Energiewende wird mit Ausschreibungsmodell teurer

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Ausschreibungen für Erneuerbare-Energien-Projekte verteuern die Energiewende und nehmen kleinen und mittelgroßen Anbietern die Chance zur Marktteilnahme. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Hermann Falk vom BEE vermutet, dass Ausschreibungen nur dazu dienen, die deutschen Stromkonzerne zurück ins Spiel zu bringen.
Foto: Wikimedia/Flocko

Ein aktuelles Gutachten des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (izes) kommt zu dem Schluss, dass Ausschreibungen kein geeignetes Mittel sind, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben und kostengünstiger zu gestalten als bisher. Außerdem hätten kleine und mittelgroße Anbieter bei einem Ausschreibungsmodell mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Chance zur Marktteilnahme.

Uwe Leprich, wissenschaftlicher Leiter des izes, erklärte bei der heutigen Vorstellung des Gutachtens in Berlin: „Ausschreibungen verursachen sowohl für die staatliche Verwaltung als auch für die teilnehmenden Unternehmen erheblichen Mehraufwand und höhere Kosten“

Das izes-Gutachten wurde vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) in Auftrag gegeben. Dessen Geschäftsführer Hermann Falk sagte bei der Vorstellung: „Gerade angesichts der schlechten Erfahrungen mit Ausschreibungen im Ausland, die das izes-Gutachten nachzeichnet, verstehen wir nicht, warum Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dieses Instrument mit soviel Nachdruck durchsetzen will.“ Zudem habe sich Gabriel selbst in Brüssel für Ausschreibungen stark gemacht und verweise nun innenpolitisch auf die Forderungen der EU-Kommission. Dabei setze er aber noch nicht mal die von Brüssel geforderte Bagatellgrenze von einem Megawatt für Photovoltaik-Anlagen um.

Als Beispiele für gescheiterte Ausschreibungsmodelle im Ausland führte Falk zum Beispiel die Niederlande an. Hier seien viele Erneuerbare-Energien-Projekte auch Jahre nach der Ausschreibung nicht umgesetzt worden, weil die Unternehmen zu niedrige Gebote abgegeben hatten, um sich den Zuschlag zu sichern und mangels wirksamer Strafzahlungen auch nicht dazu gezwungen waren, die zugesagten Projekte zu realisieren. Auch in Brasilien seien viele ausgeschriebene Projekte am Ende nicht umgesetzt worden. In Frankreich hätten Ausschreibungen zu Kosten geführt, die mehr als drei Cent pro Kilowattstunde über der in Deutschland gezahlten Einspeisevergütung lagen. „Ausschreibungen dienen nur dazu, die deutschen Stromkonzerne zurück ins Spiel zu bringen“, schlussfolgert der BEE-Geschäftsführer.

Robert Neumann, Vorstand BürgerEnergie Buxtehude eG, warnte: „Die Akteursvielfalt, die die deutsche Energiewende bislang auszeichnet, wäre in Gefahr.“ Ausschreibungen würden zu hohen Risikoaufschlägen bei der Finanzierung führen. Dadurch würden sich viele Genossenschaften nicht einmal an Pilotprojekten beteiligen.

Die gesamt Studie kann auf der Webseite des Bundesverband Erneuerbare Energie eingesehen werden. (Mirco Sieg)


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