Energiewende erhöht Energiekosten nur temporär und um ein Sechstel

Kategorie: Topnews, Politik und Gesellschaft

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen stellt ein Gutachten zur Gestaltung des Strommarktes mit Ratschlägen für die nächsten politischen Entscheidungen vor. Der Ausbau der Erneuerbaren sollte nicht gebremst werden.

Studien zeigen nach Aussage des Umweltrats, dass die Kosten für die Energiewende im Strombereich nur 0,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen.
Foto: Solarpraxis AG/ Andreas Schlegel

Bis 2030 ist ein Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung von 60 bis 70 Prozent zu volkswirtschaftlichen Zusatzkosten von deutlich unter zehn Milliarden Euro im Jahr realisierbar. Das schreibt der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen, kurz SRU, in der Pressemeldung zum Sondergutachten „Den Strommarkt der Zukunft gestalten“. Zehn Milliarden Euro seien weniger als 0,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts und weniger als ein Sechstel der gesamten Energiekosten von Haushalten und Industrie. Eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien sei am Ende umweltfreundlicher, kostengünstiger und sichert mehr Arbeitsplätze als die konventionelle Energieversorgung.

Da die Kosten verhältnismäßig gering sind, sind die Experten der Auffassung, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht gebremst werden sollte. „Der Umbau der Energieversorgung muss energisch fortgesetzt werden“, mahnt auch der Umweltrat-Vorsitzende Martin Faulstich. Die Autoren der Studie wenden sich daher gegen die in der Politik diskutierte Mengensteuerung mit einem Quotenmodell, mit einen Ausbaudeckel oder mit Auktionsverfahren.

Volkswirtschaftliche Gesamtbilanz betrachten
Der derzeit enge Blick auf die EEG-Umlage verstelle außerdem den Blick auf die volkswirtschaftliche Gesamtbilanz. Wenn energieintensive Industrien über angeblich hohe Kosten durch die Energiewende klagen, stimme das auch nicht. Sie sind nach Ansicht der Autoren Gewinner der Energiewende, weil sie bisher von der Zahlung der EEG-Umlage weitgehend befreit sind und davon profitieren, dass die Börsenpreise durch die Sonne- und Windkraft deutlich gesunken sind.

Der Umweltrat äußert sich in der Studie zu der derzeitigen Diskussion, wie erneuerbare Energien in den Strommarkt integriert werden können. Er empfiehlt die Förderung auf eine obligatorische Direktvermarktung mit einer gleitenden Marktprämie umzustellen. Diese Prämie sollte so hoch sein, dass Investitionen refinanziert werden können und der Anteil der erneuerbaren Energien weiter wächst. Die konventionelle Stromversorgung müsse dagegen den Erfordernissen der Energiewende untergeordnet werden. Ein hoher Anteil an Kohlekraftwerken sei damit nicht vereinbar, so dass die aktuellen Überkapazitäten schrittweise abgebaut werden müssten.

Zertifikatspreise und Klimaschutzziele erhöhen
Als wichtigste Einzelmaßnahme, um die Energiewende zu unterstützen, empfiehlt der Umweltrat einen höheren Preis für CO2-Zertifikate und anspruchsvollere Klimaschutzziele. Der CO2 Zertifikatspreis ist in den letzten Jahren dramatisch gefallen, was ein Grund dafür ist, dass sich der Betrieb von Kohlekraftwerken mehr rechnet als der von Gaskraftwerken. Als europäisches Klimaschutzziel empfiehlt der Rat eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um mindestens 45 Prozent gegenüber 1990.

Für einen stabilen Orientierungs- und Investitionsrahmen empfiehlt der Umweltrat zudem ein nationales Klimaschutzgesetz mit Zielen für die nächsten Jahrzehnte. Die Energiewende erfordere eine bessere Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Ministerien und zwischen Bund, Ländern und der EU. Diese Zusammenarbeit sollte durch einen Staatsminister im Bundeskanzleramt koordiniert werden. Von einem Energieministerium rät der SRU ab, weil es diese Koordinationsleistung nicht erbringen könne.

Der Umweltrat hat schon vor zweieinhalb Jahren ein Gutachten vorgestellt, in dem sich zeigte, dass eine Vollversorgung Deutschlands mit erneuerbaren Energien kostengünstig machbar ist. Damals ist die Studie jedoch kritisiert worden, da in ihr die Kosten für Solarstromanlagen deutlich zu hoch und die für Offshore-Windenergieanlagen zu niedrig angesetzt worden waren. Dadurch hatten die Experten nur einen sehr niedrigen Solarstromausbau vorgesehen.

Die entsprechende Grafik ist in der neuen Studie erstaunlicherweise immer noch enthalten. Danach liegen die Stromgestehungskosten von Photovoltaik in 2013 bei über 17 Cent pro Kilowattstunde und fallen erst in 2023 auf die elf Cent, die das Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme bereits als aktuellen Mittelwert ermittelt hat. Bei der Diskussion des zukünftigen Energiemixes werden Studien zitiert, die bei einer erneuerbaren Vollversorgung bis etwas über 100 Gigawatt installierte Photovoltaikleistung vorsehen. Die Experten des ISE, die nicht nur einzelne Szenarien berechnet sondern eine mathematische Optimierung durchgeführt haben, kommen dagegen auf rund 200 Gigawatt. (Michael Fuhs)

 

Korrektur: In der ersten Version dieses Artikels stand, der SRU habe die Kosten der Transformation in der neuen Studie berechnet. Das ist nicht der Fall. Der SRU zitiert dazu andere Studien. Die neue Studie des SRU beschäftigt sich hauptsächlich mit möglichen nächsten Entscheidungen, zum Beispiel zu Direktvermarktung und Klimaschutzgesetz.


Copyright 2014 © pv magazine

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

photovoltaic (pv) news on topics like thin film and feed-in tariffs and events like Intersolar Europe

Internationale Photovoltaik-News auf Englisch

Spanische Photovoltaik-News aus Lateinamerika