EEG-Umlage für Eigenverbrauch bei Kohle- und Atomkraftwerken gefordert

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

BUND und Greenpeace haben ein Gutachten vorgelegt, wonach die EEG-Umlage um etwa zwölf Prozent sinken könnte, wenn die Bevorzugung von Kohle- und Atomkraftwerken sowie von Braunkohle-Tagebauen abgeschafft wird. Die Bundesregierung sollte die konventionelle Stromerzeugung im Zuge der EEG-Reform stärker an den Kosten der Energiewende beteiligen.

Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln

Die Umweltorganisationen fordern, dass auch Kraftwerks-Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage belastet werden muss.
Foto: Harald Hillemanns/wikimedia

Die EEG-Umlage könnte sofort von derzeit 6,24 auf 5,55 Cent je Kilowattstunde für den nicht-privilegierten Letztverbrauch sinken, wenn die Bevorzugung konventioneller Kraftwerke beim Eigenstromverbrauch abgeschafft würde. Diese koste die Stromkunden rund 2,6 Milliarden Euro im Jahr, so das Ergebnis einer Studie von Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Umweltverbände fordern daher auch, dass im Zuge der EEG-Reform die Bevorzugung von Kohle- und Atomkraftwerken sowie von Braunkohle-Tagebauen beendet werden sollte. Deren Eigenstromverbrauch müssten künftig zur Finanzierung der Energiewende herangezogen werden. Allerdings plant Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) vor allem den Eigenverbrauch bei Erneuerbaren-Energien- und KWK-Anlagen stärker zu belasten. Sie sollen nach derzeitigen Plänen bei Neuanlagen 50 Prozent EEG-Umlage auf den Selbstverbrauch des Stroms zahlen.

„Gabriel führt die Energiewende ad absurdum: Kohle- und Atomkraftwerksbetreiber sollen weiter jährlich 2,6 Milliarden Euro für den Stromeigenverbrauch geschenkt kriegen, während für den selbst verbrauchten und sauberen Strom aus Anlagen für erneuerbare Energien in Zukunft EEG-Umlage gezahlt werden soll“, sagt die BUND-Energieexpertin Daniela Setton. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wolle aus Klimaschutzgründen aber den Kohlestrom zurückdrängen. „Dafür muss sie sich mit Gabriel anlegen, sonst verkommt das Erneuerbare-Energien-Gesetz zum Subventionstopf für Umweltverschmutzer“, so Setton weiter. Der Greenpeace-Energieexperte Tobias Austrup ergänzte, dass von der geplanten Regelung vor allem die ineffizientesten und ältesten Kohlekraftwerke profitieren, deren Eigenverbrauch am höchsten sei.

BUND und Greenpeace erwarten, dass die Einbeziehung des Kraftwerk-Eigenverbrauchs positive Impulse im Strommarkt setzen könnte. Er beträgt der Studie zufolge derzeit etwa sechs Prozent der gesamten Bruttostromerzeugung in Deutschland. Durch die parallel leicht steigenden Börsenstrompreise könnten sich auch die Verkaufserlöse für erneuerbaren Strom erhöhen. Zudem würde die Stromproduktion deutscher Steinkohlekraftwerke um etwa ein Zehntel und damit die Kohlestromexporte sinken, so die Erwartung der Umweltverbände. Zugleich ließen sich in der Folge CO2-Emissionen einsparen. (Sandra Enkhardt)


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