EU Prosun Speicher gegründet

Kategorie: Meinung Karl-Heinz Remmers

Am 11. Mai 2015 ist in Berlin das Aktionsbündnis EU Prosun Speicher gegründet worden.

Es besteht aus 92 Unternehmen und Privatpersonen, die sich gegen das Speicherdumping US-amerikanischer Firmen in Fahrzeugen und stationären Speichern wenden. Der Sprecher des Bündnisses, der ebenso wie alle anderen seinen Namen nicht nennen will, erklärte auf einer Pressekonferenz folgendes: "Die US-Regierung und amerikanische Unternehmen verfolgen eine radikale Wirtschaftspolitik die zum Aufbau einer weltweiten Dominanz ihrer Energiespeicherindustrie dienen soll. So werden Unternehmen wie Tesla mit Milliarden beim Bau von Fabriken subventioniert. Tesla und andere erhalten zudem US-Mittel in Milliardenhöhe zur Finanzierung ihrer milliardenschweren Verluste. Nur auf diese Weise ist es der Firma Tesla möglich, Produkte wie ihre Powerwall zu solchen Preisen anzubieten. Ebenso sind die Elektro-Fahrzeuge von Tesla massiv subventioniert".

EU Prosun Speicher will nun bei der EU ein Antidumping- und ein Antisubventionsverfahren gegen die USA in diesem Umfeld anstrengen, um die europäische Speicherwirtschaft vor massivem Schaden zu schützen. Es werden von dem Bündnis hohe Zölle erwartet. Die Namen geben die Teilnehmer des Bündnisses aus Angst vor der NSA und weiteren möglichen Angreifern auf ihre Unternehmen und eine Ausspähung ihrer Personen nicht bekannt.

Hier nun endet die Fiktion. Es gibt (noch) kein Bündnis unter diesem Namen oder in diesem Bereich.

Würde man aber die Logik von EU Prosun aus dem Bereich der Solarzellen und Solarmodule oder von der EU Prosun aus dem Bereich Glas auf Speicher anwenden, denn könnte die Fiktion aber schnell real werden. Oder auch nicht: Denn der Gegner ist der vermeintliche Hort der freien Marktwirtschaft und unser großer Verbündeter - die USA. Genau die, die uns ohne Hemmungen abhören, aber auch schon auf dem Mond waren und vieles mehr. Und eben nicht China, welches sich ja immer anhören muss, die ewig dumpende kommunistische Brutstätte schlechter Qualität zu sein.

Aber liest man all die sehr gut inszenierten Produkteinführungen von Tesla und sieht die Autos an, die viele immer noch für unmöglich halten – zumindest technisch unmöglich - dann ist man schon beeindruckt. Oder begeistert. So ist die Produktpräsentation des neuen Powerwall-Heimspeichers auch weltweit extrem gut gelaufen - eine tolle Werbung für Heimspeicher und natürlich für Tesla.

Das Produkt an sich ist denn nun auch direkt bis Mitte 2016 ausverkauft (so Tesla) und wenn man genauer hinsieht dann können vermutlich auch andere Hersteller Batterien zu ähnlichen Großhandelspreisen anbieten - das jedenfalls ist das Zwischenfazit der pv magazine Redaktion. Was die Leistungselektronik angeht, werden sich aber manche vielleicht auch noch die Augen reiben. Denn Solarcity wird Bloomberg zufolge ein voll anschlussfähiges System mit Batterie und Wechselrichter inklusive Installation für 5000 Dollar für neun Jahre zum Leasing anbieten. Es ist zwar noch nicht genau bekannt, was sich hinter diesem System verbirgt, doch da werden sich einige warm anziehen müssen. Auch Marketing und PR sind aber total super.

Will ich aber in diesem Jahr einen guten Speicher für was auch immer, dann werde ich den wohl in Euorpa bei den Europäern kaufen. Die auch nicht vom Venture Capital verwöhnt sind, keine großen Subventionen für gigantische Produktionsstätten erhalten und damit auch keine Gigawatt-Fabriken bauen. Einmal mehr ein mentales Problem der EU, die fehlende Bereitschaft hiesige Unternehmen mit Ideen und Kraft richtig zu fördern. Geht aber in den USA und das mit x-Milliarden Dollar. Wenn man die Maßstäbe ansetzt, die EU Prosun gegen die Chinesen ins Feld führt (und in den USA auch extremerweise gegen Taiwan, dass zumindest in westlicher Lesart nicht zu China gehört), dann ist das Dumping pur. Tesla macht wahnsinnige Verluste und kriegt Subventionen ohne Ende.

Oder ist es nicht wie bei den Solarmodulen der mangelnde Wille in der EU eine produzierende neue Industrie aufzubauen? Wohl eher das, denn man sieht nun mehr als deutlich, dass sowohl im fernen Osten als auch bei den netten Nachbarn aus den USA eben massiv auf Zukunft in der Produktion gesetzt wird. In der EU bislang nicht - was sich aber ändern muss. Daher muss die Forderung sein: Weg mit den Zöllen oder erst gar keine einführen, denn sie hemmen die Marktentwicklung des Endproduktes "Strom".

Aber gleichzeitig: Schafft endlich den politischen Rahmen, das gute Leute Kapital erhalten - nicht Millionen, sondern Milliarden. Wenn Ihr das als Politiker als Sozialismus anseht - nun dann fragt doch mal die guten Freunde in den USA, was an Tesla und den vielen anderen Sozialismus ist.

Eine Sache noch, die ohne die große Politik laufen kann und die uns in der Redaktion großes Kopfzerbrechen macht: Die Akteure der europäischen Speicherbranche (vom Hersteller bis zum Prüfinstitut) müssen mehr zusammen arbeiten, deutlich mehr. Denn die gegenseitige Diffamierung von Produkten oder Personen gegenüber den Redakteuren des pv magazine wirft kein gutes Licht auf die Branche und verunsichert auch die Kunden massiv. Was soll ich davon halten, wenn A sagt, dass B "nur Scheiße ausliefert". Oder ein Prüfinstitut fortwährend die Produkte generell in Frage stellt (was in Sachen Sicherheit sicher ok ist, aber man sich doch fragen muss, ob das Markt macht, wenn immer nur Bedenken vorne stehen). Auch ist es schon erstaunlich, dass BVES und BSW-Solar sich munter rund um die Speicherfirmen im Wettbewerb befinden und nicht einmal eine gemeinsame Position zu weiteren politischen Begleitung aufbauen können. Denn die ist nötig und ja: Die Branche in der EU braucht Milliarden, wenn sie sich gegen Ost und West entwickelt will in Produktion.

Sonst bleibt natürlich die breite Anwendung. Aber warum jetzt schon wieder aufgeben? Schließt Euch zusammen- einmal mehr. Sonst werdet Ihr sterben, wie die europäische Modul- und Zellindustrie, die auch jeden Zusammenschluss verweigerte, um dann dank Handelsbarrieren weitestgehend zu verschwinden oder Dauerverluste zu machen.


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