Greenpeace Energy will Bürgerenergiegenossenschaften bei Ausschreibungen helfen

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Ausschreibungen, Topnews

Der Ökostromanbieter und seine Kraftwerkstochter wollen Risikokapital und Dienstleistungen für Projekte im Bereich Bürgerenergie zur Verfügung stellen. Zunächst will Greenpeace mit seinem Engagement, Bürgerwindparkprojekten die Teilnahme bei den anstehenden Ausschreibungen ermöglichen. Eine Ausweitung des Angebots auf Bürgersolarparks ist nicht ausgeschlossen. Zudem übergab Greenpeace Energy eine Petition an das Bundeskanzleramt, in dem die Regierung zu einem konsequenten Handeln gegen den geplanten Neubau von AKWs in Europa aufgefordert wird.

Übergaben die 62.425 Unterschriften der Petition am Donnerstag in Berlin: Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann (2.v.r.) und Mitarbeiter.

Greenpeace Energy übergab am Freitag eine Petition mit mehr als 60.000 Unterschriften im Kanzleramt.
Foto: Tanja Schnitzler/Greenpeace Energy eG

Greenpeace Energy will ab sofort Bürgerenergiegenossenschaften mit Risikokapital unterstützen. Angesichts der mit der EEG-Novelle 2017 beschlossenen Ausschreibungen seien Nachteile für Bürgerenergieprojekte zu erwarten. Daher habe Der Ökostromanbieter gemeinsam mit seiner Kraftwerkstochter Planet Energy ein neues Beratungs-, Dienstleistungs- und Finanzierungsangebot zusammengestellt, um kleineren Akteuren auch zukünftig die aktive Teilhabe an der Energiewende zu ermöglichen. Auf diesem Wege wollen wir die Akzeptanz der Energiewende erhalten, die nur mit einer regionalen Verankerung gewährleistet werde, erklärte Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy, bei der Vorstellung des Angebots am Donnerstag in Berlin.

Für die Abfederung der Kosten und Risiken einer Ausschreibungsteilnahme für kleine Akteure, biete Plant Energy künftig eine Absicherung an. Wir stellen Kapital zur Verfügung, damit Bürgerenergie-Akteure weiterhin ihre Projekte umsetzen können“, so Tangermann weiter. Das Angebot sei zunächst auf Windkraft-Projekte beschränkt, da hier noch deutlich höhere Vorlaufkosten als bei Bürgersolarparks anfielen und Greenpeace Energy in diesem Bereich die größere Expertise habe. Es lägen bereits konkrete Anfrage vor. Wie viele Bürgerenergieprojekte Greenpeace mit seinem Risikokapital unterstützen werde, ließ Tangermann zunächst offen. Theoretisch stünden bis zu zehn Millionen Euro dafür zur Verfügung. Wie hoch die Verzinsung sein werde, wollte er auch nicht eindeutig sagen. „Es wird eine moderate Verzinsung sein, die sich auch nach den Risiken der einzelnen Projekte richten wird“, so der Vorstand von Greenpeace Energy. Eine Ausweitung des Angebots auf Bürgersolarparks schloss er für die Zukunft nicht aus.

Neben der finanziellen Hilfe wolle Greenpeace Energy über seine Tochtergesellschaft den Bürgerenergieakteuren zudem Unterstützung bei technischen Dienstleistungen und der Konzeption der Finanzierung anbieten. Mit den gezielten Dienstleistungen sollten die Projekte konkurrenzfähiger gemacht werden, um so auch eine Chance bei den Ausschreibungen zu haben. Zwar waren im letzten Moment noch einige Erleichterungen für Bürgerenergieprojekte bei den Ausschreibungen beschlossen worden, doch diese seien marginal. "Alleine können Bürgerenergiegenossenschaften das Risiko nicht stemmen", so Tangermann.

Am Freitag übergab Greenpeace Energy zudem eine Petition an Vertreter des Bundeskanzleramts. 62.425 Bürger fordern darin von der Bundesregierung, konsequent gegen geplante Atomkraftprojekte in Europa vorzugehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle die Energiewende und den Atomausstieg auf europäischer Ebene verteidigen und verhindern, dass in direkter Nähe zu Deutschland gefährliche AKW gebaut werden. Neben dem umstrittenen geplanten Neubau eines AKW in Großbritannien planten auch benachbarte Staaten wie Polen oder Tschechien entsprechende Projekte. „Mit ihrem vorsichtigen Atomkurs gegenüber benachbarten Staaten hat die Bundesregierung versagt, hier sollte Deutschland konsequenter im Sinne des Atomausstiegs auftreten“, erklärte Tangermann.

Anders als Österreich oder Luxemburg habe Deutschland bislang keine juristischen oder politischen Schritte unternommen. „Die Bundesregierung sollte stärker als bisher versuchen, andere europäische Staaten vom gefährlichen und unwirtschaftlichen Ausbau der Atomkraft abzubringen – denn diese AKW-Projekte berühren auch deutsche Energie- und Sicherheitsinteressen“, sagte Tangermann. Möglichkeiten dazu gebe es etwa bei bilateralen Konsultationen oder im Rat der EU-Energieminister. (Sandra Enkhardt)


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