Energy Storage 2015: BMWi und BDEW uneinig beim Speicherzubau

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews, Speicher und Netze

Zum vierten Mal jährt sich die Energy Storage Konferenz und Messe in Düsseldorf. In diesem Jahr sind laut Veranstalter Besucher aus 48 Ländern vertreten. Ein Rekord, der zeigt, wie groß das Interesse am deutschen Speichermarkt ist. Was die Zukunft von Speichersystemen in Deutschland angeht, gibt es unter den Experten und Politikern allerdings unterschiedliche Auffassungen.

Auftaktsession der Energy Storage 2015

Die Rivalität zwischen altem und neuem Energiesystem ist auf der Energy Storage 2015 spürbar.
Foto: Solarpraxis AG/Mirco Sieg

Zu Beginnn der Energy Storage 2015 sprach Eicke Weber, Präsident des Bundesverbands Energiespeicher (BVES) und Leiter des Fraunhofer ISE, über die Notwendigkeit von Speichertechnologien für die Energiewende. Der Zeitpunkt für die breite Markteinführung von Speichern ist aus seiner Sicht gekommen. Forschung sei in erster Linie noch nötig, um die Kosten weiter zu drücken. Bahnbrechende technische Innovationen seien zwar nicht unerwünscht, aber im Grunde nicht mehr nötig. In seiner Rede betonte er zudem, dass nicht nur Batteriespeicher, sondern auch thermische Speicher in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Für die kommenden zwei bis drei Jahre prophezeit Weber einen drastischen Kostenrückgang in diesen Bereichen.

Konventionelle Überkapazitäten erschweren den Weg für Speicher

Die Sicht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erklärte im Anschluss Alexander Folz als Vertretung von Minister Sigmar Gabriel (SPD). Deutschland habe sich mit der Energiewende ambitionierte Ziele vorgenommen. Dafür sei ein Wandel des Energieversorgungssystems unabdingbar. Folz ist allerdings der Meinung, dass es aus Systemsicht derzeit keine Notwendigkeit für den Zubau von Energiespeichern gebe. Durch die aktuellen Überkapazitäten könnten konventionelle Kraftwerken Flexibilität viel billiger anbieten als Stromspeicher. Ziel des BMWi sei ein technologieoffener Wettbewerb der Flexibilitätsoptionen. Daher sollten zunächst die günstigsten Technologien genutzt werden während sich Speicher erst weiterentwickeln müssten, um wettbewerbsfähig zu werden.

Speicher nicht als Verbraucher behandeln

Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte, dass die Ansicht des BMWi nicht der Auffassung ihres Verbands entspreche. Speichertechnologien seien für das künfige Energiesystem notwendig, auch wenn es noch Fortschitte bei der Retabilität geben müsse. Hier sieht Müller nicht nur weiteren Forschungsbedarf, sondern hält auch legislative und regulatorische Anpassungen für notwendig. So sollten Speichersysteme rechtlich nicht mehr wie Stromverbraucher behandelt werden, die Netzentgelte und sonstige Umlagen zahlen müssen, sondern von solchen Zusatzkosten befreit werden, um schneller die Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Energieriese sieht schon heute rentable Einsatzgebiete

Peter Röttgen, Leiter des Eon Innovation Center Energy Storage, sieht schon heute mehrere rentable Einsatzgebiete für Speichersysteme, zum Beispiel in der Bereitstellung von Regelenergie, bei der Speicherung von Strom in Form von Wärme (Power-to-Heat) oder in Form von Gas (Power-to-Gas). In seinem Vortrag thematisierte Röttgen unter anderem die Schwierigkeit, eine sinnvolle Abschätzung der nötgen Speicherkapazitäten in Deutschland zu geben. Studien kämen in dieser Frage zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, von 40 Gigawattstunden bis zu 2200 Gigawattstunden. Es sei nur schwer vorherzusagen, wie sich zum Beispiel ein weiterer Netzausbau oder eine breiterer Erfolg der Elektromobilität auf die notwendigen Speichermengen auswirken würde. "Als Unternehmen muss man sich daher entscheiden, ob man an Speicher glaubt oder nicht", so Röttgen. Aus seiner Sicht wird die Speicherung in Zukunft zur vierten Grundkomponente des Energiesystems, neben Erzeugung, Transport und Verbrauch. (Mirco Sieg)


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