Großbritannien streicht Förderung für kleine Solarparks und Vergütungsgarantie für größere Dachanlagen

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Das britische Department for Energy and Climate Change will die Förderung für Solarparks mit weniger als fünf Megawatt Leistung ab April 2016 einstellen. Auch die Vorab-Garantie zum Erhalt der Einspeisevergütung für Dachanlagen mit mehr 50 als Kilowatt Leistung soll nicht mehr erteilt werden.

Britische Flagge

Der derzeit stärkste europäische Solarmarkt wird nun wahrscheinlich empfindlich geschwächt werden.
Foto: Wikimedia/Jiri Hodan

Das Department for Energy and Climate Change (DECC) in Großbritannien hat bestätigt, dass viele der derzeitigen Zuschüsse für Solarstrom ab 1. April 2016 gestrichen werden sollen. Demnach sollen zum Beispiel Solarparks mit weniger als 5 Megawatt Leistung im kommenden Jahr nicht mehr nach dem Renewable Obligation Certificate (ROC) gefördert werden. Für Projekte, die bis zum 21. Juli 2015 eine garantierte Einspeisevergütung zugesagt bekommen haben, soll es eine Übergangzeit geben, genauso wie für Anlagen, bei denen sich der Netzanschluss unvorhersehbar verzögert.

Für Dachanlagen mit mehr als 50 Kilowatt Leistung soll zudem ein keine garantierte Einspeisevergütung mehr geben. Diese politische Entscheidung könnte das Wachstum des Marktes für gewerbliche PV-Dachanlagen in England deutlich bremsen, da die Investitionssicherheit dadurch sehr eingeschränkt wird. Das DECC hat darüber hinaus angekündigt, das System der Einspeisevergütung noch in diesem Jahr umfassend zu überprüfen und kündigt weitere Maßnahmen zur "Kostenkontrolle" an.

Fadenscheinige Rhetorik der Regierung

Die Nachricht folgt mehreren Tagen der Spekulation, dass das Förderschema für Solarenergie in Großbritannien geändert werden soll. Die Energieministerin Amber Rudd, die erst seit Mai im Amt ist, begründet die Entscheidung damit, dass Verbraucher vor höheren Energiekosten geschützt werden sollen. "Meine Prioritäten sind klar", sagt Rudd. "Wir müssen die Rechnungen für hart arbeitende Familien und Unternehmen so niedrig wie möglich halten und unsere Emissionen auf die kostengünstigste Art und Weise reduzieren.“ Die Kosten für Solartechnologien seien außerdem so stark gesunken, dass die Industrie der Erneuerbaren nach Ansicht von Rudd auch ohne Förderung überleben könne.

Solarindustrie ist verärgert

Die britische Solarindustrie zeigt sich über diese Rhetorik verärgert und wirft der Regierung vor, die Solartechnologie dafür zu bestrafen, billiger, effizienter und erfolgreicher als erwartet zu sein. Die britische Solar-Trade Association (STA) betonte, dass Solarstrom nur etwa sechs Prozent der im Rahmen der ROC-Regelung gezahlten Fördergelder in Anspruch nehme. Im Gespräch mit der BBC-Sendung Today sagte der STA-Vorstand Jonathan Selwyn, dass die nun beschlossenen Kürzungen einen großen Einfluss auf die britische Solarindustrie haben werden, die im vergangenen Jahr zu den dynamischsten in Europa gehörte und im Jahr 2015 ein rasantes Wachstum aufwies. Die Solarförderung erhöhe die Stromrechnung der Verbraucher um nur rund 3 Pfund pro Jahr, so Selwyn. Das sei eine verschwindend geringe Menge im Vergleich zu anderen Technologien wie beispielsweise der Atomkraft. (Ian Clover; übersetzt und bearbeitet von Mirco Sieg)


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