Geplante Speicherförderung in der Kritik

Kategorie: Speicher und Netze, Topnews

In Düsseldorf begann die Konferenz "Energy Storage" mit mehr als 500 Besuchern. Projektbeispiele zeigen, unter welchen Bedingungen sich Speichersysteme lohnen können und sinnvoll sind.

Hildegard Müller vom BDEW auf der Energy Storage in Düsseldorf

Hildegard Müller vom BDEW fordert ein technologieneutrales Förderprogramm für Speicher
Foto: Messe Düsseldorf

Die politische Regulierung des Strom- und Speichermarktes und die technische Entwicklung müssen Hand in Hand gehen. Das sagte Imre Gyuk, der die Energiespeicher-Programme des Energieministeriums in den USA seit rund zwölf Jahren leitet, auf der Konferenz „Energy Storage“ der Messe Düsseldorf und Solarpraxis AG. “Das Gebiet ist technologisch neu, wie die Pyramiden, nur viel technologischer und größer“, sagt er. In den USA finanziert Gyuk seit einigen Jahren 20 Demonstrationsprojekte. Das Interesse der Industrie sei groß. 185 Millionen US-Dollar hat das Ministerium gegeben; die Industrie habe 585 Millionen dazu gegeben. 

Teilweise lohnen sie sich nach seiner Aussage auch schon. In den USA dienten die meisten Projekte dazu, die Fluktuationen von Windkraftanlagen aufzufangen und das Netz zu stabilisieren. In bestimmten Regionen der USA seien nur zehn Prozent der Windenergie dann verfügbar, wenn sie benötigt wird: in der Mittagszeit. In einem Projekt, in dem ein Speicher  Verbraucher mit einem 25 Megawatt Speicher drei Stunden lang Versorgungsengpässe auffängt, so Gyuk, sei der Batteriespeicher günstiger als damit konkurrierende Back up Systeme gewesen, die Gas oder Öl nutzen. Ein anderes Beispiel, wo sich Speicheranwendungen lohnen würden, sei die Frequenzregulierung im Netz, die sie mit Schwungrädern realisiert haben. Es liege jedoch an den politischen Regulierungen, dass sie das System sich amortisiere. In diesem Fall hätte das US-Energieministerium zunächst das Demonstrationsprojekt starten müssen, bevor die Regulierungen so angepasst worden seien, dass diese Netzdienstleistung bezahlt werde. Das Stichwort sei nun: „Für Leistung bezahlen“. 

Seiner Erfahrung nach sei es immer der Fall, dass Pilotprojekte den Boden bereiten müssen, damit sich die Regulierungen anpassen und weiterentwickeln. Man könne nicht darauf warten, dass die Regulierungen zuerst kommen.

Kleinere Speichersysteme

Bei den kleineren Speichersystemen, die auch für die Kombination mit Photovoltaik-Anlagen geeignet sind, hat das Energieministerium in den USA Projekte mit neu entwickelten Blei-Kohlenstoff Akkus (englisch: Lead-Carbon) gefördert, die laut Gyuk fünf bis zehnfach höherer Lebensdauer haben als herkömmliche Blei-Säure-Batterien.

Gyuk hält Speichersysteme für extrem wichtig. „Jedes nicht gepufferte System kann umso einfacher kollabieren, je größer es ist“, sagt er. Wie verwundbar die großen Systeme sind, zeigte der große Stromausfall in den USA in 2003, bei dem 55 Millionen Menschen im Dunkeln saßen. In Indien hatten bei einem Blackout sogar 670 Millionen Menschen zeitweise keinen Strom.

Es ist jedoch umstritten, in welchem Ausmaß und ab welchem Ausbau von Wind- und Solarenergie Speichersysteme nötig sind. Eicke Weber skizziert ein Szenario, bei dem in Deutschland rund 200 Gigawatt Photovoltaik und 200 Gigawatt Windenergie installiert sind. Es gibt wenig Stunden, in denen in Deutschland mehr als 60 Gigawatt nötig sind. Der Rest der Energie muss dann naturgemäß gespeichert werden.

Hildegard Müller, Vorsitzende des Industrieverbands BDEW, sieht den Bedarf für Speichersysteme erst zwischen 2020 und 2030, wenn der Anteil der fluktuierenden Energieträger über 40 oder 50 Prozent steigt. Doch sie gibt zu bedenken, dass im Jahr 2020 zwar im Prinzip nur 0,1 Terawattstunden Speicherkapazität nötig seien. Wenn der Netzausbau stockt, könnte der Bedarf aber auch auf 40 Terawattstunden ansteigen. Trotzdem wendet sie sich gegen das geplante Speicherförderprogramm des Bundesumweltministeriums. Es sei nicht technologieneutral und Netzbetreiber seien nicht einbezogen. Um die größtmögliche gesamtwirtschaftliche Effizienz sei es wichtig, dass sich die Optionen in einen Wettbewerb begeben, sagte sie. Flexibilität sei dabei die neue Währung. An dieser Stelle scheint sich die Diskussion zu wiederholen, die es auch schon im Zusammenhang der EEG-Förderung immer wieder gab, und in der Gegner des EEG dieses immer als nicht technologieneutral bezeichneten. (Michael Fuhs)


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