Energy Storage 2015: Im Schwarm sind Speicher effizienter

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

"Power to the People" war das Motto zu Beginn des zweiten Tages auf der Energy Storage 2015 in Düsseldorf. Experten stellten hier unterschiedliche Ansätze vor, um dezentrale Erzeuger und Speicher intelligent miteinander zu verbinden. Ziel ist nicht nur mehr Unabhängigkeit von den Energieversorgern zu erreichen, sondern auch die Stabilität des Gesamtsystems zu erhöhen und damit auch noch Geld zu verdienen.

Lithium-Ionen-Akku

Wenn viele dezentrale Speicher miteinander vernetzt werden, können neue Qualitäten entstehen.
Foto: Solarpraxis AG/Mirco Sieg

Home-Speicher werden derzeit meist dafür eingesetzt, den Eigenverbauch von Solarstrom und die Unabhängigkeit von Haushalten zu erhöhen. Um Netzdienstleistungen wirksam zur Verfügung zu stellen, reicht ein einzelnes Home-Speichersystem nicht aus. Dafür ist Zusammenarbeit gefragt. Auch die einzelnen Haushalte können davon profitieren. Im Zusammmenspiel steigen Eigenberauch und Autarkie genauso wie die mit dem Speicher erzielbaren Erlöse.

Internet der Energie

Markus Brehler, CEO des Unternehmens Caterva, sprach in seinem Vortrag auf der Energy Storage 2015 über das "Internet der Energie", wie er es nennt. Durch die Vernetzung von Home-Speichern via Internet können dezentrale Speicher besser ausgenutzt werden, so seine These. Die intelligente Vernetzung steigert die Unabhängigkeit der Haushalte vom Energieversorger. Außerdem könnten solche Speichernetze mit ihrer kommulierten Speicherkapazität und -leistung Netzdienstleistungen, wie zum Beispiel die Frequenzhaltung durch Regelenergie anbieten. Da diese Leistung vom Energieversorger entlohnt wird, kann der Speicherbesitzer  zusätzliche Erlöse erzielen und so die Rentabilitä seines Speichersystems erhöhen.

Brehler hält diese Möglichkeit für ein tragfähiges Geschäftsmodell, das in Zukunft noch ausgebaut werden kann. "Netzdienstleistungen werden heute überwiegend von Kohlekraftwerken erbracht. Aber wer übernimmt den Service, wenn wir in Zukunft immer mehr Kohlekraftwerke abschalten?", fragt Brehler. Der Bedarf an Regelenergie wird in Zukunft jedenfalls nicht nachlassen, meint Brehler. "Ohne eine perfekte Wettervorhersage werden wir auch auf lange Sicht größere Mengen an Regelenergie benötigen."

Energiemanagement ist der Schlüssel


Die Vernetzung vieler kleiner Home-Speicher bringt derzeit noch technische Herausforderungen mit sich. Christian Müller-Elschner, Senior Advisor bei Apricum, stellte daher in seinem Vortrag die These auf, dass Energieversorger in Zukunft mehr und mehr zu IT-Service-Abietern werden müssen. Die Kunden der Versorger entwickeln sich von passiven Konsumenten zu aktiven Prosumenten. Dabei müssen die Kunden mit immer komplexer werdenden Energiesystemen zurechtkommen, die zum Beispiel Solaranlage, Wärmepumpe und Speichersystem miteinander verbinden.

Um die Kunden bei dieser Entwicklung nicht alleine zu lassen, sollten Energieversorger Systeme entwickeln, mit denen Strom- und Wärmeerzeugung intelliegent und für den Kunden unkompliziert verbunden werden, meint Müller-Elschner. Aus seiner Sicht sind daher in naher Zukunft vor allem Energiemanagementsysteme gefragt, die mit offen Schnittstellen und Datenprotokollen arbeiten, um Erzeuger, Speicher und Verbraucher verschiedenster Anbieter zu kombinieren. Energieversorger sollten diese Systeme dann über flexible Internet-basierte Plattformen integrieren und steuern. Energiemanagementsystem seien der Schlüssel zur Vernetzung dezentraler Energieerzeugung.

Konto bei der Strombank


Ein Modell für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Haushalte mit erneuerbarer Energieerzeugung und -speicherung, stellte das Unternehmen MVV Energie vor. Mit einem Konto bei der sogenannten Strombank werden dezentrale Systeme Teil einer "Energiegemeinschaft", erklärt Robert Thomann, Innovation Manager bei MVV. Haushalte sind oft mit sehr unterschiedlichen Erzeugungs- und Speichersystemen ausgestattet, die sich in der Gemeinschaft gut gegenseitig ergänzen könnten. Ein Haushalt hält vielleicht ein Mikro-BHKW, dass vor allem im Winter Wärme und Strom erzeugt, ein anderer hat eine Solaranlage, die überwiegend im Sommer Strom erzeugt. So könnten nicht nut erzeugungsschwankungen zwischen Tag und Nacht ausgeglichen werden, sondern auch zwischen Sommer und Winter.

Damit die Energieverteilung in der Gemeinschaft auch gerecht abläuft, bekommmt jeder Teilnehmer sein eigenes Stromkonto, auf dem zum Beispiel Strombezug und -einspeisung saldiert werden. In einem Pilotprojekt sind in einer Nachbarschaft bereits 17 Systeme miteinander verbunde worden. Die einzelnen Systeme übermitteln die für das Energiemanagement relevanten Daten im Fünf-Sekunden-Takt. Daraus werden Stromerzeugung und Ladezustände der Erzeuger und Speicher berechnet und das System anschließend ausbalanciert, ebenfalls alle fünf Sekunden. Für den Stromaustausch zwischen den Haushalten nutz die Strombank das vorhandene Stromnetz. Daher fallen leider auch diverse zusätzliche Kosten an, zum Beispiel die EEG-Umlage. Robert Thomann hofft allerdings, das die Politik in Zukunft Lösungen anstreben wird, mit denen der ortsnahe Austausch von Ökostrom weniger belastet wird, als es heute der Fall ist. (Mirco Sieg)


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