EU ProSun: Prognos-Studie weist erhebliche Mängel auf

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Die Widersacher im Streit über die Einführung von Anti-Dumpingzöllen auf chinesische Photovoltaik-Produkte haben nun beide Studien auf den Markt. EU ProSun hat PricewaterhouseCooper beauftragt, die Aussagen des Konkurrenten AFASE zu überprüfen. Dabei kommt die Studie der Solarworld geführte Allianz zu einem ganz anderen Schluss, wenn es um die künftige Zahl der Arbeitsplätze in der Solarindustrie geht.

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Foto: Bosch Solar Energy

Im Streit um Anti-Dumpingzölle für chinesische Photovoltaik-Produkte geht es auch immer um Arbeitsplätze. Während die Allianz für bezahlbare Solarenergie AFASE im November 2012 eine Studie herausbrachte, wo sie erstmals mögliche Arbeitsplatzverluste von Prognos im Fall der Einführung von Importzöllen berechnen ließ, zog nun EU ProSun mit einer Entgegnung nach.

Die von Solarworld geführte Vereinigung, die Beschwerden wegen vermeintlichen Dumpings und illegaler Subventionen bei der EU eingereicht hatte, hat nun PricewaterhouseCooper (PwC) beauftragt, die Argumente der AFASE-Studie zu prüfen. Dabei kommt EU ProSun zu einem völlig anderen Ergebnis: Das Dumping chinesischer Photovoltaik-Hersteller habe in Europa bereits tausende Jobs gekostet. Allein seit 2011 seien rund 15.000 Arbeitsplätze in der Produktion von Solarmodulen verloren gegangen: "Dumping schadet allen. Gegen staatlich finanzierte Dumpinganbieter können marktwirtschaftliche Unternehmen nicht konkurrieren", erklärte EU ProSun-Präsident Milan Nitzschke. Die Zahl der Insolvenzen und Produktionsschließungen sei in Europa bereits auf mehr als 60 gestiegen. Nitzschke monierte weiter, dass in China nicht nur Modulhersteller, sondern unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zu Maschinenbauern staatlich gestützt würden.

EU ProSun macht auch die Importe  aus China für die sinkenden Installationszahlen in Europa verantwortlich. Da die europäischen Märkte mit chinesischen Solarmodulen „geflutet“ worden seien, hätten die Regierungen in Europa die Solarförderung seit 2011 immer weiter zurückgefahren, heißt es dazu. Mit den Anti-Dumpingzöllen solle diese Entwicklung nun aufgehalten werden. "Die Ankündigung von Antidumpingzöllen kommt für viele in letzter Minute, aber sie kommt rechtzeitig. Europa führt technologisch immer noch in der Solarindustrie. Alles, was in der Solarbranche in China zum Einsatz kommt, ist vorher schon in Europa entwickelt und eingesetzt worden“, erklärte Nitzschke. Er ist überzeugt, dass mit der Einführung von vorläufigen Importzöllen auf Photovoltaik-Produkte aus China die Solarindustrie in Europa erhalten und ausgebaut werden kann. Aus seiner Sicht hätte dagegen ein chinesisches Monopol weitere negative Folgen für Kunden, Installateure und Zulieferer.

Die PwC-Studie im Auftrag von EU ProSun hat die Kernaussagen der Prognos-Studie von AFASE genauer beleuchtet und anschließend verworfen. Im November 2012 hatte AFASE noch den Wegfall von 30.000 Arbeitsplätzen in der EU im Falle von Importzöllen berichtet. Im Februar 2013 – als die Allianz ihre überarbeitete Studie in Brüssel präsentierte – hieß es in der Prognos-Studie dann, bis zu 242.000 Arbeitsplätze seien in den EU-Mitgliedsstaaten bis 2015 bedroht, sollte es zu Zöllen auf chinesische Photovoltaik-Produkte kommen. „Die Prognos-Studie enthält erhebliche Mängel in Methodik und Inhalt sowie widersprüchliche Aussagen. Die USA verhängten 2012 Zölle auf Photovoltaik-Produkte. Wie in Europa gab es eine Studie über die möglichen Auswirkungen der erwarteten Zölle und es wurde ein alarmierender Einbruch der Nachfrage und Verlust von Arbeitsplätzen in den USA prognostiziert. Nachdem jedoch die Importzölle eingeführt wurden,  gibt es eine gestiegene Nachfrage und 14.000 neue Solar-Arbeitsplätze sind geschaffen worden“, erklärte der Autor der PwC-Studie, Wolfgang Nothhelfer. Ein weiterer Kritikpunkt an der Prognos-Studie ist, dass die Zahl der direkten und indirekten Arbeitsplatzverluste die realen Zahlen der tatsächlich vorhandenen Arbeitsplätze übersteigt.

Seit dieser Woche kursieren die möglichen Höhen für die Importzölle für chinesische Photovoltaik-Hersteller von durchschnittlich 47 Prozent. Voraussichtlich Anfang Juni wird die EU-Kommission dann die Höhe der vorläufigen Importzölle bekanntgeben. Allerdings bemüht sich China derzeit stark, eine Verhandlungslösung zu finden, weil ansonsten ein weitreichenderer Handelskonflikt zwischen China und der EU drohen könnte. (Sandra Enkhardt)


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