vorkommt. Jetzt zeigt sich: Es gibt die für Kunden unvorteilhaften Zähler wirklich.

Wenn sich Anlagenbetreiber dafür entscheiden, einen Teil des selbst erzeugten Stroms im eigenen Heim zu verbrauchen, müssen sie einen zusätzlichen Zähler verwenden. Außer dem Produktionszähler, der die Erzeugung misst, benötigen sie den sogenannten Einspeisezähler. Er zeigt an, welcher Anteil der Photovoltaikenergie wirklich ins Netz gegeben wird. Die Differenz von Produktions- und Einspeisezähler ist der Eigenverbrauch. Das hört sich einfach an, ist jedoch in dreiphasigen Hausnetzen kompliziert. Das Ergebnis hängt nämlich davon ab, wie der Einspeisezähler die drei Phasen miteinander verrechnet.

Benutzt man die altehrwürdigen Ferrariszähler, das sind die mit der sich drehenden Scheibe, ist man auf der sicheren Seite. Dieser Zählertyp addiert die Stromflüsse über alle drei Phasen. Existiert ein Nettostromfluss in Richtung Netz, drehen die Scheibe und das daran gekoppelte Zähllaufwerk weiter. Geht der addierte Stromfluss in die andere Richtung – entspricht also nicht einer Einspeisung, sondern einem Bezug – bleiben sie stehen. Das nennt man Rücklaufsperre. Sie wirkt auf den addierten Stromfluss aller drei Phasen. Dafür hat sich der Begriff „saldierender Zähler“ durchgesetzt.

Elektronische Zähler können das genauso machen. Sie können laut Gesetz aber auch anders arbeiten. Dass das nicht pure Theorie ist, zeigt ein Infoschreiben des Zählerherstellers Itron. Der Typ ACE3000-260-C40D ist ein Zähler mit zwei Laufwerken. Das eine gibt die Einspeisung an, das andere den Bezug. Für den Eigenverbrauch ist nur wichtig, was das Einspeiselaufwerk anzeigt. Den Zähler gibt es in zwei Varianten. Wenn auf dem Typenschild vermerkt ist „Registrierung wie Mode 2“ arbeitet er saldierend, also äquivalent zu den Ferrariszählern. Das ist für Kunden, die Eigenverbrauch abrechnen, vorteilhaft.

Saldierend versus phasenbezogen

Fehlt der Vermerk auf dem Typenschild, arbeitet der Zähler „phasenbezogen“, also nicht saldierend. Dann zeigt der Einspeisezähler nur die addierten Stromflüsse der Phasen an, auf denen ein Stromfluss ins Netz stattfindet. Fließt auf einer anderen Phase der Strom Richtung Hausnetz, spielt das keine Rolle. Das führt zu einem Ergebnis, als ob erst an jeder Phase einzeln eine Rücklaufsperre wirke und dann die Summe gebildet werde. Ist ein Verbraucher an einer anderen Phase als der Solargenerator angeschlossen, ist diese phasenbezogene Zählweise für den Kunden sehr nachteilig und kann die Eigenverbrauchsabrechnung auf bis zu ein Drittel des Möglichen reduzieren. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch, der abgerechnet wird (photovoltaik 05/2010). Nachfragen bei Itron und EMH Metering zeigen, dass inzwischen etliche Stromzählerhersteller sowohl saldierende als auch nichtsaldierende Stromzähler im Angebot haben und diese auch ausliefern.

Stromzählertypen erkennen

Es ist auch für Experten nicht einfach, die beiden Zählertypen auseinanderzuhalten. Wer sich nicht sicher ist, ob er den richtigen Zählertyp eingebaut hat, sollte sich deshalb beim Zählerhersteller erkundigen. „Wir als Hersteller sind im Bedarfsfall natürlich gerne bei der Klärung behilflich, wenn Unklarheit bezüglich der Funktionsweise des Zählers besteht“, sagt Dirk Grabsch aus der Marketingabteilung des Zählerherstellers Itron.

Claudio Fischer-Zernin, Vorstandsmitglied im Verband der Solarfirmen Nordsolar, rät, stutzig zu werden, sollte der Eigenverbrauch unerwartet niedrig sein. „Man sollte darauf achten, dass man bei einem Einfamilienhaus mit einer Fünf-Kilowatt-Anlage zwischen 15 und 20 Prozent Eigenbedarf hat. Wenn dann in der Jahresabrechnung nur ein Anteil von weniger als zehn Prozent ausgewiesen wird, dann ist da bei einer normalen Anlage der Wurm drin.“ Ihm zufolge ist es auch schon vorgekommen, dass Energieversorgungsunternehmen nichtsaldierende Zweirichtungszähler eingebaut haben. Das sei aber unwissentlich geschehen. Seriöse Netzbetreiber würden nach seiner Meinung auch versuchen, dies richtigzustellen. „Man kann aber nicht ausschließen, dass einige Stadtwerke das bewusst machen.“

Jetzt ist die Zählweise ein Fall für die Clearingstelle. Denn im EEG ist nicht genau festgelegt, welcher Zählertyp wann zum Einsatz kommen soll. Gerade wurde ein Empfehlungsverfahren eingeleitet, in dem auch dieses Problem behandelt wird. Es soll noch dieses Jahr abgeschlossen werden.


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